Von Kati Pierson 0
Leih mir die Flügel, Engel

Roland Kaiser: Eine Nacht, die ich nie mehr vergessen kann

Anlässlich des 60. Geburtstags von Roland Kaiser widmen wir uns in einer Serie dem Leben des Schlager-Stars. Im zweiten Teil der Rückblende betrachten wir die Jahre der "Atempause". Roland Kaiser erfährt 2000, dass er an einer Lungenkrankheit leidet. Diese wird sein Leben drastisch verändern.


Im Jahr 2000 feiert Roland Kaiser eines Abends mit Freunden. Es wird zuviel geraucht und getrunken. Am nächsten Morgen bleibt ihm buchstäblich die Luft weg. Am nächsten Tag bringt seine Frau ihn auf Umwegen ins Krankenhaus. Die Diagnose COPD ist für den Sänger erschütternd. Eine nicht heilbare Krankheit sollte von nun an sein ständiger Begleiter sein.

COPD sind für einen Laien nicht mehr als vier Buchstaben. Für den Betroffenen bedeutet dies Atemnot bei jeder Anstrengung, eine bläuliche Färbung der Haut und rote Augen. Für Roland Kaiser stand also die Frage im Raum, ob und wie lange er mit dieser Krankheit seinen Beruf ausüben könnte und die weit wichtigere Frage - wie weit würde er persönlich damit kommen - schließlich hatte er sich ja mal vorgenommen 90 zu werden.

Die nächsten Jahre verheimlichte Kaiser seine Krankheit. Er stand irgendwann nur noch auf der Bühne, hinter dem Mikrofon und versuchte so wenig Energie wie nötig mit Bewegung oder Sprechen zu vergeuden.

Weder auf seine Fans, noch auf seine Kollegen und die Techniker machte dieses Verhalten einen positiven Eindruck. Es entstanden vor allem in den bunten Blättern der Boulevardpresse immer wieder Gerüchte über Drogen, Alkohol und Arroganz.

Auch sein Familienleben musste darunter leiden, besonders seine Frau. War es doch nicht er, der angesprochen wurde, was mit ihm los sei sondern sie. Irgendwann ging es so nicht mehr weiter. Während eines Konzertes streikte sein Körper und er verließ die Bühne. Der Zufall rettet ihn vor einer Blamage, denn zeitgleich streikte die Tonanlage und so merkten die Fans im Saal erst einmal nichts - sein Team aber. Auch ihnen hatte er Jahre lang die Situation verheimlicht und jetzt musste er ihnen reinen Wein einschenken und seinen Fans auch.

So stand er dann eines Abends auf der Bühne und sagte: "Ich habe nicht nur eine atemberaubende Frau, sondern auch eine atemraubende Krankheit!" Für den Sänger ein Befreiungsschlag - war doch endlich die Zeit des Zitterns und des Versteckspiels vorbei.

Aber auch diese Methode - mit der er fortan die Konzerte eröffnete - hielt nicht für ewig. AM 23. Januar 2010 in der Dortmunder Westfallenhalle, gab er sein vorerst letztes Konzert.

In seinem Buch "Atempause" beschreibt er selbst diese Situation: "Ich stand auf der Bühne, und mir wurde schlagartig bewusst, dass meine Kraft nicht einmal mehr reichen würde, um den noch laufenden Titel fertig zu singen. Ich würde abbrechen, ich würde vor dem gut gefüllten Saal zugeben müssen, gescheitert zu sein - gescheitert, weil mir die Kraft zum Singen fehlte."

Die Fans standen weinend und fassungslos im Saal, als Roland Kaiser diesen Gedanken in die Tat umsetzte und die Bühne mit letzter Kraft, aber erhobenen Hauptes verließ.

Es folgte der Rücktritt von den Live-Bühnen. Weiter singen wollte der Entertainer jedenfalls offiziell. Wie später in seinem Buch zu lesen war, ging dann aber alles sehr schnell und es stand schlechter um ihn als er damals bereit war in der Öffentlichkeit zuzugeben. - "Schach matt" - hieß es für Roland Kaiser.


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