Von Sabine Podeszwa 0
Musikkolumne!

Pussy Riot: Verurteilt für musikalischen Protest

Eine Band, die das Regime kritisiert und zwei Jahre in Haft muss? Was sich anhört wie ein schlechter Scherz aus längst vergangener Zeit, findet gerade in Russland statt. Pussy Riot haben in einer Protestaktion ihrem politischen Unmut Luft gemacht und müssen jetzt für zwei Jahre ins Arbeitslager!


Drei Mitglieder der russischen Punkrockband "Pussy Riot" sind am Freitag zu einer zweijährigen Haftstrafe im Straflager verurteilt worden. Ihnen wird Rowdytum und religiöser Hass vorgeworfen. Der Grund für die Verurteilung, ist eine von der Band im Februar diesen Jahres initiierte Protestaktion gegen Wladimir Putin und die Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche, die in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale stattfand. Dort sangen Pussy Riot einen Song, der dem Regime und der Kirche nicht unbedingt wohlgesonnen ist. HIER findet Ihr eine Übersetzung des Songs von der Frankfurter Rundschau.

Zwei Jahre sind ein schockierendes Urteil, zumal während der Protestaktion niemand zu Schaden gekommen ist und auch nicht zu Gewalt aufgerufen wurde. Auch die Aussage von Präsident Wladimir Putin, dass die Frauen dafür nicht zu hart verurteilt werden sollten, brachte nicht die erhoffte Milde im Strafmaß. Nadeschda Tolokonnikowa, Marija Aljochina und Jekaterina Samuzewitsch, die sich bereits seit dem Vorfall im Februar in Untersuchungshaft befinden, werden zwei Jahre unter Anrechnung der Untersuchungshaft in einem russischen Arbeitslager verbringen. Nach weiteren Mitgliedern der Band wird zur Zeit gefahndet.

Es ist klar, dass Russland mit diesem drastischen Strafmaß ein Exempel statuieren möchte, um potenzielle Nachahmer zu warnen. Ob dies gelingen wird, ist fraglich, denn das gigantische internationale Medienecho auf die Inhaftierung von Pussy Riot schreit förmlich nach Nachahmern. Die Meinungen der russischen Bevölkerung sind in diesem Fall gespalten, doch vor allem international formieren sich Pro-Pussy-Riot-Bewegungen, die auf das Recht der freien Meinungsäußerung und auf Gerechtigkeit für Pussy Riot pochen.

Zahlreiche Musiker haben der Band bereits ihre volle Unterstützung zugesichert. Dazu gehören unter anderem Madonna, Sting, Paul McCartney und die Red Hot Chili Peppers. Doch das wird den Mädels vermutlich auch nicht weiterhelfen. Die Anwälte von Pussy Riot wollen jetzt in Berufung gehen und hoffen damit auf ein milderes Urteil. Ein Gnadengesuch bei Wladimier Putin lehnte die Band rigoros ab.


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