Von Kathy Yaruchyk 0
Ehemalige GNTM-Kandidatin

Pari Roehi: Sie will das Sprachrohr für transsexuelle Jungs und Mädchen sein

„Die VICE Reports“ auf RTL II beleuchten einmal in der Woche international brisante, bedeutsame sowie kuriose Themen, die die Welt bewegen. In der heutigen Sendung geht es um das Leben von Transsexuellen im Iran. Eine, die dieses Schicksal teilt, ist Pari Roehi. Bekannt wurde sie vor allem durch das Castingformat „Germany's Next Topmodel". Im „Promipool"-Interview spricht Pari offen über das Thema Transsexualität und darüber, wie ihr Leben im Iran ausgesehen hätte.

Du hast dir den Beitrag „Transsexuelle im Iran“ angesehen. Welche Szene ist dir besonders in Erinnerung geblieben und warum?

Die Szene mit der jungen transsexuellen Frau, die kurz vor ihrer Operation anfing zu weinen. Sie tat mir so leid. Ich kann mir gar nicht ausmalen, was ihr wohl in diesem Moment alles durch den Kopf ging. Sie sagte, sie vermisse ihre Mutter. Für mich wäre es unvorstellbar, meine Mutter am wichtigsten Tag meines Lebens nicht an meiner Seite zu haben. Am liebsten hätte ich sie einfach in den Arm genommen.

Inwiefern hat sich dein Leben seit der Zeit bei „Germany’s Next Topmodel“ verändert?

Mein Leben hat sich seitdem stark verändert. Die Show gab mir die Möglichkeit, Deutschland und den Rest der Welt über die Transsexuelle Community zu informieren und aufzuklären. Ich sehe es als meine Aufgabe an, solche Plattformen bewusst zu nutzen, um das Sprachrohr vieler transsexueller Jungen und Mädchen zu sein. Trotz alledem ist es mir wichtig, ein bescheidenes und bodenständiges Leben zu führen. Wenn mich Menschen auf der Straße erkennen, sehe ich das als großes Kompliment an und freue mich darüber. Die Leute, die auf mich zukommen, sind immer freundlich. Deshalb nehme ich mir auch gerne die Zeit, mich kurz mit ihnen zu unterhalten oder Fotos zu machen. 

Du bist mit deiner Familie als Kind nach Holland geflohen. Wie ist deine Meinung zur aktuellen Flüchtlingslage in Deutschland?

Ich denke, dass die deutsche Regierung und die Bevölkerung großartige Arbeit leisten. Die Mehrheit der Menschen in Deutschland hat die Flüchtlinge mit offenen Armen begrüßt und ihnen geholfen, so gut es geht. Trotzdem erschüttert es mich immer wieder, wenn ich die Kinder leiden sehe. Sie haben schon so viel schlimme Dinge gesehen und durchgemacht. Ich wünsche mir, dass diese Kinder zusammen mit ihren Familien eine sichere Heimat in Deutschland finden und in eine glückliche Zukunft blicken können.

Wie hätte dein Leben ausgesehen, wenn du im Iran geblieben wärst?

Mein Leben wäre um einiges unsicherer, als es jetzt ist. Mein Vater liebte mich und meinen Bruder sehr, doch er war kein guter Ehemann für meine Mutter. Wären wir im Iran geblieben, hätte mein Vater uns Kinder bei sich behalten und meine Mutter wäre gezwungen gewesen, ebenfalls bei ihm zu bleiben. Ich denke nicht, dass mein Vater ein Problem mit meiner Verwandlung gehabt hätte und trotzdem wäre mein Leben um einiges schwieriger Verlaufen. Meine Eltern hätten sich ständig gestritten und der tägliche Weg in die Schule wäre undenkbar gewesen. Alles in allem glaube ich, wäre ich sehr unglücklich geworden, wenn wir im Iran geblieben wären.

Welche Projekte stehen als nächstes bei dir an?

Momentan arbeite ich sehr intensiv an meiner Biografie. Wenn alles gut läuft, wird mein Buch nächstes Jahr herauskommen. Es wird von meiner Verwandlung zur Frau und der Flucht aus dem Iran handeln. Außerdem werde ich in naher Zukunft in einigen TV-Formaten zu sehen sein, über die ich allerdings noch nichts Genaueres sagen kann. Ich konzentriere mich momentan besonders aufs Fernsehen und Moderationsjobs und freue mich darauf, meine neuen Abenteuer bald mit euch allen zu teilen.

Wer ist dein großes Styling-Vorbild?

Ich habe viele Styling-Vorbilder. Am meisten begeistern mich jedoch die klassischen Ikonen wie Sophia Loren, Farah Diba Pahlavi, Jackie Kennedy, Audrey Hepburn und Grace Kelly. Diese Frauen haben mir ihrem Glamour und ihrem Stil die Welt verändert. Ich liebe starke Frauen, die es mit ihrer anmutigen Art schaffen die Herzen aller Menschen höher schlagen zulassen.

„Die VICE Reports“ über „Transsexuelle im Iran“

Homosexualität wird im Iran nach streng islamischem Glauben häufig mit der Todesstrafe belegt. Transsexuelle werden jedoch von der Regierung anders behandelt, denn geschlechtsangleichende Operationen sind legal und werden manchmal sogar vom Staat finanziert. Die Gründe für die Unterstützung sind jedoch fragwürdig, denn die Regierung sieht oftmals die geschlechtsangleichende Operation als Heilung von der „Krankheit" Homosexualität. Die Reporter von „VICE" sind in den Iran gereist und haben mit homosexuellen und transsexuellen Iranern gesprochen. Viele von ihnen mussten sie entscheiden: Exil oder Geschlechtsumwandlung? Die ganze Reportage seht ihr heute, am 23. November 2015, um 23.20 Uhr bei RTL II.

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