Von Olga Lügenscheidt 0
Kollektion des Jahres?

Victoria Beckham: Von der Fußball-Tribüne auf den Designerthron?

Ein Mittwoch ohne Olga Lügenscheidts Modekolumne ist wie Weihnachten ohne Lametta. Also teilt unsere Modeexpertin auch heute wieder fleißig aus und beschert vor allem einer gewissen Victoria Beckham einiges zum Nachdenken. Denn die hält sich für eine Designerin - warum auch immer.


Wo kommen wir denn hin? Das zu lesen, ist für mich wie ein Schlag ins Gesicht! Diese Woche wurde Victoria Beckham in London der Preis für die beste Designmarke des Jahres überreicht. Des Jahres!! Am Montag setzte sich die Size-Zero Fußballgattin gegen Mode-Schwergewichte wie Stella McCartney, Tom Ford und die edlen Designer von Burrberry durch! Wie kann das passieren? Nicht genug, dass man 2011 schon so viel über ihre glückliche Geburt ihrer Tochter lesen musste – die sie, warum auch immer, Harper Seven nannte! Nun müssen wir auch noch ernstlich an der Modewelt als Ganzes zweifeln. Erschütternde Neuigkeiten für alle wahrhaften Modebegeisterten!

Wie kann denn bitte eine frühere Popdiva, die den Namen Posh Spice trägt und Lack und Leder trug, erst zum Style-Vorbild erhoben und dann auch noch deren Kollektion zu der aller Besten des gesamten Jahres ausgerufen werden? Mein Menschenbild ist zerstört! Vor allem da dieses Klappergestell bestimmt noch nie einen Bleistift geschweige denn eine Stoffschere in der Hand gehalten hat.

Frau Beckham meint doch nicht ernsthaft, nur weil sie in Jeansgröße 0 reinpasst, könne sie jetzt auch noch Mode für diese Kleidergröße machen? Anscheinend doch. Aber schaut euch bitte mal ihre sogenannte Sommerkollektion für 2012 an! Langweilig! Da waren doch sicher etliche Creative-Designer und begabte Leute am Werk, die die vermeintlichen Ideen der phantasielosen Möchtegern-Designerin umgesetzt haben. Spice-Girl-Power in allen Ehren, aber denkt wirklich irgendjemand daran, dass Victoria Beckham eine ganze Kollektion alleine aus dem Ärmel schütteln kann? Die musste doch immer nur auf der Bühne einigermaßen gut aussehen und neuerdings ihren Ehemann davon abhalten, sie zu betrügen.

Und was ist überhaupt mit unserer Modebranche los? Wenn so angesagte und talentierte Designer wie Stella McCartney neben dem ehemaligen Gewürzmädel leer ausgehen? Die Welt steht Kopf und ich mit ihr. Zudem ist die Mode á la Beckham Massenware. Jede Kollektion beläuft sich auf 5000 Stück und wird in über 300 Läden verkauft – weltweit! Die Klatschpresse kürt ja Victoria zur Queen des Fashion-Olymps und meint, sie hätte ihr eindimensionales Fußballergattinnen-Kostüm längst abstreifen können. Aber jetzt mal ganz ehrlich und unter uns gesagt, was ist denn so besonders daran, wenn man nen dicken Batzen Geld hat und schwarze Leggings mit einer Hermès-Tasche kombiniert? Wozu wendet man sich dem Abklatsch der Mode zu, wenn es so viele junge, innovative Modedesigner gibt, die sich selbst dran setzen und ihre Teile ganz von alleine entwerfen können, ohne die neuste Ausgabe der Vogue neben sich zu haben, um abschreiben zu können?

Es tut mir wirklich sehr leid, solch traurige Neuigkeiten zu verkünden und die Modewelt zu verdunkeln, aber das musste raus. Ich kann mit einer Victoria-Beckham-Kollektion als Beste Kollektion des Jahres 2011 einfach nicht leben! Da wünsche ich mir doch die guten, alten Zeiten zurück, wo Posh noch auf der Bühne stand und die Lippen zum Playback bewegt hat! In diesem Sinne eine schöne Woche! Bisous.


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