Von Mark Read 0
Chaos auf dem Rasen

Skandalspiel in Düsseldorf: Fortuna schickt Hertha BSC in die zweite Liga

In einem der denkwürdigsten Fußballspiele der letzten Jahre sicherte sich Fortuna Düsseldorf gestern den Aufstieg in die Bundesliga. Hertha BSC hingegen ist nach dem 2:2 im Relegations-Rückspiel abgestiegen. Überschattet wurde die Partie von skandalösen Begleitumständen, die zu langen Unterbrechungen führten.


Als es endlich zu Ende und die Partie regulär abgepfiffen war, wusste niemand der Beteiligten, wie er das Geschehene einordnen sollte. Verantwortliche und Spieler von Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC Berlin waren sich aber einig darin, dass sie so etwas noch nie erlebt hatten. Selbst ARD-Experte Mehmet Scholl, der normalerweise nie um einen Spruch verlegen ist, fehlten nach der Partie die richtigen Worte.

Was war passiert? In der 59. Minute hatte Ranislav Jovanovic die Heim-Mannschaft Fortuna mit 2:1 in Führung gebracht. Kurz zuvor hatte sich Hertha durch einen unnötigen Platzverweis gegen Änis Ben-Hatira selbst dezimiert. Nach dem 2:1-Sieg in Berlin im Hinspiel bedeutete die erneute Führung gestern den fast schon sicheren Aufstieg für Düsseldorf. Direkt nach dem Tor begann das Chaos: Aus dem Berliner-Fanblock flogen Feuerwerkskörper auf das Spielfeld, Rauchschwaden erschwerten die Sicht. Schiedsrichter Stark unterbrach die Partie für einige Minuten, ehe sich die Tumulte - auch weil die Hertha-Spieler beruhigend auf die Fans einwirkten - wieder legten.

Als der Ball wieder rollte, bäumte sich die Hertha noch einmal gegen den Abstieg auf. Raffael erzielte in der 85. Minute das 2:2. Ein weiteres Tor, und Berlin hätte den Klassenerhalt doch noch geschafft! Aufgrund der Unterbrechungen ließ der Schiedsrichter 7 Minuten (!) Nachspielzeit anzeigen. Für Düsseldorf ging es nun nur noch darum, diese Minuten zu überstehen und das Ding nach Hause zu schaukeln. Doch da machten die Rheinländer die Rechnung leider ohne die eigenen Fans, die weit vor Ablauf der Nachspielzeit über die Balustraden sprangen und zu tausenden den Rasen stürmten!

Schiedsrichter und Spieler flüchteten in die Katakomben. Über eine Viertelstunde lang war nicht klar, ob und wie es weitergehen würde. Verantwortliche und Spieler der Fortuna versuchten alles, um die Menschenmassen wieder vom Feld zu vertreiben. Als das Spielfeld dann wieder frei war und die Sicherheitskräfte die Lage halbwegs im Griff hatten, hätte die Partie wieder angepfiffen und die noch fehlenden etwa 90 Sekunden nachgespielt werden sollen. Doch: Die Hertha-Spieler zierten sich, den Platz wieder zu betreten. Sie fürchteten um ihre Sicherheit, ja vielleicht um ihr Leben. Erst nach langen Minuten kamen sie doch wieder heraus.

Wie gelähmt und gehemmt spielten die Akteure die letzten Sekunden herunter. Als Stark die Partie schließlich regulär abpfiff, brachen erneut alle Dämme. Selbst die Düsseldorfer brauchten aber einige Minuten, bis sie sich so richtig freuen konnten. Das Geschehene saß allen Beteiligten noch in den Knochen. Klar ist, dass die Vorfälle vom gestrigen Abend ein Nachspiel haben werden. Hertha BSC behielt sich bislang vor, einen Einspruch gegen die Wertung des Spieles einzulegen - doch es ist durchaus denkbar, dass dies noch geschieht. Die Berliner argumentieren, dass Stark die Partie nur wieder angepfiffen habe, damit die Lage nicht eskaliert - ein normales Fußballspiel war nicht mehr möglich.

Aus Fortuna-Sicht bedeutet der Aufstieg das Ende einer 15-jährigen Abstinenz aus der Bundesliga, die den Traditionsverein zwischenzeitlich sogar in die vierte Liga (!) geführt hatte. Es ist die Krönung einer tollen Saison für das Team von Norbert Meier. Sehr ärgerlich, dass einige Fans nicht noch die eine Minute bis zum normalen Abpfiff abwarten konnten und durch ihr lemming-haftes Gruppenverhalten dem Verein möglicherweise großen Schaden zugefügt haben.

DFB und DFL haben sich bislang nicht zu Konsequenzen für beide Vereine geäußert.


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