Von Kati Pierson 0
Ein Kaiser für die SPD

Roland Kaiser probt den Spagat zwischen Schlager und Politik

Jeden Wahlkampf wieder rührt Schlagersänger Roland Kaiser für seine Partei die Werbetrommel. Obwohl die Deutschen erst nächstes Jahr wieder an die Wahlurnen schreiten müssen, hat Roland Kaiser in der besinnlichen Zeit des Weihnachtsfestes die Glocke zur ersten Runde geläutet.


In einem Interview mit der Financial Times Deutschland läutete jetzt Schlagersänger Roland Kaiser die erste richtige Runde zur Wahl 2013 ein. Ausgerechnet Roland Kaiser, der den Zuschauern des Adventsfest der 100.000 Lichter einen Vortrag über "entschleunigen" und "auf die Werte des Friedens besinnen" gehalten hat, (unter-)bricht den Weihnachtsfrieden und die Freude seiner Fans aufs Fest mit einem Interview über Politik und beschleunigt den Beginn der heißen Wahlkampfphase.

Ja, wenn der Arzt von nebenan dieses Interview gegeben hätte, dann hätte es sicher nicht solche Kreise gezogen, aber so war es der Gong - pardon - die Glocke zur ersten Runde. Für wen der Kaiser in den Ring steigt? Natürlich für die SPD. Als langjähriger Sympathisant trat er 2002, als die Wahlprognosen der SPD alles andere als rosig waren, ein. Für Roland Kaiser die einzig richtige Zeit: "Ich finde es besonders wichtig, in schweren Zeiten zu den Dingen zu stehen, die man mag. Es ist einfach, auf fahrende Züge aufzuspringen. Einen stehenden Zug gemeinsam zum Fahren zu bringen, finde ich spannender. Und ehrlicher."

Auf die Frage, was in seinen Augen der Schlager und die Politik gemeinsam haben, antwortete Kaiser: "Die Suche nach Mehrheiten. Jeder, der etwas in die Öffentlichkeit trägt, ob es Musik ist oder Meinung, ist auf der Suche nach einer Mehrheit."

Roland Kaiser wäre auch bereit, Peer Steinbrück im Wahlkampf zu unterstützen, so wie er es am besten kann - singend - wenn man ihn denn fragt. Gefragt hatte man Roland Kaiser bereits 2005. Damals wollte er Gerhard Schröder zur Wiederwahl verhelfen. Dieser zählt für ihn aber anscheinend nicht zu den großen Sozialdemokraten. Dies sind dann: "Willy Brandt selber. Dann Helmut Schmidt."

Auf Willy Brandt Schoss soll der gebürtige Berliner in seiner Kindheit gesessen haben, während seine Mutter die Räume im Parteigebäude reinigte. "Angeblich hätte ich auf seinem Schoß gesessen. So soll das gewesen sein." sagt Kaiser und weiter: "Ich kann das nicht bezeugen. Ich war noch zu klein. Aber wenn sie das behauptet, dann will ich ihr das mal glauben."

Eigentlich würde er sich ja selbst zum Politiker eignen. Auf die Frage, ob es denn sein muss, dass man einer Kommune wie Bochum 25.000 Euro abzwackt, anwortete Roland Kaiser: "Ich verfüge nicht über genügend Detailkenntnisse, um das beurteilen zu können." In Frage kommt für ihn dieses Amt aber nicht: "Ich bin ein hochpolitischer Mensch, aber ich möchte meinen familiären Frieden nicht auf eine Zerreißprobe stellen. Außerdem macht mir mein Job Spaß."

Welcher Schlagersänger springt jetzt für FDP, CDU und Grüne in die Bresche? Unser Held wäre ja der musikalische Vertreter der Piratenpartei.


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