Von Nils Reschke 1
„Starker Tobak!“

Schiedsrichter sehen Jürgen Klopp als Mitschuldigen

Er ist der nette Herr Klopp von nebenan – bis er seinen Job ausübt. Dann wird aus dem Jürgen ein Vulkan. Meist auf positive Art und Weise. Zugegeben nicht immer. Aber ist Jürgen Klopp wirklich schuld an den gewalttätigen Verhalten einige sogenannter Fans in und um die Stadien? Diese Frage gehen wir in unserer Fußball-Kolumne auf den Grund.


Im deutschen Fußball reift langsam, aber sicher eine regelrechte Eiszeit an. Fans fühlen sich missverstanden, kritisieren den DFB. Der Deutsche Fußball-Bund selbst ist sich sicher, alles für einen konstruktiven Dialog mit den Fanvertretern und den Ultras zu tun. Die Gegenpartei sieht das anders. Frostige Verhältnisse also in den Stadien. Und zu allem Überfluss haben Vertreter der Schiedsrichterriege ihren Übeltäter dafür gefunden, dass die Umgangsformen in und um die Arenen rauer geworden sind. Jürgen Klopp ist schuld! Wer auch sonst, als dieser unsympathische, ungehobelte Klotz, der 90 Minuten an der Seitenlinie nichts andere tut, als die Zuschauer aufzuhetzen. Angesichts derartige Thesen kann man als Fans nun wirklich nur noch den Kopf schütteln.

Auf der Trainerbank nimmt Jürgen Klopp, seines Zeichens Übungsleiter beim Deutschen Meister Borussia Dortmund, selten Platz. Vielleicht noch so gerade vor dem Anpfiff. Die meiste Zeit steht er – und Tore seines BVB bejubelt er leidenschaftlich, auf die ihm ganz eigene Art. Das ist Fußball, das ist Leidenschaft – das wollen doch gewiss auch die DFB- und DFL-Oberen, wenn sie stolz darauf verweisen, wie sehr die Bundesliga nach wie vor boomt. Den Spielverderber mimt jetzt Lutz Michael Fröhlich. Er ist der Leiter der Abteilung Schiedsrichter beim DFB. Und ihm schmeckt es gar nicht, wie „Kloppo“ sich am Spielfeldrand verhält. Der Bild-Zeitung sagte er: „Auch wenn der Trainer Klopp sich hinterher immer hinstellt und sagt, es täte ihm leid. Am Ende ist es so: Es bleibt immer irgendetwas hängen“, so Fröhlich, der wenig Frohsinn verspürt.

„Das Verhalten, was da an den Tag gelegt wird zum Teil, hat so ein aggressives Potenzial, dass daraus gewaltsame Exzesse an der Basis erwachsen können.“ Jürgen Klopp ist also die Wurzel allen Übels. Na sicherlich! „Das Risiko ist groß, dass schnell aus Verbal-Draufhauen nur noch Draufhauen wird. Und dann werden Schiedsrichter in den Kreisligen attackiert“, lautet die These von Lutz Michael Fröhlich, die Dortmunds Boss Hans-Joachim Watzke aufs schärfste abwies: „Starker Tobak und in meinen Augen völlig daneben, weil hier Äpfel mit Birnen verglichen werden. Herr Fröhlich soll sich mal ansehen, dass wir seit Jahren die Fairness-Tabelle anführen, auch in dieser Saison stehen wir wieder ganz oben.“ Jürgen Klopp sei engagiert und impulsiv während eines Spiels, aber nicht aggressiv, meint Watzke.

Unterstützung erhält Lutz Michael Fröhlich, der Leiter der Abteilung Schiedsrichter beim DFB, derweil vom DFB-Schiedsrichter Felix Zwayer, der seinem Ex-Kollegen beipflichtet und sich in aller Deutlichkeit Konsequenzen wünscht für Jürgen Klopp. Er nennt das Auftreten des Dortmunder Trainers „eine absolute Katastrophe. Gegen so ein Verhalten werden und müssen wir vorgehen.“ Wie kaum ein zweiter Trainer jubelt Klopp leidenschaftlich, manchmal wie ein Rumpelstilzchen. Recht haben die Unparteiischen sicherlich, wenn sie auf gewisse Szenen anspielen, die so nicht gehen.

2010 etwa legte sich der Coach im Spiel gegen den Hamburger SV mit dem Vierten Offiziellen, der an der Seitenlinie für Ruhe und Ordnung sorgen soll, Stefan Trautmann, an. Ende September dieses Jahres war Klopp beim Auswärtsspiel in Frankfurt „auffällig“ geworden. In der Nachspielzeit eilte er zu Guido Kleve und schrie ihn an. Konsequenz: Geldstrafe. Meinung: Solch ein überzogenes Verhalten gehört auch bestraft, zur Not eben mit einer Sperre. Aber: Das sind zwei Vorfälle innerhalb von zwei Jahren. Vielleicht stören sich die Unparteiischen ja daran, dass Jürgen Klopp in seinen Analysen schonungslos mit allen Beteiligten umgeht. Zum einen mit der eigenen Mannschaft, bisweilen aber auch in der Beurteilung der bisweilen sehr dünnhäutigen Schiedsrichter.  Die melden sich nun in einer Situation öffentlich zu Wort, in der ohnehin schon Eiszeit herrscht zwischen DFB und Fans. Letztere werden über solche Thesen einmal mehr ungläubig den Kopf schütteln. Die Frage sei deswegen gestattet: Wer pfeift eigentlich die Schiedsrichter zurück?


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