Von Stephanie Neuberger 0
Offensichtlicher geht es kaum

"Skyfall": Bond-Thriller oder Werbefilm?

Seit vergangenen Donnerstag läuft der neue James Bond "Skyfall" mit Daniel Craig als "007" und Javier Bardem als Bösewicht in den Kinos. Ein toller Film, der noch besser wäre, wenn auf die offensichtliche Produktplatzierung verzichtet worden wäre.


Am Premierentag saß ich im Kino, um „007“ James Bond in „Skyfall“ bei seiner Mission zu zusehen. Eins sei vorab gesagt: Der neue Bond ist toll und wirklich sehenswert. Viel Action, ein großartiger Javier Bardem als Bösewicht und eine gute Geschichte.

„Skyfall“ mausert sich zu einem äußerst erfolgreichen Film und legte einen grandiosen Start hin. Kein Wunder, dass gerade alle auf den Bond-Zug aufspringen und mit dieser Thematik werben. Ich denke zum Beispiel an einen Softdrinkhersteller, eine Uhrenmarke und einen Smartphonehersteller. Warum ich nicht die Marken nenne, die den meisten wohl bekannt sind? Ganz einfach, damit möchte ich auf das Problem der doch sehr auffällige Produktplatzierung im Film aufmerksam machen.

Mir ist bekannt, dass Filme und Videos heutzutage immer voll mit Product Placement sind und wenn es zur Geschichte beiträgt, stört es mich auch nicht. Bei „Skyfall“ war dies in den ersten fünf Minuten des Filmes etwas anders. Denn dort wurden Produkte platziert und eingeblendet, die absolut nichts zur Handlung beitrugen. Zuerst zeigte die Kinoleinwand sekundenlang die Uhr von Herrn Bond. Sicherlich ein schickes Modell, aber da der Agent gerade nicht wissen musste, wie spät es ist und auch kein Countdown für eine Bombenentschärfung oder ähnliches passierte, war diese Einblendung reines Produkt Placement. Da sich James gerade in einer Verfolgungsjagd befand, interessierte mich auch nicht wie spät es ist. Statt die Uhr hätte ich lieber gesehen, was ihr Träger macht.

Damit aber nicht genug. Weiter ging es mit Autos, die während der Verfolgungsjagd vom Zug fallen. M fragt daraufhin Bonds Kollegin, was das war. Ihre Antwort: „VW Beetle“ mit dem Zusatz „nagelneu“. Wieder etwas, dass nicht zur Story beitrug, sondern an einen Werbefilm erinnerte. Denn M hätte sicherlich die Antwort gereicht, dass es Autos waren und James Bond immer noch am gesuchten Mann dran ist. Stattdessen weiß sie jetzt auch die Marke. Es hätte nur noch gefehlt, dass sie die Ausstattung der Autos aufzählt.

Im weiteren Verlauf von „Skyfall“ fiel mir die Produktplatzierung nicht mehr so negativ auf. Klar wurden Laptops und Smartphones eingeblendet, aber damit haben sie wenigstens Nachrichten empfangen oder das Ortungssystem benutzt. Wie gesagt, solange die verwendeten Gegenstände in die Geschichte eingebunden sind und zur Handlung beitragen, stören sie mich nicht. Ständig abgeklebt oder verdeckte Markenname halte ich auch für unnötig.

Doch von der Produktplatzierung einmal abgesehen, kann ich den Film jedem ans Herz legen. Daniel Craig ist in „Skyfall“ ein toller James Bond und Javier Bardem ein hervorragender Gegenspieler. Nach dem enttäuschenden „Ein Quantum Trost“ ist „Skyfall“ endlich wieder einem Bond-Film würdig.


Teilen:
Geh auf die Seite von: