Von Kati Pierson 0
Ab Februar auf Tour

Udo Jürgens: Die "ganz normale Wahnsinn('s)"-Tour

Deutschland, Österreich und die Schweiz - 30 Städte und 30 Konzerte und das alles in eineinhalb Monaten. Die Tour - wie auch sein aktuelles Album - trägt den Namen "Der ganz normale Wahnsinn". Ob das auch das Programm ist?


Udo Jürgens ist jetzt 77 und kein bisschen leise oder leiser. Nachdenklich, sarkastisch, ironisch, optimistisch, frech, melancholisch, anklagend, fetzig, gefühlvoll - erweitern lässt sich diese Liste beliebig - aber sie beschreibt sein aktuelles Album treffend. Es sind 14 neue Titel enthalten, aber die Liste der treffenden Adjektive würde Seiten sprengen. Es ist ein Album in Udo-Jürgens-Manier.

Der Opener "Der ganz normale Wahnsinn" beschreibt die täglichen Ereignisse, die wir heute schon als normal betrachten von Klimawandel und Wirtschaftskriese über Terror und Datenklau bis hin zu korrupten Regierungen und Big Brother. Er hat recht, Katastrophen sind für uns zum Wegschauen und auf  "nackte Deppen in Containern" stürzen wir uns. Von dieser sarkastisch-ironisch-peppigen Nummer wirds dann gefühlvoll und nachdenklich.

In "Liebe lebt" beschreibt er das Unbeschreibliche und sagt gleichzeitig, dass man es nicht in Worten, Bildern und Tönen ausreichend erklären kann, sondern das sie - die Liebe - einfach da ist. Aber auch der Altmeister stößt mal an seine Grenzen. Er schafft es nicht ein Lied zu schreiben, dass so ist wie eine bestimmte Frau. In dem Titel "Wenn eine Lied so wär wie Du" gibt er musikalisch sein Scheitern zu und doch ist es eine der respektvollsten Liebeserklärungen, die es musikalisch und in deutscher Sprache gibt. Aber das hat ihm nicht gereicht, denn mit "Dafür brauch ich Dich" legt er gleich noch einen nach. Aber auch die Vergänglichkeit der Liebe wird wieder aufgegriffen in "Lass ein wenig Liebe da".

In dem poppigen Titel "Du bist durchschaut" nimmt der Altmeister die Überwachung und Selbstdarstellung durchs Internet aufs Korn und "Alles ist so easy" ist eine rockige Nummer, die die Manier unserer Tage aufgreift - immer alles statt mit deutschen mit englischen Begriffen auszudrücken.

Melancholisch wird Jürgens dann in seinen Balladen "Die Frau, die ich nie traf", "Oktoberwind", "Gute Reise durch das Leben" und "Am Ufer". Er setzt sich mit dem Leben auseinander, und zwar auch mit seinem eigenen. Der erste Titel beschreibt seine Sehnsucht nach dem normalen Leben mit einer Frau, die ihm nie begegnet ist, die ihn halten konnte. "Am Ufer" beschreibt im Rückblick sein eigenes Leben. In "Oktoberwind" verarbeitet er seine eigene Endlichkeit und mit "Gute Reise durch das Leben" vollführt er einen Brückenschlag von seiner Sterblichkeit zur eigenen Unsterblichkeit in seinen Kindern und Enkelkindern.

Hoffnung an eine bessere Welt findet sich in "Schenk' mir einen Traum" und Optimismus und Kampfgeist zeigt Udo Jürgens in der ja fast schon Hymne "Gegen den Wind".

Liebe, Hoffnung, Träume, Optimismus, Kampfgeist, Pop, Rock, Baladen, Sarkasmus, Internet, Ironie, Pepp, Melancholie, Sehnsucht, Endlichkeit und Unsterblichkeit. Dazu nehme man Udo Jürgens plus seine großen Hits ("Mercie Cherie", "Griechischer Wein", "Geradeaus" und, und, und ...), sein Piano, das Pepe-Lienhard-Orchester und einen weißen Bademantel - lässt alles zusammen in 2 Stunden von der ersten Minute voll kochen - würzt mit ein paar Scheinwerfern - serviert alles mit perfektem Timing und in der richtigen Reihenfolge. Das Rezept ist erprobt und schmeckt doch immer wieder neu. Es ist das Rezept für einen unvergesslichen Abend.

Udo Jürgen(s) Bockelmann, geboren in Klagenfurt und über die Grenzen der deutschsprachigen Länder bis nach Japan bekannt und beliebt. Ein Schlagersänger, der es versteht, fernab von "Humtata und Tätärä, a Hetz - a Gaudi und an Alpenschmäh" auch zeitkritische Texte auf eine Ohrwurm-Meldodie zu packen, geht mit diesem Album ab Februar auf Drei-Länder-Tournee. Wir freuen uns auf den Maestro des gläsernen Pianos.


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