Von Nils Reschke 0
WM-Qualifikation

Mario Götze bricht gegen die Färöer den Bann zum 500. Jubiläumssieg

Für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft war es ein nahezu perfekter Abend am Freitag in Hannover. Und irgendwie schrieben ja auch die Färöer mit an diesem historischen Spiel. Denn der 3:0 (1:0)-Erfolg in der AWD-Arena war der 500. Sieg in der Geschichte deutscher Länderspiele.


Die Feierlichkeiten vor dem Anpfiff gebührten Lukas Podolski, der für sein 100. Länderspiel geehrt wurde, das „Prinz Poldi“ bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine gegen Dänemark bestritten hatte und sogar mit einem Tor krönte. Aber nach den 90 Minuten waren dann doch nicht alle zufrieden, allen voran Bundestrainer Joachim Löw. Der bemängelte nach dem Schlusspfiff die schlechte Chancenverwrtung. „Das war nicht nur heute so, auch schon gegen Argentinien oder beispielsweise bei der EM gegen Griechenland“, kritisierte Löw – und traf damit den Nagel auf den Kopf.

Denn im ersten Durchgang erspielten sich die deutschen Kicker ein derart hohes und hochkarätiges Chancenverhältnis, dass Deutschland zur Pause durchaus auch mit einem 4:0, 5:0 oder gar mit einem halben Dutzend eigener Treffer hätte führen können. Und das ist nicht übertrieben. Aber der Nationalkeeper der Färöer, Gunnar Nielsen, hatte mit einer Reihe richtig guter Paraden etwas dagegen. So blieb es nach einer knappen halben Stunde dem Dortmunder Mario Götze vorbehalten, für das 1:0 zu sorgen. Im Verein beim BVB war Götze in den drei bisherigen Pflichtspielen immer nur eingewechselt worden. Unter Löw durfte er von Anfang an ran. In der 29. Minute schnappte sich „Super Mario“ das Leder, umkurvte drei Färinger und probierte es dieses Mal nicht wie seine Kollegen mit Gewalt, sondern schob ganz überlegt flach in die linke untere Ecke zum 1:0 ein. Weitere Torgelegenheiten gab es auch anschließend, weitere Tore fielen nicht.

Denn zuvor und auch nach dem 1:0 hatten sich die deutschen Feldspieler darin gegenseitig überboten, beste Chancen auszulassen. Ein agiler Sami Khedira scheiterte ebenso oft an Nielsen wie auch Miroslav Klose, Thomas Müller oder Marco Reus mehrfach. Das 1:0 war das einzig Zählbare, was man also mit in den zweiten Durchgang nahm. Den ging die deutsche Mannschaft dann nicht mehr ganz so stürmisch an, allerdings ein wenig effektiver. Mesut Özil macht ein schnelles 2:0 nach Vorarbeit von Thomas Müller (54.) – und damit war die Partie entschieden und Deutschland verhinderte, dass sie bei einem ganz knappen Vorsprung am Ende womöglich noch zu einem Zitterspiel gegen die Färöer geworden wäre. Mesut Özil legte sogar in der 71. Minute noch einen zweiten Treffer nach. Schön von Marco Reus in Szene gesetzt, „tunnelte“ er Gunnar Nielsen und sorgte so mit dem 3:0 für den Schlusspunkt.

Ob und vor allem was man aus diesem ersten Spiel in der WM-Qualifikation mitnehmen kann, das wusste nach dem Abpfiff keiner so richtig zu beantworten. „Erkenntnisse? Keine Ahnung“, zuckte Thomas Müller vom FC Bayern München mit den Achseln. „Wir haben drei Tore geschossen und drei Punkte geholt. Das ist das Wichtigste.“ Mario Götze, der den Bann gebrochen hatte, war nach der Partie einfach nur erleichtert, dass alles gut gegangen war: „Die standen hinten sehr tief, da war es schwer durchzukommen“, analysierte der BVB-Profi. „Wir hätten in der einen oder anderen Szene etwas konsequenter sein müssen. Die Tore taten uns gut.“ Müller indes widersprach in einem Punkt: „Man kann uns sicher nicht vorwerfen, dass wir die Treffer nicht machen wollten oder die Chancen zu fahrlässig vergeben haben. Jeder wollte das Tor, ich glaube, das hat man gesehen“, sprach der Bayern-Spieler auch die Glanztaten von Gunnar Nielsen im Tor der Färöer an.

Und was sagte eigentlich der Gegner vom Fußball-Underdog?  Zufrieden sei er mit allen Spielern, sagte Coach Lars Olsen hinterher. Enttäuscht war er nur darüber, wie die zwei Gegentore nach dem Seitenwechsel gefallen waren – über Konter der deutschen Elf. „Davor hatte ich meine Spieler noch in der Pause gewarnt. Ansonsten haben aber alle gekämpft und erfolgreich viele Chancen abgewehrt“, meinte Olsen. So war es am Ende also doch ein mehr oder weniger gelungener Abend in der AWD-Arena in Hannover, der mit einem Jubiläumssieg endete. Nur einer schaute nicht so glücklich drein: Lukas Podolski. Ihm wurden Thomas Müller, Mario Götze und auch Marco Reus vorgezogen. „Prinz Poldi“ nahm nur auf der Ersatzbank Platz – und droht jetzt sogar ganz aus der Startelf zu fliegen. Vor allem wenn das Dortmunder Duo Götze und Reus weiter in der Nationalelf so stark aufspielt.


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