Von Nils Reschke 0
Olympische Spiele 2012

Skandal im Ersten: Vielseitigkeitsreiter mit Hitler-Aussage gehuldigt

Einen ähnlichen Fehltritt hatte sich schon Kathrin Müller-Hohenstein im ZDF geleistet. Bei der Fußball-WM war es, als sie in der Pause des Matches gegen Australien einen Treffer von Miroslav Klose als „inneren Reichsparteitag“ kommentierte. Nun hat auch die ARD mit einem Skandal zu kämpfen.


Was für schöne Momente bescherte uns der Dienstag bei den 30. Olympischen Spielen 2012 in London. Da holte nicht nur Michael Jung in einem dramatischen Finale doch noch die Goldmedaille. Nein, zuvor war bereits die deutsche Mannschaft mit Gold bestückt worden. Carsten Sostmeier hieß der Mann am Mikro, der die Goldritte der Deutschen im Ersten live kommentierte – und sich dabei auch gründlich im Ton vergriff. „Seit 2008 wird zurückgeritten“, redete sich der Sportkommentator in Rage. Das erinnerte doch sehr  an Adolf Hitlers Zitat „Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen“, mit dem er quasi den Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 eingeläutet hatte.

Aber wie war es überhaupt zu solch einer Äußerung gekommen? 2004 bei den Olympischen Spielen in Athen hatten die deutschen Vielseitigkeitsreiter ihre Goldmedaille wieder abgeben müssen. Sostmeier formulierte es so: „Aber dann kamen ja die Franzosen, die Briten, die Amerikaner, und am grünen Tisch haben sie uns die Goldmedaille mit einer fragwürdigen Entscheidung weggerissen, und das haben sich die Deutschen gemerkt.“ Und im Anschluss dann wurde laut Sostmeier eben „zurückgeritten“. Reiterin Bettina Hoy war es 2004 gewesen, bei der die Zeitmessung angeblich erst nach dem zweiten Überqueren der Startlinie gestartet sei, weswegen ein Protest der anderen Teams erfolgreich war, Deutschland Gold aberkannt wurde.

„Es tut mir sehr leid, wenn ich mit meinen Äußerungen für Irritationen gesorgt habe“, entschuldigte sich Carsten Sostmeier via NDR. In der ARD waren die Macher natürlich „not amused“ über diesen Ärger. Teamchef Walter Johannsen meinte bei allem Verständnis für die Euphorie ob der gewonnenen Goldmedaille: „Derartige Formulierungen sind Entgleisungen, die nicht passieren dürfen. Das ist jetzt auch Carsten Sostmeier klar geworden.“ Der Kommentator soll aber in London weiter seinen Job ausüben dürfen.


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