Von Nils Reschke 2
Wetten, dass..?

Markus Lanz kann´s! Gutes Debüt mit kleinen Hindernissen

Die schönste Erkenntnis an einem langen Fernsehabend am Samstag folgte kurz vor Mitternacht: „Wetten, dass..?“ kann durchaus noch überraschen. Denn Kandidat Cihan, der Slackliner, der mit seinen Fallrückziehern knapp gescheitert war, wurde trotzdem vom TV-Publikum zum Wettkönig gekürt und darf sich über ein neues Auto freuen. Viel Neues gab es auch beim Comeback der beliebtesten deutschen Unterhaltungsshow.


Die erste Panne gab es, noch bevor Markus Lanz mit „Wetten, dass..?“ auf Sendung ging. Die Hymne der Eurovision hakte und wurde doppelt abgespielt. Doch dann war es soweit: Von Taxifahrer Ralf Schumacher wurde Moderator Markus Lanz fast wie James Bond Richtung Studio chauffiert, meisterte die Einlasskontrolle durch Klitschko ebenso mit Bravour, schaute hier und da nach dem Rechten – und betrat sie endlich: die große Bühne am Samstagabend. Eine nette Idee, dieser Einspieler zum Start, der ein wenig an die Olympischen Spiele erinnerte, als James Bond seinerzeit die Queen zur großen Eröffnungsfeier per Helikopter abholte. Mit langen und ausgiebigen Applaus wurde Markus Lanz vom Publikum in Düsseldorf begrüßt, jenem Ort, wo vor fast zwei Jahren der Wettkandidat Samuel Koch verunglückte und Thomas Gottschalk in Folge dessen dann seinen Rücktritt erklärte. Schade, dass an Koch nicht zumindest in einem Wort erinnert wurde.

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Stattdessen begrüßte Lanz die Zuschauer in der Halle und am Bildschirm mit dem Worten: „Ich bin der Neue!“ Ein kurzes Shakehands mit Frank Elstner, dem Erfinder und ersten Moderator von „Wetten, dass..?“ – und der TV-Marathon nahm seinen Lauf. Zunächst hielt Markus Lanz ein Versprechen: Er begrüßte auch seine Landsleute in Südtirol. Dann folgte der dezente Hinweis, dass „es einen Hauch später werden könnte“. Lanz überzog zwar nur einige wenige Minute, allerdings war die Sendezeit bis offiziell 23.15 Uhr auch weitaus großzügiger angelegt. „Ich wette, dass das eine oder andere heute in die Hose gehen wird“, warnte der Gottschalk-Nachfolger sein Publikum schon einmal vor – und sollte damit auch recht behalten. Aber es waren eher Kleinigkeiten, die noch nicht rund wirkten. Nichts Dramatisches. Am Ende darf zusammengefasst werden: Es war ein gelungenes Debüt von Markus Lanz bei „Wetten, dass..?“, in dem der Moderator aber auch Zeit benötigte, um sich mit dieser neuen Rolle zurechtzufinden.

Neu war, dass gleich zu Beginn alle Prominenten auf die Couch gebeten wurden und die Wettkandidaten mit ihren Paten in die Halle einliefen. Die Bindung zwischen den Promis und den Kandidaten war der rote Faden, den das neue Konzept folgte. So erspielten die Prominenten mit ihren Tipps vor jeder Wette jeweils 1.000 Euro für „ihre“ Kandidaten, falls sie richtig lagen. Mit kleinen Einspielfilmen erfuhr der Zuschauer mehr zur Wette und den Kandidaten, die dahinter steckten. Während der Sendung nahmen sie Platz in einer Art Lounge, kamen aber nur anfangs sehr kurz und willkürlich zu Wort, bis ihr großer Auftritt folgte. Das war zumindest nicht konsequent zu Ende gedacht. Als ein klein wenig chaotisch entpuppte sich auch die Idee, alle prominenten Gäste auf einen Schlag Platz nehmen zu lassen. Kameraschnitte und Gespräche wirkten so eher beliebig und Lanz raubte sich dadurch in der ersten halben Stunde seiner größten Stärke: dem Talk. Es hatte den Anschein, als müsse er sich erst selbst einen Überblick verschaffen. Doch im Laufe der Sendung wurde das wesentlich besser und lässt optimistisch auf den zweiten Auftritt mit Markus Lanz bei „Wetten, dass..?“ hoffen.

Der Moderator war sich auch nicht zu schade, selbst in einer Challenge gegen einen Zuschauer aus dem Publikum anzutreten. Auch das war neu. Liegestützen mit einer Kiste Bier auf dem Rücken: Das war die Aufgabe. Dumm nur, dass der auserwählte Felix schon nach zwei Liegestützen entkräftet zusammenbrach. Lanz reagierte, holte einen zweiten Zuschauer auf die Bühne, der die Sache dann bravourös meisterte, wenngleich Markus Lanz alles tat, um die Niederlage von 30:36 Liegestützen zu verhindern. Schön auch, dass die alte Stadtwette reaktiviert wurde, bei der sich nackige Düsseldorfer weiß und rot bemalen ließen, um so das Wappen von Fortuna Düsseldorf abzubilden. Bei den Showacts gelang eine bunte Mischung: Superstar Jennifer Lopez nahm auch kurz Platz auf der Couch, die Toten Hosen rockten ihre Heimatstadt, Rapper Cro war wohl fürs jüngere Publikum gedacht. Und die Voca People waren ein echter Hinhörer.

Alles in allem wusste „Wetten, dass..?“ mit Markus Lanz noch nicht vollauf zu überzeugen. Aber die Ansätze waren dar. Vieles wirkte frischer als zuletzt noch unter Thomas Gottschalk. Die Show lässt sich eben schwer komplett neu erfinden. Aber man ist auf einem guten Weg. Markus Lanz sei eine gewisse Anfangsnervosität gestattet. Er wird die Kurve kriegen und Gottschalk mindestens gleichwertig beerben. Wetten, dass...?


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