Von Mark Read 0
Vom Rebell zum Botschafter

Muhammad Ali: "The World's Greatest" geht in die 70. Runde

Heute wird eine absolute Box-Legende 70 Jahre alt. Cassius Clay, besser bekannt als Muhammad Ali, besiegte nicht nur seine Gegner im Ring, sondern kämpft seit 27 Jahren auch erfolgreich gegen die Parkinson-Krankheit. Wir stellen einen ganz großen vor.


Wohl kaum ein Zeitgenosse hat im Laufe seines Lebens derart viel durchmachen müssen und eine solche Wandlung vollzogen wie Muhammad Ali. Unter seinem Geburtsnamen Cassius Clay war er in den frühen 60er-Jahren nicht nur im Boxring gefürchtet. Er vertrat in der Öffentlichkeit unverblümt seine politischen Ansichten und wirbelte deshalb im angespannten Amerika jener Epoche viel Staub auf.

Es war die Zeit der Rassenunruhen, der Ermordung von Politgrößen wie John F. Kennedy (1963), Malcolm X (1964) und Martin Luther King (1968). Und Ali war eine Ikone jener turbulenten Ära. Als er 1967 in die US-Army eingezogen werden sollte, um in Vietnam im Namen Amerikas Menschen zu ermorden, verweigerte er mit den Worten: "Ich hab kein Problem mit den Vietcong. Die haben mich nie ,Nigger' genannt." Der Staat wollte derlei Wahrheiten nicht hören und entzog dem Quertreiber für drei Jahre die Boxlizenz.

Dies führte zur Unterbrechung einer beispiellosen Siegesserie. Im Februar 1964 schlug Cassius Marcellus Clay in Miami den amtierenden Weltmeister Sonny Liston. Es sollte der Start einer glanzvollen Boxkarriere werden. Für viel mehr Wirbel sorgte nach dem Kampf allerdings Clays Bekenntnis zum Islam. Er nannte sich fortan Muhammad Ali - den "Sklavennamen" Cassius Clay war er für immer los. In den folgenden Jahren wurde der politisch engagierte Boxer mit dem legendär großen Maul, der seinen Gegnern oftmals im Voraus die Runde ansagte, in der er sie ausknocken würde, die Attraktion schlechthin. Im europäischen Ausland boxte er in ausverkauften Fußball-Arenen, etwa am 9. Oktober 1966 im Frankfurter Waldstadion gegen Karl Mildenberger (K.O.-Sieg in der 12. Runde).

Erst 1971 verlor Muhammad Ali erstmals einen Boxkampf, gegen seinen späteren Erzrivalen Joe Frazier. Wann immer die beiden aufeindertrafen, flogen die Giftpfeile und es knisterte die Luft. 1974 revanchierte sich Ali mit einem knappen Punktsieg gegen Frazier. Damit war der Weg bereitet für den "Rumble in the Jungle" gegen den frechen Herausforderer George Foreman. Es sollte der beste und legendärste Boxkampf aller Zeiten werden. Am 30. Oktober 1974 standen sich die beiden Kämpfer in Kinshasa (in der heutigen DR Kongo) gegenüber. Ali hatte die Unterstützung der afrikanischen Bevölkerung, da er sich im Vorfeld als Kämpfer für die schwarzen stilisiert hatte, während Foreman die Interessen der weißen Kolonialherren vertreten würde.

Nach acht dramatischen und schweißtreibenden Runden hatte es Muhammad Ali endgültig in die Geschichtsbücher geschafft. Mit George Foreman verbindet den Jubilar übrigens heute eine innige Freundschaft. Der einstige Rivale gehörte zu den ersten Gratulanten an Alis Ehrentag.

 

Der größte Kampf erwartete Muhammad Ali ohnehin erst nach dem Ende seiner Karriere. 1984 wurde bei ihm die Parkinson-Krankheit diagnostiziert. Der einst so geschmeidige, katzenartige Boxer hatte seine Bewegungen immer weniger unter Kontrolle, begann zu zittern. Doch seine geistigen Fähigkeiten blieben bis heute völlig unbeeinträchtigt. So kann er immer noch öffentlich auftreten. Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wirbt er als Botschafter des Islam für die friedliche Grundhaltung seiner Glaubensrichtung.

Wir gratulieren einem der größten Sportler aller Zeiten zu seinem 70. Geburtstag. Ali ist ein Symbol dafür, dass man selbst aus einfachsten Verhältnissen kommend alles im Leben erreichen kann, wenn nur die Willenskraft dafür da ist.


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