Von Mark Read 0
70 Jahre Ferguson

Sir Alex Ferguson: Ein Hoch auf den ewigen Schotten

Kaum ein Trainer hat den englischen und internationalen Fußball so geprägt wie Sir Alex Ferguson. Der knorrige und gleichzeitig sympathische Schotte ist seit über 25 Jahren der Macher bei Manchester United und denkt auch mit 70 noch nicht ans aufhören. Ein Porträt.


 

Es gibt Dinge, die kann man sich einfach nicht vorstellen. Fans der leichten Fernsehunterhaltung können sich zum Beispiel "Deutschland sucht den Superstar" ohne Dieter Bohlen wohl nur schwer vorstellen. Verbitterte Radsport-Fans können sich leider keine Tour de France mehr ohne Dopingskandal vorstellen. Und als Anhänger der "Red Devils" aus Manchester kann man sich United ohne Sir Alex Ferguson schon längst nicht mehr vorstellen.

Am 31. Dezember 2011 wurde der gebürtige Schotte 70 Jahre alt. Seit 1986 leitet er die Geschicke bei ManUnited, das unter seiner Regie von einem heruntergewirtschafteten Traditionsverein im unteren Tabellendrittel zum englischen Rekordmeister avancierte. Darüber hinaus machte Ferguson aus United eine der glamourösesten und profitträchtigsten Marken im weltweiten Fußballgeschäft. Die Anzahl der von ihm zu Stars geformten Profis braucht sich vor der seiner gewonnen Titeln nicht zu verstecken.

Was macht Sir Alex Ferguson so erfolgreich? Man könnte das Erfolgsrezept des Schotten auf einen einfachen Nenner bringen: Beharrlichkeit. An keinem Moment lässt sich das besser illustrieren als am Triple-Jahr 1999. Damals gewannen die "Red Devils" um David Beckham, Roy Keane, Paul Scholes und Co. nicht nur Meisterschaft und Pokal, sondern auch das Champions-League-Finale gegen die eigentlich überlegenen Bayern aus München. Fast das ganze Spiel lang war United damals einem frühen Rückstand hinterhergelaufen, nur um in der Nachspielzeit mit zwei Toren das Ding noch zu drehen und den wohl spektakulärsten Europapokal-Triumph der Fußballgeschichte zu feiern.

Klar, schon vor jenem großen Sieg war Ferguson in Manchester unantastbar - vermutlich war er es schon 1993, als er den Verein zur ersten Meisterschaft seit 26 Jahren führte - doch spätestens dort wurde er zur Legende. Und zum Ritter geschlagen, von der Queen höchstpersönlich. Sir Alex Ferguson. Es war der Höhepunkt einer Karriere, die als torgefährlicher Stürmer in der schottischen Liga begonnen hatte.

Nach dem Ende seiner Spielerkarriere hatte Ferguson 1974 seinen ersten Trainerposten übernommen. Mit St. Mirren gelang ihm ein erster Erfolg - der Aufstieg in die erste Liga. Bei seiner nächsten Station, dem FC Aberdeen, wurde er zum Erfolgstrainer. Drei Jahre in Folge holte er die schottische Meisterschaft. Um das würdigen zu können, muss man wissen: In den letzten 46 Jahren gab es überhaupt nur viermal einen Meister in Schottland, der nicht Celtic Glasgow oder Glasgow Rangers hieß.

Seit 1986 schwingt er also das Zepter bei ManUnited. Zwölf Meisterschaften, fünf Siege im FA-Cup, vier Triumphe im Ligapokal und insgesamt drei Europacup-Siege (zweimal davon in der Champions League) - all diese Zahlen verraten, was der ewige Alex als Trainer draufhat. Sie sind aber nur Teil des Puzzles, das diese Person ausmacht. Fergusons Charakter, sein Umgang mit den Spielern, seine Rivalitäten zu Arsene Wenger oder anderen Berufskollegen, seine legendären Wutausbrüche und sein kurz darauf wieder aufblitzender Charme - all dies wäre es wert, erwähnt zu werden. Doch wir haben ja nicht ewig Zeit. Im Gegensatz zu Sir Alex Ferguson, der wohl auch in zehn Jahren noch bei Manchester United auf der Bank sitzen wird und sein Team von einem Erfolg zum nächsten jagt.


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