Von Nils Reschke 1
Tatort aus Münster

Thiel und Boerne langweilen in Wolbeck

Für viele Deutsche gehört dieses Ritual am Sonntagabend fast schon dazu wie die Bescherung am Heiligabend unterm Weihnachtsbaum. 20.15 Uhr ist Zeit für den „Tatort“. Der kam dieses Mal aus Münster und feierte sein Jubiläum. Allerdings eher ein schwaches. Schade.


Kinder, wie die Zeit vergeht! Am 20. Oktober 2002 kam der „Tatort“ in der ARD erstmals aus Münster. „Der dunkle Fleck“ hieß damals der erste Fall, in dem Kriminalhauptkommissar Frank Thiel alias Axel Prahl ermittelte – natürlich mit tatkräftiger Unterstützung von Rechtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne, dargestellt von Jan Josef Liefers. Der erste Fall des schrägen Duos wurde seinerzeit sogar für den Adolf-Grimme-Preis nominiert. Und Thiel und Boerne wurden zu den neuen Lieblingen in der „Tatort“-Reihe. Zehn Jahre später feierten sie nun ein kleines Jubiläum. „Das Wunder von Wolbeck“ hieß der mittlerweile 22. Fall. Aber leider wusste ausgerechnet der so gar nicht zu gefallen.

Sicherlich: Schräg und skurril kam der „Tatort“ aus Münster schon immer daher. Die Figuren, nicht nur die der beiden Hauptdarsteller, sind pointiert gezeichnet. Genau das macht den Charme dieser Ermittler aus und ist sicherlich auch einer der Hauptgründe für den Erfolg. Doch man kann es auch übertreiben. „Das Wunder von Wolbeck“ überzeichnete das Münsterland und den Münsteraner Stadtteil Wolbeck samt aller Klischees, so dass daraus eine Art Klamauk im Stile eines Western wurde. Der Fall selbst rückte irgendwie in den Hintergrund, als ginge es nur darum, die Landwirtschaft im beschaulichen Münsterland mit ihren drögen Typen zu karikieren. Denn eigentlich ermittelte Frank Thiel im Mordfall Raffael Lembeck. Der Heilpraktiker, der offenbar ganz spezielle Methoden pflegte, um Frauen ihren Kinderwunsch zu erfüllen, wurde erschlagen auf seinem Landsitz aufgefunden.

Als Mörder, beziehungsweise Mörderin, kommen gleich mehrere Frauen in Frage. Zum einen natürlich seine völlig neben sich stehende Witwe Stella, die polnisch-stämmoge Milena als „Femme Fatale“ – oder aber ihre Schwiegermutter in spe, eine verbitterte Alt-Adelige. Mit Humor geht bekanntlich ja alles besser. Aber man kann es eben auch übertreiben, wofür dieser Münsteraner „Tatort“ den Beweis antrat. Das fing schon bei den ansonsten amüsanten, dieses mal eher nervigen Giftspritzen zwischen Thiel und Boerne an und hörte bei den Figuren, die als Täter oder Mittäter in Frage kamen, auf. Sicherlich: Die eine oder andere Skurrilität, die das Münsterland zu bieten hat, zu persiflieren, ist charmant. Wenn aber eine ganze Region in einer als Krimi getarnte Komödie aufs Korn genommen wird, ist das zu viel des Guten. Und so wusste der „Tatort“ dieses Mal vor allem eines nicht: zu fesseln. Schade.


Teilen:
Geh auf die Seite von: