Von Nils Reschke 0
EM 2012 Gruppe B

Schickt Deutschland die Holländer heute Abend nach Hause?

Gomez oder Klose? Van Persie oder Huntelaar? Zwei Bundestrainer müssen Entscheidungen treffen – in vorderster Front. Es könnte die Wahl sein zwischen Sieg und Niederlage. Denn dass sich Joachim Löw gegen Portugal auf Mario Gomez festgelegt hatte, zahlte sich aus. Bert van Marwijk hatte nicht so ein glückliches Händchen.


Er ist gekommen, der Tag der Entscheidung! Zumindest für die Niederlande. Denn einer der großen EM-Favoriten steht unmittelbar vor dem Aus. Verliert die Elftal nämlich heute Abend ab 20.45 Uhr in der Gruppe B ausgerechnet gegen den großen Rivalen Deutschland im Stadion Metalist in Charkow, dann dürfte Oranje vermutlich schon die Koffer packen. Ein wenig hängt das aber auch vom anderen Ergebnis ab. Gewinnen nämlich die Portugiesen gegen Dänemark, können die Niederlande mit einem eigenen Sieg gegen Portugal doch noch das Viertelfinale erreichen. Dann aber dürfte Deutschland im letzten Match der Gruppe keinen Punkt gegen die kampfstarken Skandinavier abgeben.

Noch aber sind die 90 Minuten nicht gespielt, und in dieser sogenannten „Todesgruppe“ ist auch ein Herzschlagfinale möglich. Man stelle sich nur vor: Portugal besiegt die Dänen 1:0, Holland die DFB-Elf mit exakt dem selben Ergebnis. Dann kämen alle vier Teams auf drei Punkte und einer Tordifferenz von 1:1 Treffern. Um noch einen drauf zu setzen: Enden dann die abschließenden zwei Matches beide mit exakt dem gleichen Unentschieden, würden alle Mannschaften gleichauf liegen. Dann müsste der UEFA-Koeffizent entscheiden. Und da hätten die Niederlande und Deutschland die Nase vorne.

Noch allerdings dürfen die Taschenrechner im Schulranzen gelassen werden. Die deutsche Elf kann mit einem Sieg ja selbst für klare Verhältnisse sorgen. Das große Fragezeichen in der Aufstellung von Joachim Löw ist dabei in vorderster Front zu suchen: Erhält Mario Gomez, der 1:0-Siegtorschütze gegen Portugal, erneut den Vorzug gegenüber Miroslav Klose? Oder setzt der Bundestrainer den Bayern-Stürmer eben trotz seines so wichtigen Treffers auf die Bank? Diese Frage beschäftigt eine ganze Nation. Dabei ist es eigentlich egal, wer startet. Dass Mario Gomez ebenfalls für wichtige Treffer taugt, hat er spätestens am Samstagabend bewiesen.  Für Klose indes spricht, dass er wesentlich einsatzfreudiger nach hinten arbeitet, sich da – wenn es sein muss – auch die Bälle holt. Genau darauf zielte ja auch die Kritik von ARD-Experte Mehmet Scholl ab, der Mario Gomez trotz des 1:0 aufs schärfste und fast schon unter die Gürtellinie attackiert hatte.

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„Ich hatte zwischendrin Angst, dass er sich wundgelegen hat, dass man ihn wenden muss“, gab Scholl nach der Partie gegen Portugal zum Besten und löste damit eine Welle der Empörung aus. Andere klatschten Beifall, dass sich einer traut, derart gezielt zu kritisieren. Denn von Gomez war ja tatsächlich nichts zu sehen – außer eben das Tor. Aber kommt es darauf nicht letztendlich an bei einem Stürmer? Mario Gomez selbst sieht die ganze Diskussion um seine Person gelassen: „Ich sehe das nicht unbedingt als Attacke“, sagte er auf der Pressekonferenz des DFB. Eher als Ansporn, denn er wisse, dass es Scholl wurme, dass Gomez aus seiner Sicht sein großes Potenzial nicht ausnutze. „Super Mario“ sagt aber auch: „Ich bin in den vergangenen fünf, sechs Jahren der erfolgreichste deutsche Stürmer. Ich glaube nicht, dass ich mich groß ändern muss.“

Eine unsinnige Diskussion also eigentlich, denn Miroslav Klose und Mario Gomez, die beiden großen Rivalen verstehen sich gut. Öffentlich hatte keiner den Kollegen oder dessen Nominierung kritisiert. Teamspirit geht eben über alles. Anders als bei den Niederländern, wo sich Klaas Jan Huntelaar lautstark darüber beschwert hatte, dass er auf der Bank Platz nehmen musste und ihm Robin van Persie vorgezogen werde. Wie Joachim Löw steht auch Bondscoach Bert van Marwijk vor der Qual der Wahl. Anders als Gomez hatte van Persie aber gegen Dänemark keine schlagkräftigen Argumente geliefert – Oranje verlor 0:1. Jetzt steht die Elftal also unter doppelten Druck. Die Kampfansage kommt – wie sollte es anders sein – von Mark van Bommel: „Unsere EM ist noch nicht am Ende.“ Heute Abend wissen wir mehr.


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