Von Franz Kaiser 0
"Roonaldo" wird 26

Wayne Rooney: Ein echter Typ pendelt zwischen Genie und Wahnsinn

Heute wird einer der bekanntesten und skandalträchtigsten Fußballer der Welt 26 Jahre alt. Grund genug, hiermit unsere Sportkolumne „Der Pool ist rund“ ins Leben zu rufen. Unser Kolumnist Franz Kaiser wirft ab jetzt regelmäßig einen Blick hinter die Sportkulissen und beginnt mit niemand geringerem als Wayne Rooney.


Als die englische Fußball-Nationalelf Anfang Oktober in Montenegro spielte, gingen mit Wayne Rooney mal wieder die Pferde durch. Kurz vor Ende des Spiels trat der Stürmerstar ohne ersichtlichen Grund seinen Gegenspieler von hinten um – direkt vor den Augen des Schiedsrichters. Der zückte auch sofort die rote Karte und schickte Rooney zum Duschen. Die Sperre für das sinnlose Foul wurde auf drei Spiele festgesetzt. Dadurch versäumt Englands wichtigster Angreifer alle drei Gruppenspiele der im nächsten Jahr stattfinden Europameisterschaft.

Die Aktion in Montenegro war irgendwie typisch für Rooney, den Hitzkopf. Dass er ein großartiger Fußballer ist, darüber gibt es eigentlich keine zwei Meinungen. Er ist einer von Europas besten Torjägern, schoss seinen Verein Manchester United schon zu zahlreichen Titeln. Doch dann gibt es eben auch noch diese andere Seite. Denn für seine Aussetzer und Eskapaden ist Rooney, der schillernde Star, fast genauso berühmt wie für seine Tore.

Unvergessen ist sein Abgang bei der WM 2006 in Deutschland. Rooney flog im Viertelfinale gegen Portugal vom Feld und wurde hinterher zum Prügelknaben der Nation. Auch seine Ankündigung, er werde seinen portugiesischen Mannschaftskameraden Cristiano Ronaldo, der lautstark den Platzverweis gefordert hatte, bei dessen Rückkehr nach England „vierteilen“, kam nicht überall gut an. Natürlich ließ er Ronaldo dann doch unversehrt, doch der fade Beigeschmack blieb. Manchmal hat man das Gefühl, dass der einzige Grund, weswegen Rooney nicht bei den Hooligans auf der Tribüne steht und randaliert, der ist, dass er nun mal unten auf dem Platz steht.

Er sieht vielleicht nicht so aus, aber Wayne Rooney ist Englands schillerndster Fußball-Star. Kein anderer Kicker schafft es so beständig in die Klatschspalten der bunten Blätter wie der bullige Angreifer von Manchester United. Seine Tore, seine unbedachten Äußerungen und sein Familienleben inklusive angeblicher Seitensprünge – all das mischt sich bei Rooney zu einem bunten und äußerst unterhaltsamen Ganzen.

Zum Beispiel seine Haartransplantation. Anfang Juni ließ sich Rooney die Haare richten, da ihm mit nur 25 Jahren schon die Glatze drohte. Solche Eitelkeit hätte man jedem zugetraut, nur nicht dem grobschlächtigen Burschen aus Liverpool. Wenn er, seine Gattin Coleen und der gemeinsame Sohn Kai irgendwo auftauchen, blitzen die Kameras, füllen sich die bunten Blätter. Rooney ist der Fußballer für alle Fälle. Jeder Engländer hat eine Meinung zu ihm, die meist zwischen den Polen „genial“ und „grauenhaft“ pendelt.

Dabei gerät das enorme Talent Rooneys fast ein wenig in Vergessenheit. Ein Talent, das sich schon unglaublich früh zeigte. Mit gerade einmal 16 Jahren debütierte Rooney in der englischen Premier League für seinen Heimatverein FC Everton. Am 19. Oktober 2002, wenige Tage vor seinem 17. Geburtstag, erzielte er gegen den großen FC Arsenal sein erstes Ligator – damals ein Rekord. Bei der EM 2004 schaffte er im englischen Nationalteam den Durchbruch, erzielte als 18-Jähriger wichtige Tore. Im Rekordtempo wurde aus dem Jungen aus Liverpool ein internationaler Topstar.

Nach dem Turnier verließ Rooney seine Heimatstadt und ging zu Manchester United. Unter der Aufsicht von Sir Alex Ferguson avancierte Rooney auch bei diesem erfolgsverwöhnten Traditionsverein zum Star. Nach sieben Jahren in Manchester hat er sich mittlerweile in den Vereinsannalen verewigt: Im August erzielte er sein 150. Ligator für die „Red Devils“ und ist damit Rekordhalter.

Rooney steht noch bis 2015 in Manchester unter Vertrag, und auch wenn nicht auszuschließen ist, dass er eines Tages zu einem anderen Spitzenverein wechselt (vor einem Jahr war es schon einmal fast so weit), so dürfte er zumindest in absehbarer Zeit noch die Fans in England mit seinen Toren beglücken. Und natürlich die Klatschpresse mit dem ein oder anderen Glanzlicht aus seinem Privatleben.


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