Von Nils Reschke 0
Campino wird geehrt

Toten Hosen treffen auf Bayern: Auf Autogrammjagd bei Uli Hoeneß

„Es kann so viel passieren. Es kann so viel geschehen. Nur eins weiß ich hundertprozentig: Nie im Leben würde ich zu Bayern gehen.“ Mit diesen Zeilen verscherzten es sich die Punkrocker von den Toten Hosen einst beim deutschen Rekordmeister der Bundesliga endgültig. Doch am Samstagnachmittag schließt sich dann der Kreis auch irgendwie.


Wir schreiben das Jahr 2000. Die Toten Hosen stürmen mit ihrem Song „Bayern“ die deutschen Charts. Ein für den wohl berühmtesten Fußballverein Deutschlands wenig schmeichelhaftes Lied, das sich 14 Wochen lang in den Charts hält und es bis auf Rang acht schafft. Von Platz acht kann Fortuna Düsseldorf, die Lieblingsclub der Toten Hosen, in diesen Zeiten nur träumen. Wenige Jahre später stürzen die Fortunen sogar in die Oberliga Westfalen ab. Aber die Toten Hosen hielten ihnen immer die Treue. Am Samstagnachmittag kommt es jetzt zum Wiedersehen in der Bundesliga: Düsseldorf empfängt den FC Bayern – und Campino, der Frontmann der „Hosen“ wird zum Ehrenmitglied ernannt.

Da klatscht sogar Bayern-Trainer Jupp Heynckes Beifall! „Campino ist nicht nur ein guter Musiker, sondern war auch Fan, als Fortuna in der Amateurklasse war“, meint Heynckes und findet es nicht selbstverständlich. Andere Prominente hätten ihrem Verein da längst den Rücken zugekehrt. Also gibt „Don Jupp“ unaufgeregt zu: „Mir imponiert Campino. Wenn er von Uli ein Autogramm holen will, dann soll er das tun.“  Denn Campino hatte zuvor gesagt, dass „wenn ich zu Uli Hoeneß durchkomme, werde ich mir ein Autogramm holen.“ Dass der Anti-Bayern-Song mittlerweile längst verziehen sei, glaubt der Leadsänger der Toten Hosen fest: „Wir haben das damals als Drittligist gebraucht, weil wir es lustig fanden, als Hund den Mond anzubellen.“

Nach 15 Jahren wird es das erste Pflichtspiel der Düsseldorfer gegen die großen Bayern sein. Und es ist wohl Ehrensache, dass mit Sicherheit im weiten Rund auch die Stadionhymne schlechthin der Toten Hosen gespielt wird: „An Tagen wie diesen“. Gespannt darf man sein, wie Uli Hoeneß der ganzen Sache begegnet. Als er damals das Lied zum ersten Mal hörte, war der damalige Manager gar nicht mehr zu bremsen: „Das ist der Dreck, an dem unsere Gesellschaft mal ersticken wird“, echauffierte sich Hoeneß. Noch eine kleine Liedzeile gefällig? „Was für Eltern muss man haben, um so verdorben zu sein, einen Vertrag zu unterschreiben, bei diesem Scheißverein?“ Wir lassen diese Frage einfach mal so im Raum stehen.


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