Von Nils Reschke 2
Gottschalk Live

Rückendeckung für Gottschalk: „Wir haben einen langen Atem“

Er moderierte im Radio, probierte es zu später Stunde, feierte Erfolge mit „Wetten, dass..?“. Thomas Gottschalk war schon immer eine Allzweckwaffe und probiert sich nun im Vorabendprogramm. Die Rückendeckung seiner Chefs ist ihm dabei sicher.


Vielleicht blutet Entertainer Thomas Gottschalk ja sogar ein wenig das Herz. Nein, gewiss sogar, wenn er mit ansehen muss, was da mit seinem „Baby“ passiert. Die Spielshow „Wetten, dass..?“ hat er zwar nicht erfunden, das war bekanntlich Frank Elstner. Aber er hat das Spektakel mit Prominenten und Weltstars auf der Couch und bisweilen atemberaubenden bis skurrilen Wetten definitiv mehr als etabliert. Das „Baby“ wurde erst zum vorlauten Teenager, dann zum kindlich-charmanten Erwachsenen. Doch während das ZDF weiter nach einem Nachfolger für Gottschalk sucht, und mittlerweile sogar Co-Moderatorin Michelle Hunziker der Show ihren schönen Rücken zugedreht hat, probiert sich Tommy, der schon mal im Late-Night-Fach Erfahrungen sammelte, im Vorabend der ARD – mit mäßigem Erfolg, was die Einschaltquoten betrifft.

Aber auch wenn die Quoten vielleicht noch nicht ganz stimmen mögen, probt sich die ARD in Geduld: „Wir haben einen langen Atem“, verspricht die WDR-Intendantin Monika Piel, die gleichzeitig auch ARD-Vorsitzende ist, in Bezug auf „Gottschalk Live“. Den brauche man, will man etwas Neues ausprobieren, sagt sie – und dürfte damit recht behalten. Mit seinem lockeren Talk, der ein wenig an Gottschalks Lehrjahre im Radio erinnern, was durchaus positiv gemeint ist, pendelt sich die einstige Showmaster von „Wetten, dass..?“ auf knapp unter zwei Millionen TV-Zuschauer ein. Das Debüt von „Gottschalk Live“ hatten am 23. Januar noch 4,3 Millionen Menschen eingeschaltet. Die Neugierde trieb sie, die katastrophal fehlbesetzten Werbeblöcke ließ einen Großteil aber auch wieder flüchteten.

Da nützte es kaum, dass die Macher der Sendung schon am zweiten Tag reagiert und nachgebessert hatten. Offenbar verzeiht der TV-Zuschauer nur langsam. Insgesamt sind 144 Ausstrahlungen vereinbart. Und erste Stimmen, die von der Absetzung der Sendung reden, sind längst laut geworden. Monika Piel nennt solche Äußerungen allerdings „absurd“. Programmdirektor Volker Herres bläst ins gleiche Horn: Dass man an einem Format arbeiten müsse, sei völlig normal. Und eines ist gewiss: „Gottschalk Live“ hat an Profil gefunden. Es kommen durchaus interessante Gäste, bei denen Thomas Gottschalk wohl auch seine ausgezeichnete Visitenkarte sprechen lässt, es wird amüsant geplaudert. Vielleicht täten dem Talk ein paar Sendeminuten mehr gut. Man sollte sich aber auch darüber bewusst sein, dass „Gottschalk Live“ eben keine seriöse Talkshow, sondern eine lockere Plauderei vor dem Abendprogramm sein soll. Und genau das ist sie. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.


Teilen:
Geh auf die Seite von: