Von Nils Reschke 0
Ciao, Capitano Ballack!

Tränen zum Abschied: Michael Ballack beendet eine Karriere voller Emotionen

Eigentlich wären ja am Mittwoch ja noch zehn Minuten zu spielen gewesen. Doch an diesem Abend war eben alles etwas anders. Was daran lag, dass einer der größten deutschen Fußballer zum Abschied einer bewegenden Karriere eingeladen hatte.


Und so erloschen schon nach 80 Minuten die Flutlichter in der restlos ausverkauften Leipziger Arena. Das Publikum erhob sich, stimmte seinen Namen an. Michael Ballack hatte sich fest vorgenommen, nicht zu weinen. Und doch musste er in diesem emotionalen Moment so manche Träne auf einer letzten Ehrenrunde verdrücken. Wer mochte es ihm verdenken?

„Ich hatte mir vorgenommen, nicht zu weinen. Aber das lässt sich nicht ganz vermeiden“, sprach der Ausnahmefußballer ein letztes Mal ins Mikro. Es sei „eine tolle Karriere für mich“ gewesen. „Auch wenn es schwierige Zeiten gab.“ Doch Michael Ballack hatte noch vor seinem Abschiedsspiel Frieden geschlossen. Mit Philipp Lahm, der seinerzeit ein Interview gegeben hatte, in dem er die Kapitänsbinde von Ballack auch nach dessen Genesung einforderte. Mit Bundestrainer Joachim Löw, der ihn nach der WM 2010 in Südafrika lange zappeln ließ, ob er mit Ballack noch weiter in Sachen Nationalmannschaft plane. Und auch mit dem DFB, der ihm dieses Abschiedsspiel verweigerte. Also hatte es Michael Ballack eben selbst organisiert.

Michael Ballack nimmt in Leipzig Abschied

80 Minuten lang stand der damals torgefährlichste Mittelfeldspieler noch einmal auf dem Rasen. In der ersten Hälfte für das Team „Ballack & Friends“, nach der Pause dann inmitten einer Weltauswahl gespickt mit exzellenten Kickern, die ihm auf dem weiten Weg seiner Karriere begleitet hatten. Drei Treffer hatten sie dem „Mischa“ aufgelegt. 4:3 gewann jene Weltelite – doch das war an diesem 5. Juni, an dem der „Capitano“ endgültig „Ciao“ sagte, wirklich nur Nebensache.  36 Jahre ist Michael Ballack heute, stolze 98 Länderspiele hat er auf dem Buckel. Es war eine unnachahmliche Karriere. Auch wenn diese nicht mit den größten Titeln versüßt wurde. So ist der Sport, Michael Ballack weiß das genau richtig einzuschätzen.

In Görlitz geboren, in Chemnitz mit dem Fußball groß geworden, nahm seine Karriere beim 1. FC Kaiserslautern zum ersten Mal Fahrt auf und schrieb in der Saison 1997/98 auf Anhieb Geschichte, denn die Roten Teufel wurden als Aufsteiger Deutscher Meister. Das hatte es in der Geschichte der Bundesliga noch nie gegeben. 1999 wechselte er zu Bayer Leverkusen. Bevor er 2002 zu den Bayern wechselte, verlor Michael Ballack im DFB-Pokal und in der Champions League gleich zwei Endspiele. Und sein Eigentor in Unterhaching am letzten Ligaspieltag besiegelte schlussendlich die Vize-Meisterschaft. Am Ende jubelten nur die Bayern.

Ein Foul und seine Folgen

Schnell hatte Michael Ballack das Image des ewigen Zweiten weg. Zumal er im WM-Finale von 2002 gesperrt zuschauen musste wie Brasilien den Weltpokal mit nach Hause nahm. Meister und Pokalsieger wurde der Capitano zwar mit den Münchnern. Doch ein weiteres Endspiel in der Champions League verlor er mit dem FC Chelsea. Der Anfang vom Ende fand für Michael Ballack am 15. Mai beim englischen Pokalfinale statt: Kevin-Prince Boateng kam angeflogen, Ballack riss sich unter anderem das Innenband – und verpasste so die Weltmeisterschaft 2010. Nein, leicht wurde es ihm nie gemacht. Umso bemerkenswerter war die Karriere von Michael Ballack, vor der auch wir unseren Hut ziehen. Mach es gut, Capitano!


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