Von Mark Read 3
Die Sportkolumne

Warum die Debatte um Joachim Löw blödsinnig ist

Gestern Abend triumphierte Spanien im EM-Finale gegen Italien. Die deutsche Nationalmannschaft war wieder einmal nicht dabei, da sie kurz vor dem Ziel an Italien gescheitert war. Sofort begann in der Bundesrepublik eine Debatte um den Bundestrainer. Eine ziemlich blödsinnige und heuchlerische Debatte, wie unser Sportkolumnist Franz Kaiser findet.


Diesmal waren wir dran. Seit vielen, vielen Jahren nicht mehr war das Vertrauen der Deutschen in ihre Nationalelf so groß wie vor der EM 2012. Die makellose Qualifikation, in der erstmals alle Spiele gewonnen wurden, dazu beeindruckende Testspiel-Siege gegen Brasilien und die Niederlande. Joachim Löw hatte eine spielstarke und zudem verdammt junge Truppe zusammengestellt, der wirklich alles zuzutrauen war. Nach zuletzt zwei dritten und einem zweiten Platz schien jetzt die Zeit reif zu sein für den ersten Titel seit dem EM-Sieg 1996. Dachten alle.

Doch dann kam die 1:2-Niederlage im Halbfinale gegen Italien - und auf einmal war sämtliche Euphorie verflogen. Der Zorn nach der verdienten Niederlage richtete sich nicht nur auf die beteiligten Spieler, die es durch die Bank an Entschlossenheit und Willen zum Erfolg hatten vermissen lassen - sondern auch gegen den Trainer. Vor allem seine Entscheidung, Lukas Podolski, Toni Kroos und Mario Gomez wieder in die Startelf zu stellen, stieß auf Kritik. Schon war in manchen Medien gar zu lesen: Kann man Löw noch vertrauen? Sollte der Bundestrainer den Weg für einen Neuanfang freimachen? Werden wir mit diesem Trainer je einen Titel holen?

Wenn ich so etwas lese, geht mir persönlich die Hutschnur hoch. Was soll diese Stimmungsmache? Bei aller verständlichen Enttäuschung darüber, wieder einmal kurz vor dem Ziel gescheitert zu sein, kann und darf es überhaupt keine Debatte um den Bundestrainer geben. In den ersten Spielen wurde Löw für seine plötzlichen Wechsel noch gefeiert, weil alle zum Erfolg führten. Mats Hummels und Mario Gomez hätte vor dem ersten Spiel kaum jemand in der Stammelf erwartet - und beide wurden zu Garanten für den Erfolg. Vor dem Viertelfinale beorderte er Marco Reus in die Mannschaft, der zum Matchwinner gegen Griechenland wurde. Gegen Italien hatten seine Umstellungen nun einmal keinen Erfolg - doch ist das ausschließlich die Schuld des Trainers? Und muss man deswegen nun auf einmal alles schlecht reden, was zuvor noch großartig war?

Dass der Coach gerne an Spielern festhält, auch wenn sie nicht in Form sind, ist überhaupt nichts neues und hat schon bei der WM 2010 funktioniert. Erinnert sich noch jemand an die Debatte vor dem Turnier in Südafrika, ob man Podolski und Miroslav Klose überhaupt mitnehmen sollte? Beide hatten eine schwache Bundesliga-Saison gespielt, beide wurden aber in Südafrika zu Garanten für den Erfolg. Löw weiß nun einmal, wem er vertrauen kann. Das ist sein Stil und zudem ein lobenswerter Charakterzug. Die Spieler wissen, dass sie auch Fehler machen dürfen.

Um es klar und deutlich zu sagen: Löw ist das Beste, was dem deutschen Fußball hätte passieren können. Er hat die Arbeit von Jürgen Klinsmann perfekt fortgeführt und eine junge, schlagkräftige Truppe geformt, der nur noch Kleinigkeiten fehlen, um ganz noch oben zu kommen. Kleinigkeiten, die Mannschaften wie Spanien und Italien zwar haben, doch die man nun mal nicht herbeizaubern kann. Unter Löws Regie ist der deutsche Fußball international wieder salonfähig geworden und konnte zudem endlich seinen Ruf ablegen, seine Erfolge immer nur über Kampf und hässliche Siege herbeizuführen. Weltweit wird Deutschlands offensiver Spielstil beachtet und gewürdigt, sogar in traditionell verfeindeten Fußball-Nationen wie England und Frankreich.

Die Art und Weise, wie nun alle Kritiker nach einer einzigen enttäuschenden Niederlage aus den Löchern kommen und dem Trainer vorwerfen, er lebe seiner Mannschaft zu wenig Biss vor und ihm fehle einfach die Siegermentalität, hat etwas sehr Heuchlerisches. Hätte Deutschland gegen Italien gewonnen, wäre alles Friede, Freude, Eierkuchen gewesen. Eine Finalniederlage gegen Spanien hätte mit Sicherheit kein so böses Echo hervorgerufen wie es die Halbfinalpleite tat. Überhaupt wird mir persönlich der souverän gemeisterte Halbfinaleinzug der deutschen Elf viel zu wenig gewürdigt. Wäre Deutschland wie der große Erzrivale Holland mit drei Pleiten in der Vorrunde ausgeschieden, wäre die Diskussion um den Posten des Trainers absolut berechtigt. Aber wegen einem schwachen Spiel ein gesamtes Turnier schlecht zu reden und die Arbeit eines Trainers zu diskreditieren, ist schäbig und stillos.

Ich hoffe, dass man beim DFB besonnen genug ist, um keine überhasteten Entscheidungen zu treffen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir, wenn Löw seine Arbeit weiterhin so besonnen und konzentriert fortsetzt, bei der WM 2014 in Brasilien endlich für das lange Warten belohnt werden.


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Eibes 11. Jul. - 16:32 Uhr

Loew hatte seine Arbeit sehr gut erledigt.
Die Mannschaft hat nicht alles gezeigt was sie kann!
Aber die erbrachten Leistungen im Turnier waren ausgezeichnet.
Zum Fussball gehören auch Niederlagen.

R.G 05. Jul. - 14:58 Uhr

Der obige Komentar ist zwar gut geschrieben, doch verdreht er numal leider die Tatsachen.

- tolle EM - Halbfinaleinzug ??? Das kann doch nicht Ernst gemeint sein oder ? Alle Verantwortlichen gaben das eindeutige Ziel Europameister aus. War sicher nicht klug, aber war so. Daher ist eindeutig das Ziel verfehlt. Nicht im Endspiel, oder gegen einen vielleicht übermächtigen Gegner, oder vielleicht nach hartem Kampf... Nein gegen den 12. der Weltrangliste, der vor dem Halbvinale genau 1 Spiel gewonnen hatte gegen Irland.... und zwar mit Ach und Krach. Vielmehr war der Grund, ohne Not, die Mannschaft des 1/4 Finales, die zum ersten Mal sowas wie spielerischen Glanz gezeigt hat zu ändern. Was war der Grund ? Ich hoffe nicht die völlig danebenliegenden Komentare, wie alles was Löw anpackt wird irgentwie zu Gold...(wollte Löw aus Eitelkeit, wieder darum was ändern, um zu zeigen, alle können jedereit in die Mannschaft, schaut her ich der Löw) ? Nur mit Glück ein Sieg gegen Portugal.... Ein Sieg gegen die z.Zt. schwachen und zerstrittenen NL und schliesslich mit sehr viel Glück gegen Dänemark. Schliesslich kam endlich die Einsicht (so dachten viele Fußballfreunde und Fachleute) Rückbesinnung, was in den letzten beiden Jahren die Mannschaft so stark gemacht hat. Schnelles Kombinationsspiel mit tehnisch hoch begabten Spielern, wie Ösil, Müller, Schürrle, Götze und nicht zuletzt Klose. Und plötzlich funktioniert es gegen Griechenland. Ich höre immer, ja Griechenland....ist nicht Italien... das ist wohl war, aber Griechenland hatte in der Quali und in Freundschaftsspielen nur 2 Spiele verloren und nie mehr als 2 gegentore bekommen...Gegener u.a. auch Spanien...! Deutschland gewann 4:1 und es hätte höher ausgehen können. Was tut Löw entgegen jeder Fußballweissheit. Er ändert auf 3 Positionen und vor allem innerhalb der Mannschaft auch noch Positionen - OHNE NOT, eine endlich so spielende Mannschaft, wie man es sich gewünscht hatte. Wir spielten mit 3, statt mit 2 Sechsern (wegen Pirlo...???). Er spielt auf rechts ohne Offensivspieler. Der arme Boateng mußte auf rechts offensiv, deffensiv und er sollte dort wohl auch noch doppeln. So kam übrigens das erste Tor zustande...Hummels mußte helfen...den Erfolg und das Ergebnis haben wir gesehen. Im Mittelfeld herrschte Verwirrung pur. Selbst der ansonsten in diesem Turnier gute Khedira war zeitweise orientierungslos. Und der Clou....die rechte italienische Seite machte man als Schwachstelle aus, daher spielte der total außer Form befindliche Poldi....??? In der Spitze wurde nicht der für das deutsche Offensivspiel so wichtige Klose aufgestellt, sondern wieder der ungelenke und bei weitem technisch nicht so begabte Gomez. Es wurde im Artikel von Löws festhalten an Spielern geredet und was er darum für einen guten Charakter hätte..?? Fragen sie mal Frings oder Ballak zu diesem Thema,,,es gibt noch viel mehr !! Aber selbst wenn, ist die Sitiation zu Südafrika total was anderes, weil vor Südafrika ganz und gar die Alternativen gefehlt haben. Und das wichtigste Poldi und Klose haben vom ersten Spile an Form gehabt und bewiesen. Ich bin auch nicht der Meinund, Löw müsse auf jeden Fall weg, nur.... Wenn ein Ziel nicht erreicht wurde, gehört es sich einfach und ist nur allzu profesionell, wenn ganz genau hinter die Kulissen geschaut wird, warum dies so ist. Wer hat und vor allem warum so einen Irrsin gegen die Italiener entschieden... haben diese Leute auch voll verstanden, das dies der absolute Hautgrund für das scheitern war... nur dann kann von neuem versucht werden, wenn Fehler erkannt wurden nur dann ist warscheinlich, das diese so nicht mehr passieren. Es geht nicht um Personen und darum ob Löw so lieb ist und ob er bisher viel richtig gemacht hat, sondern es geht um die Sache. Wenn der obige Schreiber in seinem Beruf vieles fast alles bisher richtig gemacht hat, wird sein Chef sagen, dafür ist erauch da...aber wenn er einmal etwas für seinen Arbeitgeber so extrem mit so viel Tragweite in den Sand gesetzt hat, wird sein Chef ganz bestimmt hinterfragen, was war der Grund...das soll gewesen sein...übrigens ich weiß - im Sport gehört verlieren dazu. Nichts für ungut !!

R.G 05. Jul. - 14:15 Uhr

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08. Dez. - 09:05 Uhr

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