Von Mark Read 0
Der "Blade Runner"

Oscar Pistorius: Der "Prothesen"-Sprinter im Olympia-Halbfinale

Am heutigen Samstag ereignete sich im Londoner Olympiastadion Historisches. Zum ersten Mal nahm ein Sprinter ohne Unterschenkel am Wettbewerb teil. Und der Südafrikaner Oscar Pistorius qualifizierte sich dann auch gleich für das Halbfinale.


Lange hatte Oscar Pistorius um seine Teilnahme an Olympia gekämpft. Der 25-jährige Südafrikaner wollte nicht bei den Paralympics, den Wettkämpfen für Behinderte an den Start gehen - er wollte sich mit den Größen bei der "normalen" Olympiade messen. 2008 hatte Pistorius endlich Recht bekommen und sich das Recht zur Teilnahme an Wettkämpfen Nichtbehinderter Leistungssportler erkämpft. Heute startete er erstmals bei den olympischen Spielen in London.

Dem Südafrikaner fehlen wegen eines Gen-Defekts von Geburt an beide Wadenbeine. Er kompensiert das Fehlen eines normalen Gehapparates auf der Laufbahn mit zwei riesigen Sprungfedern, die ihm den Spitznamen "Blade Runner" eingebracht haben. Eben diese besonderen Prothesen sind es auch, die die Skepsis an seiner Teilnahme bei Olympia schürten. Würden ihm die Klingen zusätzlichen Schwung und damit einen Vorteil gegenüber den normalen Sprintern verleihen? Beweisen lässt sich das nicht, und auch heute rannte Pistorius seine Gegner keineswegs in Grund und Boden.

Mit einer guten Zeit von 45,44 Sekunden belegte er im Vorlauf über 400 Meter dennoch souverän den zweiten Rang und steht damit im Halbfinale, das morgen Abend ausgetragen wird. Das Publikum im gut gefüllten Londoner Olympiastadion hatte der außergewöhnliche Sprinter aus Südafrika gleich auf seiner Seite - er wurde frenetisch gefeiert. Mit etwas Glück sieht man den "Blade Runner" übrigens noch häufiger bei diesen Spielen: Er ist auch für die 4 x 400 Meter-Staffel nominiert.

Nach dem Rennen gab Pistorius übrigens zu: "Ich war so nervös am Morgen. Ich wusste nicht, ob ich weinen sollte oder nicht. Es war ein Auf und Ab der Gefühle." Aber eines mit einem - zumindest vorläufigen - Happy End.


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