Von Mark Read 1
Unser Star für Baku

Roman Lob und sein Debütalbum "Changes": Nach Baku und weiter

Am 24. Mai steigt in Baku das Finale des diesjährigen Eurovision Contests. Rechtzeitig zum großen Event veröffentlicht "Unser Star für Baku" Roman Lob am 13. April sein Debütalbum "Changes". Wir haben mal in die Scheibe reingehört und sind sehr angetan.


In etwa sechs Wochen steigt in Baku das Finale des diesjährigen Eurovision Song Contests. Im Vergleich zum Vorjahr, als der Wettbewerb in Düsseldorf ausgetragen wurde, ist die Euphorie in Deutschland dieses Jahr geringer. Aber warum eigentlich? Mit Roman Lob wird ein hoffnungsvoller Sänger die deutschen Farben vertreten. Man kann der Castingshow "Unser Star für Baku" vieles vorwerfen - dass es nur wenige überragende Kandidaten gab, dass die Moderatoren ein wenig nervten - aber eines ganz sicher nicht: Dass es einen unverdienten Sieger gab. Roman Lob beherrschte die Konkurrenz von Anfang an und begeisterte mit Ausstrahlung, Stimme und Bühnenpräsenz.

Rechtzeitig zum großen Finale in Aserbaidschan legt der 20-jährige Rheinländer nun seit Debütalbum "Changes" vor, das nach seinem Sieg bei "Unser Star für Baku" im Schnellverfahren aufgenommen wurde. Und auch wenn man dem Album an manchen Stellen anmerkt, dass es mit der heißen Nadel gestrickt wurde, scheint Lobs Talent unverkennbar durch. Es macht Spaß, dem sympathisch-verstrahlten Burschen dabei zuzuhören, wie er für sich ein musikalisches Terrain auslotet.

Am Besten klappt dies bei den Rockballaden, für die seine Stimme gemacht ist. "Standing still", mit dem Lob uns beim Eurovision Song Contest vertreten wird, ist so ein Beispiel dafür. Ein großartiger Ohrwurm, dem der Sänger mit seiner eindringlichen Stimme eine besondere Note verleiht. Aber auch "Alone" oder "Conflicted" sind kraftvolle Midtempo-Ohrwürmer, bei denen Lob seine Stärken voll ausspielt. Die Klavierballade "Day by day" meistert er ohne die leiseste Spur von Kitsch, und ganz am Ende entwickelt "Revolution" einen richtigen Gänsehaut-Faktor. Zudem haben die Macher des Albums noch tolle, poppige Ohrwürmer wie "Dream on" oder "After tonight" eingebaut.

Schade ist nur, dass die Verantwortlichen an manchen Stellen versucht haben, Roman Lob in ein partytaugliches Gewand zu kleiden, das ihm nicht besonders gut steht. "Flying" ist so ein Beispiel. Ein sommerlicher Schunkel-Song, zu dem seine Stimme genauso wenig passt wie zum Titellied "Changes", das nach Michael Jackson in den 80er Jahren klingt. Ohne Frage geeignet für den Tanzboden, aber nicht für einen Sänger wie Lob.

Insgesamt ist sein Album jedoch sehr gut geworden und macht deutlich, dass er nicht nur ein Sänger für den Eurovision Song Contest ist, sondern einer mit einer Zukunft darüber hinaus. Das Talent ist ohne Frage vorhanden. Es wäre nur schön, wenn man ihn in Zukunft ausschließlich den Stil singen lässt, der ihm liegt. Gut, dass "Standing still" genau ein Lied in diesem Stil ist - das macht Hoffnung für das Finale am 24. Mai. Germany, 12 Points? Wäre doch toll.


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