Von Mark Read 0
Viel Lärm um wenig

Philipp Lahm: Ein Skandal-Buch, das keines ist

Bis vor kurzem kannte Fußball-Deutschland Philipp Lahm höchstens als Vorzeige-Profi, der sowohl beim FC Bayern München als auch in der Nationalmannschaft zu den Besten seiner Zunft gehört. Nun redet plötzlich jeder nur noch über sein Buch "Der feine Unterschied", in dem Lahm offenbar ehemalige Weggefährten hart attackiert. Warum eigentlich?


Der "Skandal" um Lahms Buch ist ein typisches Beispiel dafür, wie aus einer Mücke ein Elefant wird. Denn "Der feine Unterschied" ist beileibe nicht so skandalträchtig, wie es viele gerne hätten und wie es Lahms gute Freunde von der "Bild"-Zeitung darstellen. Es ist ein stellenweise interessantes, oft aber auch eher banales Werk aus dem Leben eines Fußballprofis, der sich diese Veröffentlichung im Vorfeld sicherlich genau überlegt hat. Lahm ist, das merkt man in jedem seiner zahlreichen Interviews, ein intelligenter Mensch, der nichts tut, ohne sich vorher die Konsequenzen zu überlegen.

Dass er nun in "Der feine Unterschied" die Trainingsmethoden von Ex-Nationalcoach Rudi Völler kritisiert oder einem weiteren Ex-Coach, Jürgen Klinsmann, fehlende Taktik-Kenntnisse vorwirft, ist weitaus weniger brisant, als es zunächst klingt. Denn richtig konkret oder gar beleidigend wird Lahm nie. Die Vorab-Drucke, die Lahm natürlich exklusiv der "Bild"-Zeitung erlaubte, ließen tatsächlich kurzzeitig glauben, dass man hier die volle Wahrheit aus dem Alltag des FC Bayern oder der Nationalelf erfährt. Doch so ist es nicht. Denn auch Lahms Einblicke in das offenbar nicht sehr harmonische Team der Europameisterschaft 2008 bleiben Andeutungen, nicht mehr und nicht weniger.

Am interessantesten ist "Der feine Unterschied", das vermeintliche Skandal-Buch, noch, wenn Lahm Einblick in sein Privatleben gewährt. Denn wenn der 27-Jährige mit den Gerüchten aufräumt, er sei homosexuell, wenn er über einen Stalker spricht, der ihm vor der Tür seiner Münchener Wohnung ein seltsames Liebesgeständnis machte und ihn so zu einem Umzug veranlasste - oder auch, wenn er über das spricht, was ihn als Fußballer jeden Tag antreibt: Dann wird das Buch kurzzeitig interessant. Doch insgesamt muss man ganz klar festhalten, dass der Wirbel um "Der feine Unterschied" vor allem auf eine gut geölte PR-Maschinerie zurückzuführen ist. Ein Skandalbuch sieht definitiv anders aus.


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