Von Kathy Yaruchyk 0
Oktoberfest-Trends

O’zapft is! Wos ziag i nur o?

Barbara Meier auf dem Oktoberfest 2016

Barbara Meier auf dem Oktoberfest 2016

(© Getty Images)

Bereits seit dem vergangenen Wochenende werden wieder Maßkrüge verteilt und auf der Theresienwiese oa riesn Gaudi gfeiert. O’zapft is! Und deswegen ist es höchste Zeit, sich einmal eingehend damit zu befassen, was in diesem Jahr so aufzutragen ist. Es sei gesagt: Es wird traditionell.

Von Dirndl, Janker und Lederhosen

Holz vor der Hüttn? Oder lieber hochgeschlossen? Das ist die Qual der Wahl in diesem Jahr, derer sich alle Wiesn Besucher stellen müssen. Denn erlaubt ist was gefällt, so lange es zur Tradition passt. Aber noch einen Schritt zurück: Denn was trägt man(n und frau) überhaupt auf dem Oktoberfest?

Auch wenn es so anmutet: Dirndl, Lederhosen und Janker sind keine Pflicht auf dem Oktoberfest. Als traditionelles Volksfest lädt es zwar geradezu dazu ein, in Tracht zu erscheinen, aber möglich sind auch andere Kombinationen. Sicher ist aber: Ein Dirndl steht jeder, ist wunderbar weiblich und auch in jeglichen Farbkombinationen zu haben, weswegen die Damen unbedingt die Chance ergreifen sollten, so ein fesches Modell auszuführen.

Wer dennoch nicht dafür zu begeistern ist, der darf natürlich tragen was er möchte. Tracht ist keine Pflicht – und es gibt auch dezentere Varianten, sich ein wenig traditionsbewusst zu zeigen. Da gibt es zum Beispiel die Trachtenblusen mit dezenten Verzierungen am Kragen. Ein bayrischer Janker drüber und es passt. Aber das nur am Rande, denn wir sind im Dirndl-Fieber und wollen schließlich schauen, was es 2016 so neues gibt.

Das Dirndl: Ein Kleid zwischen Tradition und Moderne

„Ein Dirndl steht jeder Frau“ heißt es so treffend und das ist auch so. Es ist eine Liebeserklärung an die weiblichen Rundungen, denn nirgendwo wird das Dekolletee so schön gepusht und die Taille so betont, wie bei einem schönen Dirndl. Wenn es gut anliegt zaubert es überdies eine super schöne Figur. Deswegen ist auch das allerwichtigste ein guter Sitz. Falten sind hier fehl am Platz. Maßgeschneidert ist das Optimum, aber natürlich nicht ganz billig wenn das Handwerk nicht sitzt oder das Kleidungsstück vom Freund geschneidert wird. Also lieber viel Zeit zum Anprobieren einplanen und auch schon einmal den richtigen BH mitnehmen um sicherzustellen, dass auch alles so sitzt, wie es soll. 

In diesem Jahr geht der Trend erneut hin zum Traditionellen, Konservativen. Das heißt zum einen, dass die Blusen wieder höher geschlossen werden und auch die Dirndl streng in der traditionellen Länge gehalten werden. Die ist definiert mit: Einen Maßkrug-Breit über dem Boden. Diese Midi-Dirndl sind also knapp unter dem Knie zu Ende oder auch in der Mitte der Wade. Dann kann auch beim Tanzen auf den Bierbänken niemand drunter schauen. Die kurzen knappen sexy Dirndl, die sowohl oben viel zeigen, als auch unten den Blick auf viel freie Haut frei geben, haben ausgedient.

Auch bei den Farben wird wieder auf das Traditionelle zurückgegriffen. Klassisch, kräftige gedeckte Farben wie Rot, Grün und Blau sind beliebt in diesem Jahr. Auch Dunkelrot und Oliv sowie Taupe und metallische Nuancen wie Kupfer kommen vor. Altrosa und Blau ist eine traditionelle Kombination, die immer geht und aufs Oktoberfest sowie zu allen anderen Anlässen passt – eine gute Investition also. Das kommt vor allem daher, dass auch in den 50ern viele Dirndl aus den Bettlaken, den Vorhängen und Tischtüchern angefertigt wurden – schließlich war sonst nur selten etwas da. Vintage-Schick geht immer.

Aufgehübscht wird das Mieder in diesem Jahr mit echter Handwerkskunst. „Froschgoscherl“ ist eine Rüschenart, die für den Macher eine echte Fleißarbeit darstellt, jedoch mit einer hübschen Bordüre um den Ausschnitt belohnt. Die kleinen Falten, die so zusammengelegt werden, dass sie wie kleine Froschmäulchen aussehen, sind in diesem Jahr gern gesehen und zeigen das Geschick der Trägerin, die in viel Geduld und Zeit die Bordüre gefertigt hat – oder lassen hat. Ebenfalls eine Hommage an die traditionelle Handwerkskunst, denn maschinell herstellen lassen sich die zierlichen Bänder nicht. Alternativ gibt es Charivari, eine filigrane Silberkette, die mit kleinen Talismanen verziert am Mieder befestigt wird oder die klassische Schnürung mit auffälligen Knöpfen. Erlaubt ist, was gefällt und die Trägerin schön in Szene setzt.

Simsalabim: Das Dekolletee zaubern

Drunter gehört ein gescheiter BH, der das Dekolletee auch richtig zur Geltung bringt. Ein Dirndl-BH ist der beste Push-Up, den sich Frau wünschen kann und auf den Wiesn ist in dem Fall schummeln durchaus erlaubt.

Drüber gehört dann eine Bluse, die nicht verdeckt was durch den BH hervorgezaubert wird, aber auch nicht zu viel Preis gibt. In diesem Jahr ist auch hochgeschlossen wieder öfter vertreten – „Gouvernanten-schick“. Wer das präferiert, greift passend dazu zu einem Modell mit Stehkragen, dass ein wenig Strenge durchblicken lässt- aber auch offenherzig geht nach wie vor und ist klassisch schön. Dazu jedoch drauf achten, dass Dirndl und Bluse sich die Waage halten. Ein reich verziertes Dirndl braucht eine zurückhaltende, weiße Bluse als Begleiter, ein eher schlichtes Modell darf gerne mit Spitzenborten und farbigen Blusen aufgewertet werden.

Der Schmuck: Bloß nicht die Show stehlen!

Der Schmuck sollte dem Rest nicht die Show stehlen. Heißt: Große Ohrstecker sind okay, dann aber bitte keine allzu auffällige Kette. Beliebt sind stattdessen Kropfbänder, die den Hals optisch verlängern und den Blick aufs Dekolletee freilassen. Wer mag, kann sich auch gerne auf den Kopfschmuck reduzieren, denn bei Flechtfrisuren ist viel Raum für Spielereien. So sind zum Beispiel farblich passende Bänder im Haar ein echter Blickfang. In den Zopf miteingewoben sind sie dezent und runden das Styling ab. Ebenfalls schick: Blumenkränze und Hüte.

Bei sonstigen Begleitern ist ebenfalls Zurückhaltung gefragt: Ein schickes Dirndl ist Schmuck genug. Auffällige Taschen können also getrost im Schrank bleiben. Außerdem sollten alle Mädels drauf achten, wirklich nur das Nötigste mitzunehmen und nur eine kleine Tasche auszuführen. Das neue Sicherheitskonzept des Oktoberfests schreibt vor, dass Rücksäcke und schwere Taschen draußen bleiben müssen. Alles über drei Liter ist verboten und Kontrollen werden tatsächlich durchgeführt. Mit dabei sein sollte für das Verlassen der Bierzelte ein Jäckchen, damit es nach der erhitzten Stimmung drinnen nicht kalt wird. Gut dafür sind die typisch bayrischen Janker, aber auch sonst ist in Ordnung was warm hält – außer Sport- und Funktionsjacken. Farblich passende Strickjäckchen sind leicht und passen zum Traditionellen.

Fehlen noch die Schuhe…

Die Schuhe? Das ist so eine Sache. Denn zum einen passen hohe Schuhe wie Pumps und Peeptoes zum Dirndl wie zu jedem anderen schicken Kleid einfach am besten. Zum anderen ist es jedoch so, dass natürlich zünftig gefeiert wird. Das heißt: Rauf auf die Bierbänke! Und ein langer Tag wird es auf den Wiesn sowieso. Deswegen ist die ganz hohe Variante gerade für ungeübte Wiesngänger vielleicht nicht ganz das richtige. Eine Alternative bieten Schnürschuhe mit mittleren Absätzen oder Stiefeletten und Ballerinas für späte Stunden, wenn die Füße vom Tanzen erschöpft sind. Auch in Ordnung und eine Hommage an die Tradition sind Haferl- und Wander-Schuhe, die einen Kontrast zu dem femininen Outfit bilden aber zeitgleich an die Alpen erinnern. Gar nicht gehen allerdings Sneaker und Sportschuhe – auch wenn sie sonst in diesem Jahr wirklich überall und zu allem getragen werden – bitte nicht auf dem Oktoberfest.

Bestrumpft wird entweder zünftig mit Trachtensocken oder gar nicht – wem es zu kalt wird, greift am besten zu einer transparenten Strumpfhose, die keine Falten wirft und keinen unnötigen Glanz hat. So marschiert ihr auch in kälteren Tagen stilsicher über das Oktoberfest.

…und die Frisur!

Natürlich wird’s hier zünftig. Geflochten wird nämlich – und das in jedem Jahr aufs Neue – nirgendwo so schön wie auf der Wiesn. Ein Flechtkranz, eine Hochsteckfrisur oder Heidi-Zöpfe – erlaubt ist was gefällt, Hauptsache es ist geflochten. Wer selbst nicht die Fingerfertigkeiten dazu hat, kann sich vertrauensvoll an eine Freundin wenden – denn zusammen fertig machen ist ohnehin viel schöner. Blüten und Bänder mit hinein zu flechten ist auch eine fesche Idee, die ein echter Hingucker wird. Und wo sonst kann man das denn schon tragen? Also.

Beim Make-up geht’s dann wieder gedeckter zu, wie auch die Stars zeigen. Der Nude-Look passt perfekt, denn das Dirndl als ursprüngliches Kleid der Magd lebt von seiner Einfachheit. Smokey Eyes und Glitzer-Make-up passen hier also nicht. Zurückhaltend, dezent mit Apfelbäckchen ist eine super Variante und lässt auch beim Feiern nichts verwischen. Apropos: Guat gfeiert wird auf den Wiesn. Deswegen ist ein unempfindlicher Stoff beim Dirndl viel wert, der sowohl Hendl als auch Bier-Flecken verzeiht und wieder auszuwaschen ist. Wenn nicht in der Waschmaschine, zumindest in der Reinigung.

Und jetzt hobts eich ned so, auf zur Wiesn!

Wer sich an diese Stylingregeln hält ist in jedem Fall gut angezogen und kann vielleicht den einen oder anderen Buam auf der Wiesn bezirzen. Wer das nicht möchte, sollte die richtigen Signal setzen und die Schleife auf der rechten Seite binden – das bedeutet vergeben. Links hingegen signalisiert, dass die Dame noch zu haben ist, während nur Kellnerinnen und Witwen ihre Schleife hinten tragen.

Und jetzt, ihr Madln, heißt es: Loas geht’s auf die Wiesn, no a Maß biddscheen und dann: Oans, zwoa, gsuffa!