Von Nils Reschke 0
Otto Rehhagel

Pleite in Augsburg: Misslungenes Debüt für Herthas „König Otto“

Mit dem Aufsteiger aus Kaiserslautern feierte er einst sensationell die Meisterschaft in der Bundesliga. In Griechenland machte sich Otto Rehhagel mit dem EM-Titel unsterblich. Jetzt soll der Trainer-Oldie Hertha BSC vorm Abstieg bewahren. Rehhagels schwerste Mission und ein holpriger Einstand.


Eigentlich zählt Augsburg ja eher zu den beschaulicheren Städten in der Bundesliga. Der Aufsteiger müht sich im Fußball-Oberhaus, kam bislang aber nicht aus der Abstiegszone hinaus. Am Samstagnachmittag allerdings war alles anders. So groß war der Auflauf der Journalisten und Fotografen wohl noch nie. Das lag aber weniger an der Mannschaft von Jos Luhukay, sondern am Gegner, wo ein „Kind der Bundesliga“ seine Rückkehr feierte. Otto Rehhagel stand als Trainer von Hertha BSC an der Seitenlinie und feierte sein Comeback als Übungsleiter. 50 Jahre nachdem er selbst für den Club aus der Hauptstadt als Verteidiger aufgelaufen war. Sein Einstand allerdings misslang gründlich. „König Otto“ und die Hertha gingen beim Aufsteiger Augsburg mit 0:3 baden.

Eine Stunde war gespielt in der SGL-Arena, da schlug Torsten Oehrl binnen weniger Sekunden doppelt zu für den FCA. Der Treffer von Marcel Ndjeng beschwerte dem Club aus der Stadt der Fugger gar den höchsten Sieg bislang in der Bundesliga-Geschichte. Und Otto Rehhagel? Der ist mit seinem Latein noch lange nicht am Ende, gab sich kämpferisch und analysierte gewohnt messerscharf. Und zwar so, dass es jeder verstand: „Wir können nicht spielen wie der FC Barcelona und versuchen, die Dinge spielerisch zu lösen.“ Jeder müsse eben begreifen, das man im Abstiegskampf stecke. So wie es nach Rehhagels Meinung die Augsburger getan hätten: „Die haben gefightet wie die Löwen.“

Auf den Trainer-Methusalem wartet also seine nächste Mission: den Absturz der Hertha stoppen, was kein leichtes Unterfangen wird. Nach der Entlassung von Markus Babel scheiterte bereits Michael Skibbe in nur wenigen Wochen in der Hauptstadt. Die Berliner verloren alle sechs ihrer Spiele in der Rückrunde der Bundesliga – und schossen nur ein einziges Tor. Was hat Otto Rehhagel im Fußball nicht schon alles bewegt: Werder Bremen formte er mit geringen Mitteln zur Spitzenmannschaft. Den Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern führte er direkt zur Meisterschaft – einmalig in der Bundesliga. Und mit Griechenland wurde „Rehhakles“ sensationell Europameister. Die Mission in Berlin liest sich wesentlich leichter. Doch möglicherweise ist es Otto Rehhagels schwerste Aufgabe, die er bewältigen muss. Angefangen werden muss damit schon am nächsten Wochenende gegen Werder Bremen. Jener Verein, dem er 14 Jahre lang die Treue hielt. An der Weser setzten sie „König Otto“ ein Denkmal. Am kommenden Samstag ruhen alle Freundschaften – zumindest 90 Minuten lang.


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