Von Nils Reschke 2
Kommentar

„Wetten, dass..?“ im Kreuzfeuer der Kritik? Dann schaltet doch ab!

Am Samstagabend flimmerte „Wetten, dass..?“ live aus Bremen in die Wohnzimmer der Republik. Am Morgen darauf spaltete die Unterhaltungsshow die Nation – mal wieder. Das war schon unter Frank Elstner so, bei Thomas Gottschalk sowieso, erreichte unter Wolfgang Lippert seinen Höhepunkt – und warum sollte es Markus Lanz anders ergehen?


Dass mittlerweile jeder seinen Senf zu noch so belanglosen Themen abgeben darf, haben wir dem Internet zu verdanken. Meinungsfreiheit ist das Stichwort. So wie ich meine Meinung an dieser Stelle hier schreibe. Es brennt mir quasi unter den Nägeln. Denn ich wundere mich, ob Deutschland wirklich zu einem Volk der ewigen Nörgler und Besserwisser verkommen ist. Oder waren wir das gar schon immer? Wie dem auch sei: Man muss während einer Live-Show wie „Wetten, dass..?“ nur einmal parallel die Sozialen Netzwerke wie Twitter oder Facebook aufsuchen. Hab ich getan. Mache ich regelmäßig. Obwohl ich mir eigentlich immer wieder vornehme, es sein zu lassen. Ich bin einfach zu neugierig, wie andere Menschen Dinge bewerten. So wie „Wetten, das..?“ mit Markus Lanz am Samstagabend. Und danach ärgere ich mich.

Für viele scheint es zum Volkssport geworden zu sein, einfach mal ohne fundierte Begründung über Menschen oder Sendungen herzuziehen. Einige von diesen Besserwissern bereiten vermutlich schon ihre besten „Gags“ vor, um sie dann passend in den Sozialen Netzwerken zu platzieren, damit sie ja auch ausreichend an Aufmerksamkeit erhaschen. Sicherlich: Es gibt auch intelligente Beiträge. Doch das meiste davon ist wie das Internet selbst: beliebig, gar nicht witzig. Und ich frage mich allen Ernstes: Haben diese Menschen eigentlich keine Freunde? Eher nicht. Oder sie denken, welche zu haben. Auf Twitter, Facebook und Co. Wieso jedenfalls sitzt jemand drei Stunden am Smartphone, zwitschert Lästertiraden, während nebenbei „Wetten, dass..?“ läuft – eine Sendung, die diese Person den eigenen Tweets zufolge doch eigentlich auf den Tod nicht leiden kann? Ich jedenfalls hätte an einem Samstagabend (und nicht nur dann) weitaus Besseres zu tun, meine Freizeit zu gestalten.

Kaum besser sind die professionellen Medien, die ihren Auftrag leider völlig außer Acht lassen. Sicherlich, eine TV-Kritik bleibt immer subjektiv. Als Leser weiß ich das – erwarte aber auch eine fundierte Analyse der Thematik. Glaubt man aber am Sonntagmorgen beispielsweise „Welt Online“, so „scheiterte Markus Lanz kläglich“. Während die Autorin noch die Klavierkünste des Moderators aufs Korn nimmt, ist ihr dabei wohl entfallen, dass sich Gossips Frontfrau Beth Ditto mit zwei „T“ schreibt. Eigentor. Wie ohnehin die gesamte Kritik. Okay, „Welt Online“ hat es nicht gefallen. Das ist angekommen. So wie übrigens auch „Spiegel Online“ nicht. Unterhaltung habe hierzulande viel mit Leiden zu tun lautet die These. Und der möchte man begegnen: So manche TV-Kritik ebenfalls. Ganz ehrlich: Das Wort „Fremdscham“ kann ich nicht mehr lesen. Für wen soll ich mich schämen? Für Menschen, die genau wissen, wie das Show-Business funktioniert?

Denn ein Aspekt wird gerne vergessen beim munteren Niedermachen: die Zuschauer! „Wetten, dass..?“ nimmt für sich in Anspruch, wieder die ganze Familie am Samstagabend auf die Couch zu holen. Und ich sage: Es war nicht alles gut, auch nicht bei Moderator Lanz. Aber zumindest ist ein unterhaltsamer Familienabend gelungen. Nur können das in ihre Kritiken verliebte kinder- oder gar partnerlose Menschen vielleicht weniger nachvollziehen. Die Methode „Holzhammer“ ist ja auch die einfachere. Und es gibt offenbar ausreichend einsame Menschen, die nichts Besseres mit ihrer Zeit anfangen zu wissen, als während ihrer Flugübungen auf Twitter zwitschernd darauf anzuspringen und ins Klagelied der Nation einstimmen. Ein gemütlicher Kino-Abend (ach nee, läuft ja auch nur Schrott) oder mit Freunden einfach mal um die Häuser ziehen (ach nee, die Kneipenpreise heutzutage) wären doch tolle Alternativen. Einen Tipp gibt es aber gratiswemm auch nicht exklusiv. Peter Lustig wusste bereits: „Und jetzt: abschalten!“


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