Von Mark Read 0
Ende von 42 Jahren Terror

Muammar Gaddafi: Das bizarre Leben des libyschen Diktators

Mit dem gestrigen Tod von Muammar Gaddafi bei seiner Gefangennahme endet nicht nur eine monatelange Hetzjagd, sondern auch 42 Jahre Gewaltherrschaft in Libyen. Promipool wirft einen Blick zurück auf Gaddafis Leben – die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Diktators.


Gaddafi wurde 1942 in Sirte geboren, jener Stadt, in der er gestern offenbar auch den Tod fand. Er begeisterte sich schon früh für das Militär und brach sein Studium der Geschichte und Rechtswissenschaften an der Universität in Bengasi zugunsten einer Offizierslaufbahn ab. Mitte der 1960er Jahre gründete er „Bund freier Offiziere“, mit dessen Hilfe er kurze Zeit später die Macht in Libyen übernehmen sollte – und sie bis zu seinem Tode nicht mehr aus Hand geben sollte.

Denn am 1. September 1969 nutzte der Bund einen Auslandsaufenthalt des libyschen Königs Idris zu einem unblutigen Putsch. Gaddafi setzte sich als Führer einer Militärjunta an die Spitze seines Heimatlandes. In den folgenden Jahren versuchte er sich daran, Libyen zu einem sozialistischen, arabisierten Staat umzugestalten. Westliche Einflüsse wurden radikal zurückgedrängt. Beispielsweise verbot Gaddafi den Alkohol und ließ Militärstützpunkte der USA schließen. Auch mussten fast alle Ausländer das Land verlassen.

In den kommenden Jahren und Jahrzehnten wurden Gaddafis Größenwahn und seine Gewaltbereitschaft immer offensichtlicher. Mehrere Anschläge im westlichen Ausland wurden auf seine Befehle zurückgeführt, unter anderem 1986 die Explosion in der Berliner Disco „La Belle“. Die Kritik an Gaddafi nahm zu, sowohl in Libyen als auch im Ausland. Trotzdem gab es über die Jahre immer wieder westliche Politiker, die nach Libyen reisten, sich mit Gaddafi fotografieren ließen und wirtschaftliche Beziehungen zu dem Land pflegten – obwohl die Menschenrechtslage in Libyen allseits bekannt war.

In den letzten Jahren wurden Gaddafis Eskapaden immer bizarrer. 2008 rief er offen zum Krieg gegen die Schweiz auf, nachdem sein Sohn und dessen Gattin in Genf wegen Nötigung und Drohungen festgenommen worden war. Folge war eine waschechte diplomatische Krise. Im September 2009 zerriss Gaddafi während seiner ersten Rede vor UNO-Vollversammlung einige Seiten der US-Charta. Auch das eigene Volk hatte von dem offenbar geistig verwirrten Diktator immer mehr die Schnauze voll.

Der revolutionäre Funke sprang dann in diesem Frühjahr über. Angestachelt von den erfolgreichen Revolutionen in anderen afrikanisch-arabischen Ländern gingen auch in Libyen die Menschen auf die Straße. Der Rest ist Geschichte: Nach zähen Kampfhandlungen eroberten die Rebellen unter Mithilfe der NATO im August die Hauptstadt Tripolis. Gaddafi, der wahnsinnige Machthaber, floh vor den einmarschierenden Truppen. Er verschanzte sich in seiner Geburtsstadt Sirte, wo er gestern den Tod fand.


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