Von Martin Müller-Lütgenau 0
Skandal in der Bundesliga

Phantomtor 2.0: Die Stimmen zur Partie TSG Hoffenheim gegen Bayer Leverkusen

Die Auftaktpartie des 9. Spieltags der Bundesliga wird in Annalen eingehen. Trauriger Höhepunkt der Partie zwischen der TSG Hoffenheim und Bayer Leverkusen war das Phantomtor, das Stefan Kießling nach 70 Minuten erzielte. Am Ende gewann die Werkself mit 2:1, doch vieles spircht dafür, dass die Partie wiederholt wird. 1994 ereignete sich ein ähnlicher Fall. Damals erzielte Thomas Helmer im Spiel FC Bayern München gegen den 1. FC Nürnberg ebenfalls einen Phatomtreffer.

Stefan Kießling wurde gegen Hoffenheim zum Buhmann

Stefan Kießling erzielte ein irreguläres Tor

(© artpool.com)

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70 Minuten waren am gestrigen Freitag in Sinsheim gespielt. Dann erlebte die Bundesligapartie zwischen der TSG Hoffenheim und Bayer Leverkusen ihren unrühmlichen Höhenpunkt. Stefan Kießling setzte einen Kopfball neben das Gehäuse von Torhüter Koen Casteels. Der Torjäger der Werkself drehte sich zunächst weg und ärgerte sich über die vergebene Chance. Dann  stürmten allerdings seine Teamkollegen auf ihn zu. Denn Schiedsrichter Dr. Felix Brych hatte auf Tor entschieden. Möglich machte dies ein Loch im Netz. Wir haben für euch die durchaus kontroversen Reaktionen der Beteiligten gesammelt:

"Ich wurde von den Zuschauern richtig übel beleidigt!"

Rudi Völler (Sportdirektor Bayer Leverkusen): "Uns ist das natürlich auch unangenehm, denn so wollen wir nicht gewinnen. Aber wir können ja nichts dafür. Es gefällt mir nicht, dass wir jetzt als böse Buben dastehen. Stefan Kießling war sich auch nicht sicher, er hatte auch kein gutes Gefühl. Ich bin ratlos, ich gehe von einem Hoffenheimer Protest aus. Das ist ja alles furchtbar, es gibt nur Verlierer. Wenn eine Spiel-Wiederholung, dann ab der Szene, also ab der 70. Minute. So macht man es in Italien oder Spanien ja auch.“

Stefan Kießling (Bayer Leverkusen): "Ich habe im ersten Moment gedacht, der Ball geht nicht rein, aber dann zappelte er im Netz. Ich habe dem Schiedsrichter gesagt, dass ich überrascht war, es aber nicht genau gesehen habe. Ich bin eigentlich schon ehrlich, wenn ich etwas sehe. Ich habe es aber nicht gesehen, weil ich mich weggedreht habe. Das ist eine blöde Situation für mich. Ich wurde von den Zuschauern richtig übel beleidigt, obwohl ich persönlich nicht wirklich was dafür kann.“

"Stefan Kießling ist ein guter Sportsmann"

Markus Gisdol (Trainer TSG Hoffenheim): "Zum Schluss muss die Fairness siegen. Ich denke, das Spiel werden wir nochmal sehen. Ich gehe fest davon aus, dass es so kommen wird. Alles andere wäre ein Witz. Das Spiel darf ja nicht gelten. Es gibt ja den Präzedenzfall Helmer. Ich will dem Spieler keinen Vorwurf machen. Stefan ist ein guter Sportsmann. Er hat es quasi über sich ergehen lassen, dass es ein Tor war.“

Alexander Rosen (Manager TSG Hoffenheim): "Wir werden defintiv Protest einlegen. Die relevante Regel ist die, dass das Spielresultat entscheidend beeinflusst wurde. Es gab bisher einen vergleichbaren Fall in der Bundesliga. Und es ist ja bekannt, wie das ausgegangen ist. Der Schiedsrichter muss sich nicht bei mir entschuldigen. Er hat es ja ganz sicher nicht absichtlich gemacht. Das ist doch klar.“

"Das Spiel muss wiederholt werden, keine Frage!"

Dr. Felix Brych (Schiedsrichter) gegenüber Sky: "Es war eine schwierige Situation, ich hatte kleine Zweifel, aber die Reaktionen der Spieler waren eindeutig. Es gab kein Anzeichen, dass es ein irreguläres Tor sein könnte. Deshalb habe ich Tor gegeben. Ich habe mich mit Stefan Kießling ausgetauscht. Aber niemand, auch er nicht, hat mir gesagt, dass es kein Tor war. Der Ball lag im Netz, für alle auf dem Platz war es ein regulärer Treffer. Jetzt weiß ich auch, dass es nicht so war. Es ist keine tolle Situation für, dass ich ein Tor gegeben habe, das keines war. Bis zum Anstoß hätte ich die Entscheidung noch ändern können.“

Thomas Helmer (Phantomtorschütze 1994) gegenüber Sport 1: "Es geht um Sekunden, und du weißt als Schütze selbst nicht so genau, ob er drin war. Kießling wird auch überlegt haben: Was mach ich jetzt, was ist passiert. Und diese Sekunden entscheiden darüber, bist du jetzt der liebe Junge oder der böse Bube. Es ist keine schöne Geschichte, ich bin sehr gespannt, was jetzt passiert. Das Spiel muss wiederholt werden, keine Frage.“


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