Von Nils Reschke 0
Jopie und die Nazis

Simone Rethel verteidigt ihren verstorbenen Mann Johannes Heesters

Sollte „Jopie“ Heesters die Diskussionen um seine Person irgendwo da oben mitverfolgen können, er wäre sicherlich stolz auf seine Simone. Wie eine Löwin setzt diese sich derzeit gegen die Berichterstattung der "Bild"-Zeitung zur Wehr.


Stolze 108 Jahre alt wurde Johannes Heesters, den sie alle nur „Jopie“ nannten, alt. Bis zuletzt hatte der Schauspieler mit Leib und Seele auf der Bühne gestanden. Das Theater, es war Johannes Heesters' Leben. Doch welchen Preis hat sich der populäre Schauspieler sich diesen Ruhm möglicherweise kosten lassen? In einem Artikel schildert die "Bild" die Art und Weise, wie „Jopie“ Heesters auch von der Nazi-Diktatur profitiert haben soll. Das alles geht seiner Witwe zu weit. Für Simone Rethel ist das Maß voll und die Berichterstattung auf aus ihrer Sicht niedrigstes Niveau abgerutscht.

Für die Heesters-Witwe grenze diese „journalistische Schmiererei“ an „posthumen Rufmord“. Das ließ sie auch in aller Öffentlichkeit den Chefredakteur Kai Diekmann sowie Verlegerin Friede Springer in einem offenen Brief wissen, der außerdem auf der Webseite des verstorbenen Künstlers auf www.johannes-heesters.de nachzulesen ist. Viele der Dinge, die in dem Artikel geschrieben stehen, seien alleine schon sachlich falsch, klärt Simone Rethel auf. Einmal abgesehen von einem moralischen Aspekt, den sie anprangert. Letztendlich habe ihr verstorbene Mann schlichtweg zu einer Zeit gearbeitet, in der auch die Nationalsozialisten an der Macht waren. Dieses gelte auch für Tausende andere Schauspieler, aber auch Tontechniker oder Kameraleute.

Rethel sieht sich in ihrer These darin bestärkt, dass Johannes Heesters in der Tat niemals sein Fach wechselte, seinem Genre treu blieb. Noch weniger sei die damalige Grußformel „Heil Hitler“ ein Beleg für eine besondere Nähe ihres Mannes zu den Nazis. Schließlich hätte damals schlichtweg jeder so unterschreiben müssen, das sei alternativlos gewesen. Nachträglich beklagte Rethel allerdings auch die Vorgehensweise der Bild-Zeitung in den letzten Tagen von Johannes Heesters, die die Familie schweigend hingenommen hätte. Jetzt allerdings brach Simone Rethel ihr Schweigen und setzt sich öffentlich zur Wehr. Nebenbei arbeitet die Heesters-Witwe akribisch daran, einen Johannes-Heesters-Preis oder eine Stiftung ins Leben zu rufen, die jungen Talenten in der Schauspielkunst zugute kommen soll.


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