Von Franz Kaiser 0
Henry zurück bei Arsenal

Thierry Henry: Ein König kommt nach Hause

Eine Legende kehrt zurück nach Europa – wenn auch nur für kurze Zeit. Bis Ende Februar wird Thierry Henry die Schuhe für Arsenal London schnüren, wo ihn die Fans noch immer wie einen Heiligen verehren. Der Franzose gehört zu den besten Stürmern der Fußballgeschichte.


Oft werden Fußball-Legenden in nur einem Moment geboren. Thierry Henry hatte im Trikot von Arsenal unzählige Momente, die ihn zur Legende werden ließen, doch vielleicht gibt es trotzdem den einen, der alle anderen überstrahlt. Im Oktober 2000 trafen Arsenal und Manchester United zum Spitzenspiel der englischen Premier League aufeinander. Nach einer halben Stunde bekam Henry den Ball zugespielt, stand mit dem Rücken zum Tor außerhalb des gegnerischen Strafraums. Eigentlich ungefährlich, könnte man denken. Doch nicht für Thierry Henry. Der damals 23-jährige Franzose tippte den Ball kurz in die Luft, drehte sich um die eigene Achse und feuerte das Ding volley über Manchesters Torhüter Fabien Barthez hinweg ins Netz – der Siegtreffer.

Bis heute bekommen Fans des FC Arsenal feuchte Augen, wenn sie an dieses sensationelle Tor denken. Auch, weil es sie an bessere Zeiten erinnert. Seit Henrys Weggang von Arsenal im Sommer 2007 hatten Spieler und Anhänger des Nordlondoner Klubs nicht mehr viel zu lachen. Seitdem gewannen die "Gunners" keinen Titel mehr. Doch während der acht Jahre, in denen "Titi" das Zepter in London schwang, wurde der Traditionsverein zweimal Meister (in der Saison 2001/02 sogar ohne Niederlage), dreimal Pokalsieger und stand zweimal im Finale eines Europapokals. Und Henry, dieser technisch hervorragende und blitzschnelle Franzose, war das Gesicht dieser großartigen Mannschaft.

In den acht Saisons, in denen Henry das Arsenal-Trikot trug, erzielte er nie weniger als 17 Tore. Insgesamt traf er in 254 Ligaspielen für die Gunners 174 Mal – damit ist er bis heute Rekordtorschütze des Vereins in der Premier League. Eine derartige Bedeutung wie bei Arsenal hatte Henry bei seinem neuen Verein FC Barcelona nicht – obwohl er mit den Katalanen 2009 die Champions League gewann. Seit Sommer 2010 spielt er in den USA für die New York Red Bulls. Er wurde als zweites Zugpferd für die immer noch gerne belächelte US-Liga MLS verpflichtet, neben David Beckham. Diese Rolle erfüllte er zweifellos, obwohl er in der Metropole New York bei weitem nicht mehr so locker-souverän agiert wie noch zu Londoner Zeiten. Wie glücklich er wirklich in der MLS ist, weiß niemand außer ihm selbst.

Nun hat die US-Liga erst einmal Pause bis zum Frühjahr. So wird möglich, wovon Arsenal-Fans seit Jahren träumen: Der verlorene Sohn kehrt zurück nach London. Bis Ende Februar wird Thierry Henry wieder für seinen Ex-Verein stürmen, ehe er zurück in die Staaten muss. Viel hat sich seit seinem Weggang aus London verändert – unter anderem spielt Arsenal jetzt in einem neuen Stadion – doch der Trainer ist immer noch der Alte und heißt Arsene Wenger. Und der Coach weiß, dass er Henry in der jetzigen Situation gut gebrauchen kann. Seinem Team fehlt es schon die gesamte Saison über an Durchschlagskraft, so dass nach 20 Spielen ein magerer fünfter Platz zu Buche steht – stolze 12 Punkte hinter Tabellenführer Manchester City.

Zudem fehlen Wenger in den kommenden Wochen zwei Offensivkräfte, da Gervinho und Chamakh zum Afrika-Cup müssen. Die kurzfristige Rückkehr von Legende Thierry Henry zum FC Arsenal macht also durchaus Sinn. Zu verlieren hat der 34-Jährige ohnehin nichts. Er wird auch dann eine Legende bleiben, wenn er während seiner Ausleihe überhaupt nicht trifft. Es wird jedenfalls eine Freude sein, zu sehen, wie der Altmeister mit Arsenals jetzigem Angriffs-Superstar Robin van Persie harmoniert. Hier treffen zwei Könner aufeinander.


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