Von Nils Reschke 0
ESC 2012

Unser Star für Baku: Raabs Blitztabelle sorgt für Herzschlagfinale

Was war denn da los? Mit einem offenen Voting, überwiegend guten Kandidaten und einem echten Herzschlagfinale wusste der Jungfernlauf von „Unser Star für Baku“ zu überzeugen und sich wohltuend vom Einheitsbrei der Castingshows im deutschen Fernsehen abzusetzen.


Stefan Raab hat es wieder einmal allen gezeigt. Für die Castingshow „Unser Star für Baku“ wird nach einem Nachwuchstalent gefahndet, das Deutschland beim Eurovision Song Contest in Aserbaidschan vertreten soll. So weit, so gut. Neu war, dass Raab mit der Idee der Blitztabelle um die Ecke kam. Will heißen: Das Voting und seine Ergebnisse waren zu jederzeit für die Zuschauer einzusehen – und das sorgte für viel Spannung und Dramatik in den letzten zwei Minuten. Denn sechs der zehn angetretenen Sängerinnen und Sänger stritten um fünf freie Plätze für die nächste Runde. Es ging ganz eng zu. Exakt ein Prozentpunkt trennten am Ende Rang eins und sechs. Der heimliche Gewinner war am Ende aber „König Lustig“, der gelernte Metzger aus Köln-Sülz, der schaffte, was viele nicht glauben mochten: Er revolutionierte die Castingshow.

Schon nach einer 30-sekündigen Vorstellungsrunde der zehn Kandidaten schlug die Blitztabelle gnadenlos zu. Die Reihenfolge ihrer Auftritte wurde alleine durch die ersten Sympathiewerte ermittelt, die die Kandidaten in dieser halben Minute bei den TV-Fernsehzuschauern sammelten. Katja Petri aus Berlin kam offenbar gar nicht gut an – was sich während und nach ihrer Interpretation von „Marry me“ von Bruno Mars schlagartig änderte. Katja rollte das Feld von hinten auf, schaffte es später im Herzschlagfinale auf Rang fünf und somit eine Show weiter. Die Blitztabelle ist eben gnadenlos, was auch Jan Verweij aus Mönchengladbach zu spüren bekam. Ein schweres Pflaster habe er sich ausgesucht, kommentierte Raab dessen Song „Closer to the edge“ und einen Auftritt, der eher an eine Singstar-Party erinnerte. Schnell war dank der Blitztabelle zu merken: Das kam gar nicht an beim Publikum.

In die nächste Show schafften es ebenfalls Leonie Burgmer aus Essen, die „Stronger than me“ von Amy Winehouse zum Besten gab und dabei sehr von Gesang, Mimik und Interpretation am meisten an Lena erinnerte. In die Herzen der Fans sang sich auch die 20-jährige Shelly Phillips mit einer sehr eigenen Darstellung von „Valerie“, ebenfalls von Amy Winehouse. Stefan Raab würdigte es entsprechend: „Vieles ist Gesang. Das ist Kunst.“ Während Salih Özcan als Justin-Timberlake-Verschnitt stark begann, um dann stark nachzulassen, und seinen Auftritt versemmelte, gelang auch Celine Huber aus Lörrach der Sprung in die Top 5. Das „Beautiful Disaster“ von Kelly Clarkson entpuppte sich keineswegs als selbiges für die 23-Jährige. Die Blitztabelle indes tat dies für Kai Nötting. Mit „More“ von Usher gibt es keine Zugabe. Den 21-Jährigen erwischte es in den Schlusssekunden. Es blieb nur der undankbare sechste Rang.

Der größte Sympathieträger musste schließlich als Letzter ran: Roman Lob aus Neustadt-Wied startete mit „After tonight“ von Justin Nozuka die große Aufholjagd, sang sich zurück an die Spitze der Blitztabelle, erntete Standing Ovations, um dann mit ansehen zu müssen, wie die Kandidaten dahinter immer mehr an Boden gutmachten. Am Ende wurde er Zweiter, bleibt aber der Geheimfavorit. Die Jury um Präsident Thomas D. und Frida-Gold-Frontfrau Alina Süggeler war begeistert – und wusste durch teils sehr kompetente Beurteilungen zu gefallen. Moderator Steven Gätjen indes packte nur den Dieter Thomas Heck aus dem Gepäck und kann noch zulegen. Seine Kollegen Sandra Rieß war da schon näher dran am Publikum und den Kandidaten. Bleibt der große Gewinner: Stefan Raab, dessen Idee mit der Blitztabelle für eine frische Innovation im Reigen der Castingshows sorgte. Nächste Woche, am 19. Januar, geht es dann weiter auf Pro7 mit zehn neuen Kandidaten – und womöglich einem weiteren Herzschlagfinale.


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