Von Nils Reschke 1
Nachruf

Mister „Aktuelles Sportstudio“ Harry Valerien ist tot

Ein jeder Kabarettist oder Parodist, der in den 70er und 80er Jahren etwas auf sich hielt, hatte auch Harry Valerien im Repertoire. Der Moderator des „Aktuellen Sportstudios“ im ZDF und seine ewige Suche nach der richtigen Kamera – das war Kult, das war legendär. „Wo sammer? Hier? Nein, dort. Dort sammer!“


Der Autor und Journalist Harry Valerien galt als Ikone, ja fast schon als Legende im deutschen Sportjournalismus. Am Freitagabend starb Harry Valerien im Alter von 88 Jahren. Das teilte sein Schwiegersohn Stefan Glowacz jetzt offiziell mit. Deutschland trauert nach Helmut Haller um einen weiteren Menschen, der sich für den deutschen Sport stets engagiert hat. Wenn auch auf der „anderen Seite“, der des Berichterstatters.

Dass Harry Valerien stets und auch nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Journalismus dem Sport verschrieben hatte, beweist diese kleine, traurige Anekdote. Kurz vor seinem Tod nämlich hatte der 88-Jährige sich mit ehemaligen aktiven Skirennläufern und Ex-Kollegen in Oberbayern getroffen. Auf der Rückfahrt zu seiner Heimat am Starnberger See sei er dann im Auto friedlich eingeschlafen. Sein Herz hatte aufgehört zu schlagen. Valerien hatte einst einmal gesagt, er mache keine Reportagen auf Kosten anderer. „Auch bei Interviews soll keiner als Sieger oder Verlierer den Ring verlassen.“ Daran hielt er sich nun selbst. Er, der nie im Rampenlicht stehen wollte. In aller Stille verließ Harry Valerien jetzt den Ring der Sportberichterstattung.

Angefangen hatte alle 1946 an der Deutschen Journalistenschule. Schnell startete Harry Valerien eine Karriere beim ZDF. Bei den Zuschauern war er beliebt, weil Valerien stets mit exzellentem Fachwissen zu glänzen wusste. Das nutzte Harry Valerien auch, als 1963 erstmals „Das aktuelle Sportstudio“ auf Sendung ging, war der Sportmoderator Mann der ersten Stunde. Die Bundesliga hatte gerade erst ihren Spielbetrieb aufgenommen, zum Konzept der Sendung zählte deswegen, mit aktuellen Fußballberichten zu beginnen. Doch wenn Harry Valerien moderierte, begann dieser nicht selten zum Einstieg mit Randsportarten – besser kann man seine Liebe zum Sport wohl kaum ausdrücken. Bis 1988 war der Mann mit dem gelben Pulli Teil des ZDF-Sportstudios. Einen Job als Sportchef beim ZDF lehnte er schon 1983 ab. „Ich bleibe lieber Reporter, das sagt mir mehr zu als jede Verwaltung.“ Und Sportreporter wird Harry Valerien jetzt auf immer bleiben. Einer der besten, die Deutschland jemals hatte.


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