Von Nils Reschke 0
WM-Qualifikation

Marco Reus verdrängt Lukas Podolski gegen die Färöer auf die Bank

Sollte es nicht ohnehin schon längst geschehen sein, so wird es für die Kicker der deutschen Nationalmannschaft höchste Eisenbahn: Denn die Zähler stehen wieder auf Null. Die Niederlage im EM-Halbfinale gegen Italien sollte endgültig aus den Hinterköpfen verschwinden. Die nächste Mission steht auf dem Programm.


Es geht wieder los! 2014 wird in Brasilien die 20. Fußball-Weltmeisterschaft stattfinden. Bis es soweit ist, müssen sich aber auch in Europa die Nationen für diesen Höhepunkt in Südamerika erst noch qualifizieren. Deutschland startet in der Gruppe C heute Abend ab 20.45 Uhr in der AWD-Arena in Hannover. Der Gegner kommt von den Färöern und taugt auf den ersten Blick durchaus dazu, ihn zu unterschätzen. Doch Bundestrainer Joachim Löw warnt seine Schützlinge: „Es gibt keine leichten Gegner in dieser Gruppe, die gewiss kein Selbstläufer wird.“

Nun werden solche Floskeln natürlich häufig und gerne verwendet. Doch die deutsche Mannschaft spricht da aus Erfahrung, auch wenn der Übungsleiter an der Seitenlinie damals noch nicht Jogi Löw sondern Rudi Völler hieß. 2002 war es, als Deutschland das erste Mal auf die Färöer traf. Damals rumpelte man sich – übrigens auch in Hannover – zu einem 2:1-Sieg, nachdem unmittelbar vor der Pause dem Underdog sogar der 1:1-Ausgleich durch ein Eigentor von Arne Friedrich gelungen war. Im Rückspiel auf den Schafinseln zitterte das DFB-Team dann sogar bis zum bitteren Ende. Die Färöer hielten ein 0:0. Erst in der vorletzten Minute erlöste Miroslav Klose die Nationalmannschaft, ehe in der Nachspielzeit Fredi Bobic zum wenig schmeichelhaften 2:0-Endstand vollstreckte.

Was sollen uns diese Ergebnisse sagen? Das Risiko einer Blamage ist immer da. Auch gegen die Färöer, die in ihrem wohl spektakulärsten Match 1990 seinerzeit Österreich mit 1:0 besiegten. Fußballfans werden sich erinnern, vor allem an den damaligen Keeper Jens Martin Knudsen, dessen Markenzeichen es war, eine Pudelmütze zu tragen. Doch das DFB-Team vergangener Tage ist mit dem anno 2012 nicht zu vergleichen. Unter Joachim Löw hat sich die Mannschaft spielerisch und mit erfrischendem Offensivfußball kontinuierlich weiterentwickelt und ein ganz anderes Level erreicht. Trotzdem zählen in einer WM-Qualifikation vor allem nur Punkte und Tore. Einen Schönheitspreis gibt es nicht zu gewinnen, wenn man die Reise 2014 nach Brasilien nicht verpassen will.

Joachim Löw steckt glücklicherweise in der Lage, auf einen Kader zurückzugreifen, der viele Alternativen bietet – ganz besonders in der Offensive. Das bekommt jetzt auch Lukas Podolski zu spüren, obwohl der zuletzt noch für den FC Arsenal sein erstes Pflichtspieltor erzielte. Löw allerdings schenkt im offensiven Mittelfeld Mesut Özil, Thomas Müller und eben Marco Reus, Deutschlands Fußballer des Jahres 2012, das Vertrauen. Reus wird damit für seine konstant guten Leistungen belohnt, „Prinz Poldi“ erhält eine Denkpause. Löw galt stets als Coach, der sich schützend vor Podolski gestellt hatte, auch wenn die Leistungen mal nicht stimmten im Verein. Im Nationaltrikot hat es „Poldi“ meist zurückgezahlt. Zuletzt aber eben immer seltener.

Offen ließ Löws Co-Trainer Hansi Flick in der Pressekonferenz vor der Partie gegen die Färöer neben einer Position im defensiven Mittelfeld, die wohl Lars Bender von Bayer Leverkusen an der Seite von Sami Khedira besetzen wird, auch noch das Pärchen offen, dass die Innenverteidigung bildet. Mats Hummels und Holger Badstuber scheinen erste Wahl zu sein. Gut möglich aber, dass Podolskis Clubkamerad beim FC Arsenal, Per Mertesacker, in seiner Heimat Hannover den Vorzug und eine Chance erhält, sich für die Stammelf zu empfehlen. Denn für Mertesacker wird die Luft in Sachen Startformation auch immer dünner.

Ganz gleich aber, wer denn da heute Abend auflaufen wird: Gegen die Färöer zählt in der AWD-Arena nur ein Sieg, um perfekt in die WM-Qualifikation für die Titelkämpfe 2014 in Brasilien zu starten. Eine historische Blamage, wie sie damals die Österreicher erfuhren, will sich das DFB-Team ganz gewiss nicht abholen. Apropos: Im nächsten Qualifikationsspiel ist Deutschland Gast eben in Österreich, das ebenfalls in der Gruppe C spielt, an diesem Freitag aber noch spielfrei hat.


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