Von Franz Kaiser 0
Unsere EM-Kolumne

Nach dem Holland-Sieg: Warum Deutschland jetzt den Titel holt!

Den Erzrivalen mit 2:1 geschlagen, den "Fluch der zweiten Spiele" gebrochen und den Einzug in das Viertelfinale so gut wie perfekt gemacht. Kein Frage, der gestrige Mittwoch lief für die deutsche Nationalelf und Trainer Joachim Löw absolut perfekt. Was ist jetzt noch drin bei der EM? Unser Kolumnist Franz Kaiser gibt Antworten.


Die EM in Polen und der Ukraine ist bisher eine sehr schöne. Das muss man einfach mal so festhalten. Klar, auf die Straßenschlachten in Warschau zwischen polnischen und russischen Hooligans hätten wir gut und gerne verzichten können, auch die rassistischen Schmähungen von den Rängen gegen Spieler mit dunkler Hautfarbe sind einfach nur ekelhaft und gehören bestraft. Doch die Stimmung in den Stadien ist gut, und rein aus sportlicher Sicht macht die EURO 2012 großen Spaß. Die Gastgeber Polen und Ukraine überzeugen mit großem Kämpferherz, und die Favoriten tun sich relativ schwer, wodurch alles spannend bleibt. Das heißt, fast alle Favoriten. Denn die deutsche Elf hat sich bisher keine Blöße gegeben.

Bildquelle: Ian Walton/Getty Images via image.net

2:1 gegen die Niederlande - der zweite Sieg im zweiten Spiel für die Mannschaft von Jogi Löw. Ein Erfolg, dessen Bedeutung kaum genug zu würdigen ist. Er wurde errungen durch eine tolle kämpferische Leistung, gepaart mit - vor allem in der ersten Halbzeit - einigen spielerischen Leckerbissen. Die Art und Weise, wie Bastian Schweinsteiger beide Tore seines Vereinskameraden Mario Gomez maßgerecht auflegte, war absolute Spitzenklasse. Und wie Gomez selbst all seinen Kritikern den Wind aus den Segeln nahm, indem er einfach das machte, was er kann wie kein Zweiter - nämlich eiskalt vollstrecken - ließ mir das Herz so richtig aufgehen. Es war eine wunderbare Mannschaftsleistung der deutschen Elf. Und auch wenn das Team noch nicht ganz den offensiven Tempofußball der WM 2010 oder der Qualifikationsspiele zur EM zeigt, so ist es auf dem absolut richtigen Weg.

Denn in den ersten beiden Gruppenspielen zeigte Löws Mannschaft, dass sie in den letzten Jahren des Champagnerfußballs eine urdeutsche Tugend nicht verlernt hat: das Kämpfen. Früher waren deutsche Mannschaften dafür gefürchtet, dass sie mangelnde Finesse am Ball mit riesigem Einsatzwillen wettmachten und sich die Siege förmlich erkämpften. Mittlerweile scheint das Team in der Lage zu sein, ihre Fähigkeiten am Ball mit einem großen Kämpferherz zu einem kaum bezwingbaren Ganzen zu vereinen. Außerdem hat es Löw geschafft, mit Holger Badstuber und dem bisher überragenden Mats Hummels das optimale Duo für die Innenverteidigung zu finden. Schon alleine deshalb gehört unsere Auswahl für mich weiterhin zu den Topfavoriten auf den Titel.

Denn es ist zu erwarten, dass die Verkrampfung des Portugal-Spiels, die gestern gegen die Niederlande zu weiten Teilen abgeschüttelt wurde, in den kommenden Spielen endgültig verfliegt. Dann wird auch ein Mesut Özil wieder so zaubern, wie man es von ihm gewohnt ist. Dann wird Thomas Müller die Leichtigkeit bei seinen Flügelläufen zurückgewinnen. Klar wird sich auch Spanien noch steigern, und die Franzosen haben ihr Potenzial im ersten Spiel noch keineswegs abgerufen. Aber die deutsche Mannschaft hat gestern ein dickes Ausrufezeichen gesetzt und allen anderen klargemacht, dass der Weg zum EM-Titel nur über sie führt.


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