Von Mark Read 0
Rocken statt Rente

Udo Lindenberg: Warum er immer noch so gut ist

Es ist gar nicht lange her, da schien Udo Lindenberg der Rente entgegen zu schnoddern. Doch 2008 startete der Kult-Rocker ein grandioses Comeback in den Charts und ist plötzlich beliebter denn je. Auf seinem aktuellen Unplugged-Album wird deutlich, welchen Stellenwert Lindenberg in der jungen Fan- und Musikergeneration immer noch hat.


Wie sich doch die Zeiten ändern. Noch vor wenigen Jahren fand der überwiegende Teil der jüngeren Hörer-Generation Udo Lindenberg ziemlich uncool. Der immer selbe Hut, die Sonnenbrille, die kehlige Stimme und die verschluckten Konsonanten beim Reden. Das wirkte so dermaßen aus der Zeit gefallen und altbacken, fanden viele, die Lindenberg mit den 70er und 80er Jahren in Verbindung brachten, mit "Sonderzug nach Pankow" und Anti-AKW-Demos.

Doch siehe da: 2008 legte der Panik-Rocker mit "Stark wie Zwei" und zahlreichen Gaststars ein erstaunliches Comeback hin. Das Album war nicht nur sein Bestes seit Jahren, es war auch sein erfolgreichstes: Platz eins der Albumcharts. Ganz nebenbei erwies die Creme de la creme der aktuellen deutschen Musikprominenz dem Altmeister die Ehre. Jan Delay stand Udo in der Hitsingle "Ganz anders" zur Seite, zudem lieferten Silbermond, Annette Humpe von Ich+Ich und auch Helge Schneider Gastbeiträge ab. Auf einen Schlag war der Mann mit dem Hut wieder in – und das völlig zu Recht.

Lindenbergs Erfolgsserie reißt auch auf dem aktuellen Unplugged-Album "Live aus dem Hotel Atlantic" nicht ab. Im Sommer lud der gebürtige Gronauer Fans und Gaststars in das gleichnamige Hamburger Hotel und spielte mal eben ein über drei Stunden langes Konzert. Kein Problem, schließlich konnte er immerhin aus dem Fundus von 33 Alben und 40 Jahren Erfahrung im Musikgeschäft schöpfen. So gibt Udo auf der Akustik-Scheibe, unterstützt von einer hochklassigen Backingband, wahlweise selbst seine Klassiker zum Besten oder holt sich eben wieder Unterstützung von seinen zahlreichen Kumpels und Verehrern. Annette Humpe schaute wieder im Hotel vorbei und rockte auf der ersten Singleauskopplung "Ein Herz kann man nicht reparieren" mit. Clueso ließ es sich nicht nehmen, mit dem Altmeister die wunderschöne Ballade "Cello" zu intonieren – die zweite Single. Zudem gibt es unter anderem noch Gastauftritte von Max Herre, Jennifer Weist (der Sängerin von Jennifer Rostock) und natürlich dem alten Buddy Jan Delay.

"Live aus dem Hotel Atlantic" erschien in zwei verschiedenen Fassungen. Einmal als "Einzelzimmer"-Edition auf einer CD mit insgesamt 13 Stücken und dann noch als "Doppelzimmer"-Ausführung mit dem kompletten Konzert, 24 Liedern. Mit seiner unvergleichlichen Mischung aus Herzblut und Coolness singt sich der 65-Jährige souverän durch alle Eckpunkte seiner Karriere. Das bärenstarke Unplugged-Werk beweist: Lindenberg ist noch lange nicht am Ende. Es ist kein Zufall, dass er plötzlich wieder so relevant ist, denn das Feuer in ihm lodert immer noch verdammt hell.


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