Von Nils Reschke 0
Zum Tode Hallers

Wie Helmut Haller als „Il Biondo“ ganz Italien verzauberte

Gesundheitlich ging es ihm schon lange nicht mehr gut. Nach einem Herzinfarkt am zweiten Weihnachtstag 2006 litt Helmut Haller auch an Parkinson und Demenz, lebte still und zurückgezogen. Am Donnerstag starb der Ausnahmefußballer, den Fans nicht vergessen werden.


Als Helmut Haller sich als einer der ersten Fußballer überhaupt aufmachte, um sein Geld mit dem Fußball in Italien zu verdienen, brauchte er keine lange Anlaufzeit. „Il Biondo“, der Spieler mit den strohblonden Haaren, zog italienische Fußballfans in seinen Bann. Insbesondere jene des FC Bologna. Denn für diesen Club spielte Helmut Haller sechs Jahre und gewann auch die Meisterschaft in der Serie A. Danach hieß seine Station Juventus Turin. Bei der „Alten Dame“ holte Helmut Haller zwei weitere Male den Scudetto, weswegen er auch von den Medien gefeiert wurde. „Wie im Himmel“ soll er gespielt haben. Dort spielt Helmut Haller jetzt auch vor. Einer Deutschlands bester Kicker verstarb am Donnerstag im Alter von 73 Jahren nach schwerer Krankheit.

Als deutscher Fußballer sein Geld im Ausland zu verdienen: Heute ist das fast schon eine sichere Eintrittskarte für die Nationalelf. Früher einmal war es anders. „Helmut, dann können Sie die WM in Chile abschreiben“, reagierte Sepp Herberger regelrecht gereizt, als er von den Plänen seines Halbstürmers erfuhr. Aber Haller ließ sich nicht davon abbringen – und spielte dennoch weiter in der Nationalmannschaft.  „Der Ball klebt ihm am Fuß, wie er es haben will“, erklärt Franz Beckenbauer, warum. An Haller kam Herberger eben nicht vorbei. Und der Fußballer, der später seine Karriere beim FC Augsburg sollte ausklingen lassen, war eben mehr als ein Kicker. Helmut Haller war auch ein Botschafter des Landes. In Italien trug er maßgeblich dazu bei, das Bild der Deutschen positiv zu beeinflussen.

„Il Biondo“ wurde sogar als erster Ausländer in der Serie A zu Italiens Fußballer des Jahres gewählt. Ebenso wie es Bernd Trautmann, dem deutschen Klassekeeper, auf der Insel in England einst gelang. Stichwort Insel: Legendär bleibt nicht nur das WM-Finale von 1966 mit dem Wembley-Treffer, bei dem Haller das zwischenzeitliche 1:0 erzielt hatte. Nein, der gebürtige Augsburger sorgte auch für Schlagzeilen, als er sich den Spielball schnappte und als Souvenir mit nach Hause nahm. Erst 1996 vor der Euro überreichte Haller seine Trophäe den Engländern zurück.

Uwe Seeler, einer seiner Weggefährten, nennt ihn einen „unheimlich talentierter Fußballer, einen Spaßvogel und eine Frohnatur“ und reagierte geschockt auf die Nachricht Hallers Todes. Zuletzt wurde er von seiner Tochter liebevoll gepflegt.


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