Von Nils Reschke 0
Fußball-Bundesliga

Raúl verabschiedet sich: „Die Fans haben mir immer Wärme geschenkt“

Die Ära von Superstar Raul endet nach zwei durchaus erfolgreichen Jahren im Sommer beim FC Schalke 04. Der Vertrag mit dem mittlerweile 34-jährigen Spanier wird nicht verlängert. Ein ganz Großer seiner Zunft verlässt damit die Bundesliga – und zieht auch eine Bilanz.


Felix Magath ist auf Schalke sicherlich nicht mehr der beliebteste Gast. Doch im Sommer 2010 gelang dem heutigen Trainer vom VfL Wolfsburg ein ganz besonderer Coup, als er Superstar Raul von Real Madrid nach Gelsenkirchen lockte. Raul in der Bundesliga – dieser Transfer freute nicht nur die Königsblauen. Und der 34-Jährige Kicker wurde in zwei Jahren den Erwartungen gerecht. Doch nach zwei sicherlich schönen Jahren auf Schalke ist nun Schluss. Der Vertrag wird nicht verlängert. Schalke und der Spanier gehen im Sommer getrennte Wege. In der Pressekonferenz wirkte der Spanier locker, fast erleichtert, begrüßte die Runde mit einem „Hallo, guten Tag“ auf Deutsch. Dann gab er das preis, was schon im Vorfeld verkündet wurde: „Die Entscheidung ist mir alles andere als leicht gefallen und ich danke den Verantwortlichen für ihre Geduld, das ich mir die Zeit dafür nehmen konnte, sie zu fällen“, sagte der 34-Jährige. „Meine sportliche Zukunft liegt jetzt nicht mehr in Europa, sondern in einer weniger spielstarken Liga als die europäischen sie darstellen. Ich werde mit meinen Berater die Angebote prüfen und dann entscheiden.“

Warum Raul überall gemocht, ja sogar geliebt wird, zeigte sich auch in Gelsenkirchen, insbesondere im Rahmen dieser Pressekonferenz. Raul war keiner dieser in die Jahre gekommenen Stars, die nur noch einmal die Hand aufhalten wollen. Er stellte sich immer in Diensten der Mannschaft. „Ein echter Teamplayer. Ich ziehe den Hut, auch für die Art und Weise, wie er sich hier verabschiedet“, meinte Huub Stevens, sein Trainer beim S04. Bescheiden, ohne irgendwelche Starallüren. Das zeigte auch sein ausdrücklicher Dank an alle Mitarbeiter der Geschäftsstelle, nicht nur an die „Macher“ im Vordergrund. Sein perfektes Können demonstrierte er so manches Mal mit spektakulären Toren. Das tat er immer, egal, wo Raul am Ball war. Sein Treffer im vergangenen Jahr gegen den 1. FC Köln, ein toller Lupfer, wurde von den Fans sogar zum „Tor des Jahres“ in der „Sportschau“ der ARD gewählt. Clemens Tönnies brachte es auf dem Punkt: „Abgesehen von den Spielern des Schalker Kreisels bist du der Senor, der den Glanz nach Schalke brachte“, adelte der Vorsitzende der Gelsenkirchener den Spanier. „Du hast gekämpft, dich aufgerieben, brilliert. Wann immer du uns brauchen solltest, bist du herzlich willkommen.“

Wer aber glaubt, Raul hätte vor seiner Zeit auf Schalke bereits alles gewonnen, der irrt. Ein Titel blieb dem 34-Jährigen in seiner Karriere bislang immer verwehrt: ein nationaler Pokalerfolg. Das holte er gleich in seiner ersten Saison beim FC Schalke 04 nach, als die Königsblauen Zweitligist MSV Duisburg beim 5:0 im Endspiel im DFB-Pokal nicht den Hauch einer Chance ließen. Damit komplettierte Raul dann auch seine umfangreiche Trophäensammlung. Drei Mal holte er die Champions League, sechs Mal wurde Raul spanischer Meister. Und gleich fünf Mal wählten sie den beliebten Spanier zum Fußballer des Jahres in seinem Heimatland. Für Manager Horst Heldt jedenfalls waren es „zwei perfekte Jahre, aber ich kann seine Entscheidung auch nachvollziehen, wenngleich wir sehr traurig sind. Er hat dieser Mannschaft ein Gesicht gegeben.“ Und wie es sich für Raul gehört, gab er die Komplimente an den Verein, vor allem aber an dessen Anhänger zurück: „Natürlich muss ich den Fans von S04 besonders danken. Sie waren ganz besonders, etwas Spezielles. Es wird ein emotionaler, schwieriger Abschied. Das, was mir die Fans an Wärme geschenkt haben, ist nur schwer in Worte zu fassen.“


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