Von Mark Read 0
Konzertbericht

The Gaslight Anthem live in München: Ein bisschen Spaß muss sein

Sie sind eine der angesagtesten Rockbands im Musikgeschäft. Sie sind laut, dreckig, aber vor allem authentisch. Und überraschenderweise sind sie echte Spaßvögel. Die Rede ist von The Gaslight Anthem, die gestern im Münchener Zenith auftraten. Wir waren für Euch dabei.


Brian Fallon kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. "Vor ein paar Jahren haben wir zum ersten Mal in München gespielt, als Vorband von Social Distortion", erzählte der Sänger von The Gaslight Anthem mit einem breiten Grinsen, das er die nächsten 90 Minuten nicht mehr aus dem Gesicht bekommen sollte. "Und jetzt das!" Dabei deutete in die schier unendliche Weite des Münchener Zenith, einer zur Konzerthalle umgebauten riesigen ehemaligen Industriebaracke im Norden der Stadt. Prall gefüllt war die Location mit mehreren tausend Menschen, die nur wegen The Gaslight Anthem hier waren.

Keine Frage, spätestens mit dem im August erschienen Album "Handwritten", das auf Platz zwei der deutschen Charts sprang, sind die Amerikaner im großen Rockgeschäft angekommen. Bei Kritikern und Indie-Fans schafften The Gaslight Anthem bereits vor vier Jahren den Durchbruch mit dem Album "The '59 Sound", wo sie sich als Punkrock-Version von Bruce Springsteen positionierten. Große Geschichten, die Fallon mit seiner rauhen, bissigen Stimme vorträgt, paaren sich mit lauten Gitarren und energiegeladenen Rhythmen.

 

Handgemachte Musik eben, die bei Musikhörern aus verschiedenen Alters- und Berufsschichten gut ankommt.

Auf der Bühne im Zenith drückte das Quartett, das live noch von einem dritten Gitarristen unterstützt wird, von Beginn an aufs Gaspedal. Bereits am Anfang des Sets kamen die Hits vom Durchbruchsalbum, "The '59 Sound" und "Old White Lincoln". Direkt danach schmetterte die Band die ebenso großartige wie punkige aktuelle Single "45" herunter. Vom ersten Ton an hatten The Gaslight Anthem das Publikum im Griff - auch weil sie sich nicht im Geringsten wie Rockstars aufführten. Selten hat man auf einer derart großen Bühne eine Band erlebt, die so viel herumalbert, so viel Spaß beim Musikmachen hat und derart wenig Wert auf abgedroschene "Seid ihr gut drauf"-Gesten legt.

Besonders Fallon entpuppte sich als großartiger Entertainer - etwas, das man ihm aufgrund seiner oft ernsten und poetischen Songtexte so gar nicht zugetraut hätte. Man wurde das Gefühl nicht los, dass der charismatische Frontmann auch als Kabarettist oder Stimmenimitator gute Karrierechancen hätte. Aber zum Glück ist er ja Musiker in einer Band, die gestern eineinhalb Stunden lang Hit auf Hit abfeuerte. Ob neue Kracher vom aktuellen Album wie "Here Comes My Man" oder "Mulholland Drive" oder eben ältere Gassenhauer wie "American Slang" und "Great Expectations", die im Zugabenblock ein sagenhaftes Konzert abrundeten.

Dass Konzertbesucher die Halle glücklich und zufrieden verlassen, kommt natürlich nicht nur bei The Gaslight Anthem vor. Doch gestern konnte man sicher sein, dass die Band die Bühne ebenso freudestrahlend verlassen hat. Man sah ihnen die Freude, mit der sie ihren Beruf ausüben, einfach an. Vielleicht ist das ein Grund für den völlig verdienten Erfolg der Amerikaner.


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