Von Kati Pierson 0
In Memoriam

Rex Gildo: Erinnerungen an "Zwei blaue Vergißmeinnicht"

Schlagerlegende Rex Gildo (1936-1999) hätte heute seinen 76. Geburtstag gefeiert. Der Sänger schied 1999 im Alter von 63 Jahren viel zu jung aus dem Leben. Wir erinnern in einer Kolumne an einen der letzten Gentleman des deutschen Schlagers.


In eines jeden Menschen Leben gibt es andere Menschen, die das eigene Selbst und das eigene Leben prägen. In meinem Leben war dies Rex Gildo. Als er 1936 im bayrischen Straubing als Ludwig Franz Hirtreiter geboren wurde, war ich noch Quark im Schaufenster. Das sollte übrigens auch bis 1978 so bleiben.

Mit einer Statistenrolle in dem Film "Immer wenn der Tag beginnt"  und dem Künstlernamen Alexander Gildo begann 1956 eine einmalige Karriere. 1958 erschien bei Polydor seine erste Platte "Cafeteria Santa Lucia" / "Babett". 1959 wechselte "Sexy Rexy" zu Electrola. Für den smarten schwarzhaarigen Romantiker mit den stahlblauen Augen ging mit dem Künstlernamen Rex Gildo die Post ab.

1962 sicherte er sich mit seinem Pat Boone Cover "Speedy Gonzales" den ersten Platz in den Singlecharts. In Spielfilmen glänzte er an der Seite von Conny Froboess und Gitte Haenning. Gitte und Rex - blond und schwarz - so sah das Traumpaar der Deutschen Anfang der 60er Jahre aus. Mit ihrem Duett "Vom Stadtpark die Laternen" eroberte das Pärchen 1963 wiederum Platz eins in den Singlecharts.

Bis ich 1990 zum ersten Mal auf seine Musik treffen sollte, feierte Rex Gildo seine größten Erfolge  u.a. mit Titeln wie "Maddalena", "Liebe kälter als Eis", "Dondolo", "Bravo Bambina", "Sommerblau", "Fiesta Mexicana", "Marie, der letzte tanz ist nur für Dich", "Der letzte Sirtaki" und "Küsse von Dir".

Die erste Begegnung entbehrte nicht einer gewissen Komik. Ich kam aus der Schule und aus dem Kassetten-Rekorder schmetterte mir "Lala-Lalalalalalala" - sprich "Speedy Gonzales" entgegen. Meine Mutter erklärte ich kurzer Hand für verrückt und ging in mein Zimmer. Keine fünf Minuten später kam ich rückwärts wieder raus. Was war das? Das war auf jeden Fall nicht von dieser Welt!

Mit "Zwei blauen Vergißmeinnicht" hatte er mich in seinen Bann gezogen. Im Juli 1992 stand ich dann 13-jährig das erste Mal am Bühnenrand in Zingst an der Waldbühne. Da war er - mein Held! "Andrea", "Toujours Amour",  einen Striptease und viele Titel später, war ich ganz natürlich breit. Der ganze Abend schmeckte nur nach Blaubeeren mit Vanille. So konnten mich auch im Dezember 1993 und im Dezember 1996 kein Schnee und Eis davon abhalten, ihn in Rostock und Grimmen wieder zu sehen.

Am Mittag des 27. Oktober 1999 saß ich im Büro als im Radio der Nachrichtensprecher verkündete: "Rex Gildo seinen schweren Verletzungen erlegen". Ich werde diesen Moment genauso wenig vergessen, wie den 11.September. Seine Musik war, ist und wird eines immer sein: Mein ständiger Begleiter. "Die Stimme Deines Herzens" - einer seiner letzten Hits - ist mein Lebensmotto seit einer nächtlichen Autofahrt samt Schutzengel im Sommer 2000. "Engel vergißt man nicht" und so sag ich "Vaya con Dios Mi Amore" und "Danke für die Lieder".


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