Von Mark Read 0
Promipool-Filmkritik

"The Artist": Ein modernes Märchen in alten Gewändern

Bei der anstehenden Oscar-Verleihung ist "The Artist" gleich in mehreren Kategorien nominiert. Der Film, der komplett ohne gesprochene Dialoge auskommt und in schwarzweiß gehalten ist, sorgt seit Monaten für Furore. Was ist dran an dem nostalgischen Streifen? Wir haben uns "The Artist" angesehen.


Als die Bilder laufen lernten, gab es noch keine 3D-Effekte. Es gab keine Computeranimationen, keine Special Effects und keine gewaltigen Explosionen. Es gab nur Schauspieler, die durch Mimik und Gestik ausdrücken mussten, was damals technisch noch nicht möglich war: Den Dialog. Die Musik besorgte in den Kinos zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch - je nach Größe des Hauses - ein Musiker am Klavier oder ein Orchester. Erst 1928 kam der Tonfilm und veränderte die Filmlandschaft nachhaltig. Viele der damaligen Stumfilmstars scheiterten an der Herausforderung, sich auch mit Stimme interessant zu machen. Genau davon erzählt der wunderbare Film "The Artist".

Die Story spielt zeitlich genau am Übergang zwischen Stumm- und Tonfilm. George Valentin (gespielt von Jean Dujardin) ist ein Stummfilm-Star, lebt in einer großen Villa und wird von Publikum und Kritikern gefeiert. Als sein Studioboss (John Goodman) ihm die neueste technische Errungenschaft vorstellt, winkt er entrüstet ab. Er zerstreitet sich mit seinem Filmstudio und versucht auf eigene Faust, gegen den aufkommenden Tonfilm anzukämpfen. Die Folge: Er scheitert auf beruflicher und auch privater Ebene und findet sich wenige Jahre später verarmt in einer kleinen Wohnung wieder. Parallel zu seinem Niedergang beginnt der Aufstieg von Peppy Miller (Bérenice Bejo), der Valentin zu Beginn des Films ihre ersten Schritte im Filmgeschäft ermöglichte.

"The Artist" ist mehr als nur ein moderner Film, der eine alte Zeit heraufbeschwört und romantisch verklärt. Es ist ein Märchen, handelt von Idealen, thematisiert das Scheitern und natürlich auch die große Liebe. Der Film berichtet von einer Zeit, in der wirklich alles möglich war und sich alte Institutionen in rasender Geschwindigkeit veränderten. Man lacht, man fühlt mit, man ist gebannt: Getragen von seinem großartigen Schauspielensemble, allen voran der völlig zurecht für einen Oscar nominierte Jean Dujardin, ist "The Artist" ein toll inszeniertes Paradebeispiel dafür, wie man abseits ausgetretener Pfade einen packenden Spielfilm auf die Beine stellt.

An die Begleitumstände - sprich: die fehlenden Dialoge und die schwarzweiße Färbung - hat man sich schnell gewöhnt und wird davon mitgerissen. Der Soundtrack von Ludovic Bource sorgt durchgehend für Stimmung, und ohnehin ist das Setting von "The Artist" so gut gelungen, dass man sich sofort in das Hollywood der 1930er Jahre versetzt fühlt.

Fazit: Der Hype um "The Artist" ist voll und ganz berechtigt. Dem Regisseur Michel Hazanavicius ist ein Meisterwerk gelungen, das es in dieser Form so noch nicht gab. Jean Dujardin bleibt zu wünschen, dass er es nach dieser tollen Performance schafft, sich auch mit Sprechrollen in Hollywood zu etablieren. Und: Der heimliche Star des Films ist ein unglaublich süßer Jack Russell Terrier namens Uggy.


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