Von Nils Reschke 0
Trauer um zwei WM-Helden

Ottmar Walter und Heinz Flohe: Zwei Weltmeister von 54 und 74 sind tot

An diesem Wochenende steht die Zeit für Fans in der ganzen Republik still. Denn Fußball-Deutschland trauert um zwei Weltmeister. Ottmar Walter und Heinz Flohe sind tot. Unsere Kolumne „Der Pool ist rund“ erinnert an die zwei Kicker.


Freunde und Mitspieler nannten ihn nur kurz „Ottes“. Gemeinsam mit seinem Bruder, dem legendären Friedrich „Fritz“ Walter, schrieb Ottmar Walter Fußballgeschichte. Nicht nur beim 1. FC Kaiserslautern, wo die beiden Walter-Brüder auf dem Betzenberg 1951 und 1953 die Deutsche Meisterschaft feierten. Nein, jeder kleine Junge, der sich auch nur annähernd für Fußball interessiert, weiß bis heute, was Ottmar und Fritz Walter 1954 bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz leisteten, als sie mit der deutschen Nationalmannschaft beim „Wunder von Bern“ sensationell den WM-Titel holten und die damals eigentlich als unbesiegbar geltenden Ungarn 3:2 besiegten.

Auf den Tag genau elf Jahre später, nachdem sein Bruder Fritz starb, wurde nun Ottmar Walter von seinen Leiden erlöst und verstarb am Sonntagmorgen in einem Pflegeheim in Kaiserslautern. Seine Frau Anneliese war bis zum letzten Atemzug täglich bei ihrem „Ottes“, der an Alzheimer erkrankt war. Auch ein alter Weggefährte aus der Weltmeister-Mannschaft von 1954 schaute immer wieder vorbei: Horst Eckel. Noch kürzlich hatte er in einem Interview der Bild-Zeitung davon berichtet: „Es fällt mir schwer, weil er mich an manchen Tagen nicht mehr erkennt.“ Ottmar Walter starb im Alter von 89 Jahren.

Heinz Flohe lag zwei Jahre im Wachkoma

Auch in Köln trauern sie, denn am Samstagabend verstarb Heinz Flohe, den sie alle nur „Flocke“ nannten. Sein Sohn Nino bestätigte den Tod seines Vaters: „Er ist am Samstagabend gegen 20 Uhr friedlich eingeschlafen.“ Bei den Geißböcken wurde Heinz Flohe, der zur deutschen Elf zählte, die 1974 im eigenen Land den zweiten WM-Titel holte, zu einer echten Legende. Der Mittelfeldspieler gewann mit dem FC 1978 die Deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal. In insgesamt 343 Ligaspielen (auch für den TSV 1860 München) gelangen „Flocke“ dabei insgesamt 81 Tore.

Die Trauer um Heinz Flohe beschränkt sich aber nicht nur auf Köln. „Flocke, alle, die den Fußball lieben, werden Dich nicht vergessen. Denn Du warst ein ganz Großer. Dein Poldi“, meldete sich Lukas Podolski aus London über seine Facebook-Seite zu Wort. Im Januar, als Heinz Flohe seinen 65. Geburtstag gefeiert hatte, hatte Podolski zusammen mit Mitspieler Per Mertesacker noch via Facebook zum Ehrentag gratuliert.

Heinz Flohe ging es schon lange gesundheitlich nicht gut. 1992 und 2004 musste er sich zwei Mal am Herzen operieren lassen, fiel nach einem Schwächeanfall im Mai 2010 bis zu seinem Tod am Samstagabend in ein Wachkoma. Kölns Vizepräsident Toni Schumacher reagierte geschockt auf die traurige Nachricht: „Wir verlieren mit Heinz Flohe einen brillanten Fußballer und eine FC-Ikone. Er war ein solch genialer Fußballer, dass wir immer darüber gescherzt haben, dass selbst dann nicht vom Ball zu trennen gewesen wäre, wenn man Flocke mit zwei anderen Spielern in eine Telefonzelle eingeschlossen hätte.“


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