Von Nils Reschke 0
Acht Jahre in Gefangenschaft

Natascha Kampusch erzählt bei Günther Jauch von der Hölle im Verlies

Man kann sich gewiss bessere Dinge vorstellen, als den Abend seines 25. Geburtstages in einer Fernsehshow zu verbringen. Insbesondere dann, wenn einem selbst über acht Jahre des eigenen Lebens geraubt wurden.


Genau das ist der Österreicherin Natascha Kampusch widerfahren. Als zehnjähriges Mädchen wurde die Wienerin im Jahr 1998 von einem Mann namens Wolfgang Priklopil in der österreichischen Hauptstadt entführt. Ihr unglaubliches Martyrium, von dem Kampusch an ihrem Geburtstag am Sonntagabend bei Günther Jauch noch einmal erzählte, dauerte über acht unendlich andauernde Jahre.

Priklopil, ein arbeitsloser Nachrichtentechniker, hatte seine Tat damals detailliert geplant und das Mädchen in einer Art Verlies auf nur wenigen Quadratmetern gefangen gehalten – abgeschnitten von jeglicher Zivilisation. Im Gespräch mit Günther Jauch sprach Natascha Kampusch leise, aber sehr wohl bedacht, als wolle sie jedes Wort ganz genau überlegen. Der Zuschauer erfuhr auch noch einmal, wie ihr mit 18 Jahren schließlich die Flucht gelang, weil ihr Peiniger für einen Moment lang unachtsam war und das Gartentor nicht verschlossen hatte, zudem von einem Telefonat abgelenkt wurde.

Untermalt wurde das Gespräch mit Natascha Kampusch immer wieder mit Ausschnitten aus dem Film „3096 Tage“, der am 25. Februar in Wien Weltpremiere feiern wird. Darin zu sehen ist auch, dass Natascha Kampusch von ihrem Entführer sexuell missbraucht wurde. Ein Detail während ihrer Gefangenschaft, über das die Wienerin bis heute nicht gesprochen hat und auch nicht sprechen will.

Selbst in ihrem Buch kam davon kein Wort zur Sprache. Trotz allen Leids, das ihr geschehen ist, hat die Österreicherin immer den Weg in die Öffentlichkeit gesucht – dafür wurde sie sogar bisweilen auf geschmacklose Art und Weise angefeindet. Für sie selbst sei es aber immer eine Art Therapie gewesen, erzählte sie in der Talkshow bei Günther Jauch. Der Psychotherapeut Georg Pieper, der ebenfalls Gast in der Sendung war, fand für den Weg, den die Wienerin gewählt hat, jedenfalls lobende Worte: „Frau Kampusch ist ein leuchtendes Beispiel, das sich nicht als Opfer darstellt, sondern als aktive Überlebende.“


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