Von Mark Read 0
Konzert in München

Noel Gallagher in München: Der Messias ist gelandet

Oasis sind Geschichte und die Gallagher-Brüder gehen getrennte Wege. Während Liam mit Beady Eye um Anerkennung kämpft, befindet sich Noel Gallagher mit seinen "High Flying Birds" auf anhaltendem Höhenflug. Gestern machte der Großmeister des Britpop in München Station und wurde dort gefeiert wie der Heiland persönlich. Völlig zu recht.


Noel Gallagher konnte gar nichts falsch machen. Als der 44-Jährige zusammen mit seiner Band "High Flying Birds" die Bühne in der prall gefüllten Münchener Tonhalle betrat, traf er auf ein euphorisches Publikum, das ihn feierte wie den Messias persönlich. Den Altmeister des Britpop erwartete eine Stimmung wie im Fußballstadion, inklusive "Noel, Noel"-Sprechchören, die über die gesamte Konzertlänge zwischen den Liedern zu hören waren. Was soll da noch schiefgehen?

Und der Protagonist ließ sich nicht lumpen. Gallagher gab dem Publikum, was es verlangte - Hits, Hits, Hits. Er eröffnete die Show mit zwei Perlen aus der prall gefüllten Schatzkiste von Oasis, "It's Good to be Free" und "Mucky Fingers". Danach ging der stimmlich bestens aufgelegte und wie immer herrlich zynisch-verschrobene Frontmann daran, sein letztjähriges Soloalbum in der CD-Reihenfolge durchzuspielen, bis auf den Abschluss-Song "Stop the Clocks". Zwischendrin bediente er sich immer wieder reichlich aus dem Oasis-Katalog. Wenn das einer darf, dann er, schließlich stammen alle großen Oasis-Hits ausschließlich aus seiner Feder.

Zu hören gab es unter anderem Gassenhauer wie "Half the World Away", "Talk Tonight" und "Supersonic". Die letzten beiden Lieder hatte Gallagher für seine Solo-Konzerte umarrangiert. Aus der sanften Akustik-Ballade "Talk Tonight" wurde ein schön rockiges Stück, mit dem Schrammel-Hit "Supersonic" hingegen - 1994 die allererste Oasis-Single überhaupt - verfuhr der Meister genau anders herum. Doch auch die neuen Lieder von der letztjährigen "Noel Gallagher's High Flying Birds"-CD wurden durch die Bank großartig dargeboten. "If I Had a Gun", "The Death of You and Me" und vor allem "Aka ... What a Life" entfalteten live noch mehr Wirkung als auf Platte und versetzten das Publikum fast schon in Ekstase. Die Band war in Top-Form, spielte kraftvoll und präzise. Und Gallagher selbst ging nicht nur voll aus sich heraus, sondern hatte auch sichtlich Spaß.

Ein Entertainer wird aus dem 44-Jährigen zwar nicht mehr, aber das erwartet erstens auch keiner, und zweitens ist es auch gut so. Trotzdem blitzte in der ein oder anderen Ansage und in der Art, wie Gallagher mit den Gästen in der ersten Reihe spielte, sein berüchtigter zynischer Humor durch. Er war bei bester Laune und ließ sich das auch anmerken. Spätestens als die Zugabe kam, und mit ihr die ganz großen Gassenhauer, war die Schlacht gewonnen. Als erstes gab es den wunderbaren Klassiker "Whatever" von 1994 zu hören, den selbst Oasis selten gespielt hatten. Danach folgte eine unglaublich kraftvolle Version von "Little by little", und ganz zum Abschluss gab es ihn dann doch noch: Den Überhit schlechthin, Noels bekanntests Lied aus Oasis-Tagen.

Schon bevor die ersten Akkorde von "Don't Look Back in Anger" erklangen und eine ganze Halle selig einen unvergänglichen Meilenstein mitgrölte, verabschiedete sich der Zeremonienmeister von seinen Jüngern. Man sah ihm an, dass er den Abend sehr genossen hatte. Doch da war er gestern nun wirklich nicht der einzige. Das Konzert in der Tonhalle war ein einziger Triumph für den kleinen Mann aus Manchester und der Beweis dafür, dass er wirklich ein ganz Großer der britischen Gitarrenmusik ist. Und Liam? Den hat gestern überhaupt niemand vermisst.


Teilen:
Geh auf die Seite von: