Von Mark Read 0
Hit-Album im Test

Unser Pop-Album des Jahres: "21" von Adele

Kein anderes Musikalbum hat 2011 so die Charts dominiert wie Adeles "21". Das zweite Werk der sympathischen Engländerin verkaufte sich weltweit millionenfach und stellte mehrere Rekorde auf. Wir prüfen noch einmal nach, was "21" so besonders macht.


Was ist dran an "21"? Was macht Adeles zweites Album so besonders, dass es sich 2011 weltweit zig Millionen mal verkaufte? Dass es in England zum meistverkauften Album aller Zeiten wurde? Dass es in Deutschland einen neuen Rekord für digitale Downloads aufstellte? Irgend etwas muss "21" doch haben, dass sich so enorm viele Menschen in das Album verliebten.

Die Antwort ist eigentlich denkbar einfach: "21" lebt davon, dass Adele eine Künstlerin mit Leib und Seele ist, der ihre Songs wichtiger sind als ihre Outfits. Sie will nichts darstellen, will nicht wie so viele gecastete Popstars einfach nur gefallen, um Erfolg zu haben. Sie will statt dessen etwas ausdrücken. Ihre Lieder transportieren Emotionen, ohne auf Effekthascherei zu setzen. Wo die neue Generation der austauschbaren Stars aus dem Fernsehen tonnenweise Streichorchester auffährt und die immer selben Texte aus den immer gleichen Bausteinen zusammenschraubt, um sie über austauschbare Balladen zu singen, lässt Adele einfach ihre Seele sprechen.

Die Lieder handeln fast durchgehend vom Schmerz über die Trennung von ihrem Freund, mit dem sie sich eigentlich eine Zukunft hatte aufbauen wollen. Klingt ein wenig banal, doch Adele holt aus diesem Thema das Maximum an Emotionen heraus. Wen die wunderschöne Klavierballade "Someone Like You", die das Album abschließt, nicht tief im Innersten berührt, der fühlt wohl generell außer Hunger und Durst nichts. Auch das sanfte Cover von The Cures "Lovesong" geht unter die Haut, ohne kitschig zu sein. "Turning Tables" ebenso.

Und auch musikalisch funktioniert die Mischung aus Soul, R'n'B und Pop hervorragend. Die Hitsingle "Rolling in the Deep" groovt sich unwiderstehlich in die Gehörgänge, auch weil Adele im Refrain wirklich alles aufbietet. "Rumour Has It" lockt einen ebenso auf den Tanzboden, und mit dem dramatischen "Set Fire to the Rain" schiebt Adele gleich noch einen grandiosen Ohrwurm hinterher. Das vielleicht beste Lied ist aber rein subjektiv betrachtet "I'll Be Waiting". Hier trifft ein astreiner Sixties-Soul-Rhythmus auf mitreissende Bläser und eine Adele, die nie mehr nach ihren Vorbildern aus der Soul-Ära geklungen hat. Wer hier nicht mitklatscht oder wenigstens mitwippt, ist selbst schuld.

Es gibt auf "21" eigentlich keinen schwachen Song, auch wenn natürlich jeder andere Highlights herauspicken wird. Das Album als Ganzes bietet eine musikalische Klasse, die - das kann man auch nach wenigen Monaten schon sagen - zeitlos ist. Es wäre wirklich ein Wunder, wenn "21" nicht in naher Zukunft als Klassiker-Album gilt. Der Erfolg für Adele ist wirklich nur zu verdient, und man kann nur wünschen, dass diese extrem talentierte Musikerin nach ihrer Stimmband-OP in alter Stärke zurückkommt und diesem Album irgendwann einen würdigen Nachfolger beschert.

Highlights: Rolling in the Deep, Rumour Has It, I'll Be Waiting, Someone Like You


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