Von Kati Pierson 0
Udo Jürgens: Ich habe ihn immer bewundert!

Udo Jürgens bewundert das „Zeichnen gegen das Vergessen“

Udo Jürgens war in der letzten Woche gleich zwei Mal ganz groß in den Schlagzeilen. Er bekam eine Wachsfigur bei Madame Tussauds und wurde das erste Murmeltier des ESCs in diesem Jahr. Dabei unter gegangen ist eine Veranstaltung, die viel wichtiger ist und bei der der Sänger nur Gast war. Die ihm aber nicht weniger wichtig ist.


Udo Jürgens (78) ist ein Weltstar. Auf sein Konto gehen über 1000 Titel, ein Musical, drei Bücher, viele Filme und ein Filmepos. Für diese und andere Leistungen erhielt der Sänger unzählige Auszeichnungen. Ihn braucht man nicht mehr vorstellen. Kein Wunder, dass der Entertainer ständig in der Presse steht. In der letzten Woche machte der Sänger gleich zwei Mal Schlagzeilen. Einige für eine Ehrung, die im Zuteil wurde. Der Sänger erhielt bei Madame Tussauds in Wien ein Ebenbild aus Wachs. Schon gewaltig mehr mit seinen Äußerungen zum ESC. Aber fast keine mit einem viel wichtigerem Termin!

Udo Jürgens bewundert "Zeichen gegen das Vergessen"

1977 sang Udo Jürgens erstmalig den Titel "Mein Bruder ist ein Maler". Dieser rührt nicht von ungefähr, denn der Bruder des Sängers, Manfred Bockelmann, ist tatsächlich Maler. Ihm hatte Udo Jürgens diesen Titel gewidmet und somit seiner Bewunderung für den jüngeren Bruder ein Klangbild gegeben.

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Manfred Bockelmann eröffnete in der letzten Woche im Wiener Leopold Museum seine neuste Ausstellung. "Zeichnen gegen das Vergessen" heißt diese und zeigt eine Sammlung seiner Porträts, Kohlezeichnungen von Kindern und Jugendlichen zwischen zwei und achtzehn Jahren, die zu Opfern des Nazi-Terrors wurden. 500 Gäste durften diese Meisterwerke an diesem Eröffnungstag bestaunen - darunter war auch Udo Jürgens. Der den Rummel jedoch an diesem Tag meidet. „Ich habe ihn und seine Arbeit immer bewundert.“ zollt der Wahl-Züricher dem Bruder seinen Respekt.

Manfred Bockelmann "meine wichtigste Arbeit"

„In drei Jahren habe ich 120 Porträts gezeichnet. Künstlerisch ist das meine wichtigste Arbeit, weil es darum geht, Menschen, die man ausradieren wollte, zurück in die Erinnerung zu führen“, sagte der Maler. Hervorstechend ist die Videoinstallation von Manfred Bockelmann. Kinder-Portraits wurden auf Häuser projiziert um dann aus einem fahrenden Auto heraus gefilmt zu werden. Dieses Idee begeisterte die Gäste wie Stefan Prinz von und zu Liechtenstein, die Direktorin des jüdischen Museums Danielle Spera, Geiger Julian Rachlin und seine Mutter Sophie Rachlin.

Aber auch das auf eine große Wand des Museums gezeichnete Portrait mit den angelehnten langen verkohlten Birkenstöcken beeindruckt die Besucher. Es ist „ein Symbol für das Konzentrationslager Birkenau“ sagt Manfred Bockelmann. Auch die Frage, wie er auf diese Idee gekommen sei beantwortet der Maler „Habe ich etwas wirklich Wichtiges gemacht? Es wurde mir bewusst, dass ich siebzig werde und dann womöglich die übliche Retrospektive kommt.“

Die Verlorenen - vom Nazi-Regimes deportiert oder ermordet

André Heller hat die Ausstellung im Leopold Museum eröffnet. Seit langem ist er mit dem Maler, Zeichner und Fotografen Manfred Bockelmann befreundet. "Bockelmann leistet schonungslose Trauerarbeit, mit einer Ernsthaftigkeit und Hingabe, die mir ohne Vorwarnung die Tränen in die Augen trieb und mich in ihren Bann schlug als wäre ich hypnotisiert." zeigt er sich betroffen von den Bildern.

Die Portraits zeigen Kinder und Jugendliche. Unter ihnen sind Manfred Merenstein, kahlgeschorenen Kopf, gestreifte Auschwitzuniform, 1942 zum letzten Mal erwähnt, Schicksal unbekannt; Karolina Rigo und Karl Rigo, 2 bzw. 4 Jahre, zwei Kinderbilder, lockige Haare, damals den so genannten Zigeunern zugeschrieben, deportiert; Lydia P., eingeliefert, Opfer der NS-Kindereuthanasie am Spiegelgrund in Wien. Manfred Bockelmann hat Fotografien der Kinder studiert und daraus Potraits geschaffen, die einen frontal ansehen. Es sind mehr als Portraits. Es sind Geschichter mit Geister und Seelen. Sich diesen Blicken zu entziehen ist nicht möglich.

Die Zukunft dieser Kinder und Jugendlichen ist seit der Herrschaft des Nazi-Regime verloren - durch die Arbeit von Manfred Bockelmann aber sind diese Kinder und Jugendlichen auf immer Unvergessen.

Bis zum 02. September ist das "Zeichnen gegen das Vergessen" noch in Wien im Leopoldmuseum zu sehen.


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