Von Andrea Hornsteiner 0
Die Band im Interview

Ohrbooten im Interview: "Musik ist inklusive auf jedem Erdentrip!"

Gitarrist Matze der Band Ohrbooten erzählt exklusiv für Promipool aus dem ganz alltäglichen Bandalltag, aber auch über ihre persönlichen Laster, typischen Klischees und von dem Erfolg bei Frauen.


Promipool: Wie ist euer Bandname entstanden und was für eine Bedeutung hat er?

Matze: "Der Bandname Ohrbooten ist spontan vor dem ersten Auftritt entstanden, weil man musste ja was aufs Plakat schreiben. Bedeutung hat er mehr und mehr erfahren über den mittlerweile achtjährigen Gebrauch, vom Bootfahren im Fluss über Nachrichtenübermittlung durchs Ohr bis hin zu den „Boten des Untergangs“, was wohl mit dem Reim zu Vorboten zu tun hat. Such dir deins aus!"

Promipool: In welche Musikrichtung könnte man euch „stecken“?

Matze: "Ganz al gusto: Für einige Reggaeheads machen wir solchen, Freestyle Rap ist dabei und auch auf Rockfestivals geben wir den Leuten das nötige Futter zum Ausrasten und Crowdsurfen. Wir haben das für uns zusammengefasst als GypHop."

Promipool: Seid ihr typische Berliner? Was ist für euch überhaupt typisch berlinerisch?

Matze: "Onkel und ich sind in Berlin geboren, Ben ist hier seit er drei ist, und Noodt ist schon seit mehr als zehn Jahren Berliner (original Hamburger Jung). Für mich ist ne große Fresse (frech aber im Herzen janz lieb) typisch berlinerisch, und die haben wir alle."

Promipool: Und eure Laster?

Matze: "Von Saufen über Kaffee, von Sexsucht bis Kiffen ist alles dabei und individuell abgestimmt. Für richtige Exzesse sind wir zu alt. Auf Tour sind wir ganz artig und diszipliniert. Frag Leute aus unserer Crew."

Promipool: „Ohne Musik...“?

Matze: "…is leise. Hab mal gehört, dass Stille die schönste Musik ist. Lässt sich nur nicht pogen dazu. Aber keine Bange: Musik ist inklusive auf jedem Erdentrip."

Promipool: Sind Musiker, wie angeblich alle Künstler, Chiller, Chaoten und eher wenig auf ihre Hygiene bedacht? Was ist wirklich dran an diesen Klischees?

Matze: "Klischees gibt es so viele, nicht nur in der Musik. Sie versperren uns den Blick ins Weite. Fragst du mich jetzt ernsthaft, ob wir dreckige Assis sind? Ich steh auf Provokation. Nein, sind wir nicht. Chaoten? Ja. Chaos ist das Prinzip einer größeren Ordnung, nach deren Pfeife hier alles tanzt. Auch wenn das für uns kontroll- und sicherheitsbedürftige Menschen sehr erschreckend wirkt. Fair play für alle."

Promipool: Wie verläuft ein typischer Bandalltag von euch?

Matze: "Auf Clubtour gibt es für uns das routinierteste Leben. Aufstehen am frühen Nachmittag, Frühstück, Soundcheck, rumhängen/Stadt ankucken/lesen, Abendessen, Einlass, Aufwärmen, Show, danach Fanbetreuung (individuell – denk jetzt was du willst, die Wirklichkeit ist nicht so spannend), abhängen, um drei/vier Uhr in die Heia, Fahrt zum nächsten Auftrittsort. Toll, wa!?

Das ist eine Alltagssituation. Leben im Bus. Gibt noch andere, zum Glück."

Promipool: Schreibt ihr alle eure Texte selbst?

Matze: "Alle selber geschrieben, ja. Ben ist da der lyrische Motor der Band, und ich fang auch gerade an, warmzulaufen."

Promipool: In dem Song „An alle Ladies“ sprecht ihr davon, dass ihr „stundenlang mit ihnen reden könntet“. Wie sieht es damit in der Realität aus? Fällt es euch leicht, Frauen anzusprechen? Ist es von Vorteil in einer Band zu sein?

Matze: "Ich glaub, es fällt keinem von uns schwer, eine Frau anzusprechen. Und ja, natürlich macht es einen super Eindruck, wenn man in ner tollen Band spielt, aber da pfeif ich drauf. Für mich persönlich ist die Musik zu wertvoll, um sie für solcherlei Bedüfniserfüllung zu missbrauchen. Siehe oben: Klischees. Wenn in mir jemand einzig den Gitarristen von den Ohrbooten sieht, fühl ich mich nicht gesehen. Wenn ich jemanden kennenlerne, erzähl ich meist nur gefragt davon. Nach Konzerten verwandelt sich die vulgäre Superschnitte aus der ersten Reihe erfahrungsgemäß in ein scheues Reh, das sich nicht traut, wenn man es überhaupt zu sehen bekommt. Schade."

Promipool: Was ist eure Einstellung zu Sex, Drogen und Rock`n Roll?

Matze: "Wir begrüßen diese Dinge. Exzess und Rausch können sehr schöne Erfahrungen sein, jeder wie er mag. Wobei ich in dieser Reihe dem Sex die größte Bedeutung beimesse."

Promipool: In der heutigen Welt von Facebook&Co.: Seid auch ihr in den virtuellen sozialen Netzwerken zu finden?

Matze: "Ja, du findest uns, aber ich zum Beispiel find diese ganze vermeintlich soziale Internetsache doof. Nenn mich altmodisch, aber ich pflege Freundschaften am liebsten analog."

Promipool: Vom ersten bis zum letzten veröffentlichtem Album: Seid ihr eurem Stil treu geblieben oder habt ihr euch zwischenzeitlich auch weiterentwickelt?

Matze: "Beides mal ja. Acht Jahre Bandgeschichte haben uns live zu einer Naturgewalt gemacht. Stilistisch sind wir immer noch genauso verspielt wie am Anfang. Wenn wir uns nicht weiterentwickeln würden, gäbe es die Band jetzt nicht mehr."

Promipool: Ein Blick in die Zukunft: Ohrbooten in zehn Jahren?

Matze: "Wir verbringen die vier, na sagen wir fünf Wintermonate, in den Subtropen, spielen 30 Shows im Jahr, das Geld verdient sich von allein und wir können uns gemeinsam weiteren Experimenten und Forschungen hingeben. Denn eine erfolgreiche Band zu sein ist noch längst nicht alles!"


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