Von Mark Read 0
EM 2012 Gruppe A

Unentschieden gegen Russland: Polen wahrt die Chance aufs Viertelfinale

Dramatik pur am gestrigen Abend in Warschau! In einem packenden, mitreissenden Match erkämpfte sich Gastgeber Polen den zweiten Punkt bei dieser EM, diesmal gegen die favorisierten Russen. Unschön waren hingegen die Szenen in der Warschauer Innenstadt.


Bild: Michael Steele/Getty Images via image.net

Das Verhältnis zwischen Polen und Russen ist kein leichtes. Man kann mit Fug und Recht sagen, dass die beiden Völker sich gegenseitig nicht leiden können. Deshalb war schon vor Anpfiff der gestrigen Gruppenspiels zwischen den beiden Ländern höchste Alarmstufe in Warschau angesagt, zumal die wichtige zweite Gruppenpartie auch noch am russischen Unabhängigkeitstag stattfand und die Russen eine Parade durch Warschau angekündigt hatten. Leider bewahrheiteten sich die Befürchtungen nach zunächst friedlichem Beginn dann doch noch. In der Innenstadt von Warschau kam es zu Auseinandersetzungen von russischen Hooligans mit der Polizei, über 15 Menschen wurden verletzt und über 100 festgenommen.

Auch im Warschauer Nationalstadion knisterte die Luft - aber zum Glück nur im sportlichen Sinne. Gastgeber Polen zeigte gegen die favorisierten Russen eine großartige kämpferische Leistung, alle Spieler zerrissen sich förmlich für ihr Heimatland und gingen an ihre Grenzen. Klar war, dass es für die Polen nach dem 1:1 zum Auftakt gegen Griechenland sehr schwer geworden wäre, wenn sie dieses zweite Spiel verloren hätten. So machten sie von Beginn an Dampf und kamen zu Chancen. Doch auch die Russen ließen ihre Klasse immer wieder aufblitzen, besonders in der Offensive setzten die Stars Andrei Arshavin und Alan Dzagoev immer wieder Glanzlichter. Letzterem war es auch vorbehalten, nach 37 Minuten die etwas überraschende, aber nicht unverdiente Führung für die Gäste zu erzielen. Nach einem Freistoß hielt der 21-Jährige seinen Kopf hin und versenkte die Kugel im langen Eck - sein drittes Tor bei dieser EM.

Polen war geschockt, kam aber nach der Pause mit unbändigem Willen zurück. Was folgte, war ein offener Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten. Lange Zeit war der Ball fast nie im Mittelfeld, sondern wurde im Höllentempo von Strafraum zu Strafraum getragen. In der 57. Minute war es dem Dortmunder Jakub "Kuba" Blaszczykowski vorbehalten, ganz Polen in kollektiven Freudentaumel zu stürzen. Außerhalb des Strafraums bekam er die Kugel, lief noch wenige Schritte und feuerte das Ding in den linken Winkel - das bisher schönste Tor bei dieser EM. Danach hatten beide Teams noch weitere gute Chancen. Erst in der Schlussviertelstunde ließ der Elan etwas nach, da sich beide Teams mit dem Unentschieden abgefunden zu haben schienen. 1:1 hieß es also am Ende. Die Russen bleiben damit an der Spitze der Gruppe A, die Polen können aus eigener Kraft das Viertelfinale erreichen. Alles, was sie dazu brauchen, ist ein Sieg im letzten Gruppenspiel gegen Tschechien. Und der ist nach der gestrigen Leistung durchaus vorstellbar.


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