Von Mark Read 0
Eine Würdigung

Michael Ballack: Der unspektakuläre Abgang eines Superstars

In wenigen Sätzen erklärte einer der größten deutschen Fußballer aller Zeiten das Ende seiner Karriere. Michael Ballack verlässt die große Fußball-Bühne auf eine Art und Weise, die seinen Verdiensten um den deutschen Fußball nicht gerecht wird. Eine Würdigung.


Am Dienstag war es also alles vorbei. Über seinen Hamburger Anwalt ließ Michael Ballack in wenigen kurzen Sätzen mitteilen, dass er beschlossen habe, seine aktive Karriere als Profifußballer zu beenden. Den Tenor: Es war eine schöne Zeit, doch jetzt ist es Zeit zu gehen. Was der 36-Jährige jetzt machen wird, ist noch nicht klar. Ein mögliches zweites Standbein als TV-Experte hat er sich bereits während der letzten EM aufgebaut, als er für "ESPN" Spiele begleitete. Dafür erhielt Ballack viel Lob - vielleicht geht es ja für ihn in dieser Richtung weiter.

Doch viel wichtiger ist, die Verdienste dieses Mannes für den deutschen Fußball zu würdigen. In den letzten beiden Jahren bei Bayer Leverkusen konnte er nicht mehr an seine großen Tage anknüpfen, wofür es mehrere Gründe gibt. Verletzungen, Probleme mit der Vereinsführung und natürlich auch eine persönliche Formkrise führten dazu, dass Ballack eher als tragische Figur wahrgenommen wurde denn als der große Held, der er für Deutschlands Fußball zu Beginn des neuen Jahrtausends war.

Denn die damalige Situation kann man sich aus heutiger Sicht gar nicht mehr vorstellen: Nach der desaströsen EM 2000 (Aus in der Vorrunde) lag Deutschlands Fußball am Boden. Nachwuchstalente waren Mangelware, im Gegensatz zu heute, wo sich die Özils, Götzes und Reus gegenseitig an spielerischer Brillianz überbieten. Damals gab es kaum Spieler von internationalem Format, die dem deutschen Fußball etwas Strahlkraft verpassen konnten. Ballack war so einer.

Sein Stern ging zwischen 2000 und 2002 bei Bayer Leverkusen auf, wo er zum torgefährlichsten Mittelfeldspieler der Bundesliga avancierte. Bei der WM 2002 sicherte er mit seinem Tor zum 1:0-Sieg gegen Südkorea den überraschenden Einzug ins Finale, wo er tragischerweise gelbgesperrt zusehen musste. Nach dem Turnier wechselte er zum FC Bayern München, wo er endgültig zum Superstar schlechthin im Deutschen Fußball aufstieg. Selbst nach dem Aufkommen von hoffnungsvollen Talenten wie Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski oder Philipp Lahm blieb Ballack die absolute und unumstrittene Lichtgestalt im DFB-Dress. Ein Führungsspieler von Weltklasse, wuchtig und dynamisch, der vorne für Gefahr sorgte und hinten seine Mannschaft mitriss.

2006 wechselte Ballack zum FC Chelsea nach England. Er war der einzige deutsche Fußballer, der bei einem Spitzenklub im Ausland spielte. Und auch auf der Insel war er vier Jahre lang Stammspieler, holte die englische Meisterschaft, den FA-Cup und stand im Finale der Champions League. Erst der berühmt-berüchtigte Tritt von Kevin-Prince Boateng im Pokalfinale 2010 warf ihn aus der Bahn.

Ballack war danach nie mehr der Alte. Er verpasste die WM 2010, er verlor die Kapitänsbinde an Philipp Lahm und musste mit ansehen, wie die Mannschaft ohne ihn zauberhaften Fußball spielte und sich internationale Hochachtung erwarb. Bei Bayer Leverkusen wollte er, schon 34-jährig, an alte glanzvolle Zeiten anknüpfen, doch es gelang nicht. Nun tritt der gebürtige Görlitzer nicht als strahlende Figur von der Bühne ab, sondern als Ersatzspieler. Ein wahrer Jammer, das hat dieser Mann nicht verdient.

Jeder, der seine fußballerische Sozialisation um die Zeit der Jahrhundertwende erlebte und der die dunklen Stunden des deutschen Fußballs miterlebt hat, wird Michael Ballack als großartigen Fußballer in Erinnerung behalten. Einen der Besten, der jemals das Adler-Trikot trug. Hoffen wir, dass das niemals in Vergessenheit geraten wird.


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