Von Kati Pierson 1
Kein gewöhnliches Konzert

Rainhard Fendrich: Ein Live-"Best of" auf dem Münchener Tollwood

Waren Sie schon mal auf einem Rainhard-Fendrich-Konzert? Nein? Gehen Sie hin! Aber erwarten Sie kein gewöhnliches Konzert! Da gibt es keine Aneinanderreihung diverser Hits und Titel. Das ist "Best of ..." Rainhard Fendrich - PUR. Austropop aus über 30 Jahren, witzige Pointen, freche Sprüche, Selbstironie, eine feine Prise schwarzen Humors und ganz viel ER.


Am Sonntagabend spielte Rainhard Fendrich mit seiner Band über zwei Stunden vor ca. 6000 Menschen live auf dem Tollwood. Nach den Titeln "Rattenfänger" und "Zwischen Eins und Vier" lobte er die Organisation und begrüßte Stammgäste, Neuankömmlinge, aber  auch die "die gezwungen oder überredet wurden" unter anderem mit den Worten "Ich bin ned einer der anderen gerne Zucker in den Arsch blaßt - wie man in Wien sagt - aber es ist immer wieder super in München zu sein."

Mit Wiener Schmäh erklärt er "Von oandern derf man aobschreiben, ober von sich selber eigentlich nie!" bevor er seine "uroalten Haddern" zum Besten gab: "Vü schöner ist des G'fühl", "A jeder is' zum hab'n", "Es tuat so weh, wenn man verliert" und "Wien bei Nacht".

Als intellektueller Liedermacher wurde Fendrich nicht anerkannt, weil er es nicht verstand die Probleme der Zeit aufs Korn zu nehmen. Da kann er mit seinen L'amour - Ratschern nicht mithalten. Bis eine Ärztin ihm schrieb, dass sie ihren Mann auf einem langweiligen Uni-Fest bei seinem Titel kennenlernte. Heute hat sie 5 Kinder. Nach einem erfreuten "Juhu" lautete sein Liedermacher-Fazit: "Dass das so genannte "Haddern" dem Geburtenrückgang bei Akademikern extrem entgegen wirkt!"

"Manchmal denk i no an Di" - war übrigens besagtes Lied. Nach "Brüder"  zeigte der Austro-Barde, dass er auch sich selbst gut auf die Schippe nehmen kann. Was er mit seinen nächsten beiden Titeln irgendwann mal meinte, weiß er nimma. "Vielleicht war ich damals auf Drogen." ist seine logische Erklärung. Mit den Worten "Jetzt bin ich nicht mehr auf Drogen - jetzt kann ich's wenigstens ordentlich singen!" stimmte er dann "Kein schöner Land" und "Vorbei is vorbei" an gefolgt vom ältesten Fendrich-Titel "Zweierbeziehung".

Vor "Mei Tscheneräischen"  waren Facebook und Co. reif und spätestens jetzt erwartete man in und vor jedem Titel einen Schmäh. Diese ließen auch bei "Von Zeit zu Zeit", "Tango Korrupti", "Frieda", Gerog Danzers "Lass mi amoi no d'Sun aufgeh segn", "Tränen trocknen schnell", "Malibu", "Midlife Crisis", "Es lebe der Sport", "Strada del sole", "Macho, Macho" und "Blond" nicht auf sich warten.

Peinlich ist Fendrich übrigens auch etwas. Nicht unbedingt, dass der nächste Titel zur inoffiziellen Bundeshymne Österreichs avancierte, sondern viel mehr dass die Schüler den Text von "I'am from Austria" besser können als den der echten Bundeshymne.

Wussten Sie eigentlich, dass Fendrich von seiner Plattenfirma zur Volksmusik gezwungen wurde? Mit den Worten "Nimm Dir ein Beispiel am Hinterseer, der kann auch nicht singen!" versuchte ihn der Plattenboss zu überreden. Den Satz nahm Fendrich dann aber schnell zurück. Hat er doch dafür schon mal einen bösen Brief vom Management von Hansi kassiert. "So was tut man nicht unter Kollegen!" hieß es darin. "Da vü i mi wieder a bisserl b'leidigt!" grinste Fendrich in die Runde und stimmte dann tatsächlich eine Parodie mit tollen Jodlern auf die Volksmusik an. Besser kann man die Probleme der Zeit nicht mehr auf's Korn nehmen!

Mit "Schickeria" und "Weus'd a Herz hast wia a Bergwerk" muss dann aber auch dieses grandiose Konzert enden. Viel zu schnell.


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